Verpatzter Putsch Novemberrevolution 1918
Rat der Volksbeauftragten: Vereint um die rote Fahne der Arbeiterbewegung zeigt diese Postkarte von November 1918 die Mitglieder des "Rats der Volksbeauftragten", der nach der Abdankung des Kaisers vorerst die Regierungsgeschaäfte im Deutschen Reich übernahm. V.l.n.r.: Wilhelm Dittmann (USPD) , Otto Landsberg (SPD), Hugo Haase (USPD) sowie Friedrich Ebert (SPD), Emil Barth (USPD) und Philipp Scheidemann (SPD) an.
Rochus von Rheinbaben: Der Sohn eines preußischen Innen- und Finanzministers hatte im Ersten Weltkrieg als Kavallerieoffizier gedient, bevor er 1918 in den Diplomatischen Dienst eintrat. Im Dezember 1918 beteiliigte er sich an einem Putschversuch gegen die Herrschaft der Arbeiterräte und musste Deutschland verlassen. Nach seiner Rückkehr trat er als engagierter Verfechter der Republik in Erscheinung, wurde nach 1933 aber Mitglied der NSDAP. Rochus von Rheinbaben (hier eine undatierte Aufnahme) starb 1937 im Alter von 43 Jahren.
Auswärtige Amt mit Fahnenmasten: Das Gebäude des Auswärtigen Amtes (AA) in der Berliner Wilhelmstraße 75/76, aufgenommen um 1898. Nachdem die Monarchie im deutschen Reich zusammengebrochen war, wurden im November 1918 auch über dem AA rote Fahnen gehisst. Zwei junge konservative Diplomaten holten diese am 6. Dezember 1918 im Zuge eines gescheiterten Putschversuchs wieder herunter - eine der Flaggen tauchte 2008 bei einem Nachfahren der Putschisten wieder auf.
Parolen des Protests: Eine Demonstration im Januar 1919 vor dem Berliner Schloss anlässlich der Wahlen zur Nationalversammlung vom 19. Januar 1919. Die Losungen auf den Plakaten lauten: "Nieder mit der Blutdiktatur des Spartakusbundes!" - "Arbeiter seid einig!" - "Für die Nationalversammlung!" - "Gegen Gewaltherrschaft und Anarchie!" - "Wir bekämpfen jeden Putsch von Rechts oder von Links!" - "Frauen, Mädchen - nutzt am 19. Januar Euer Wahlrecht!".
Matthias Erzberger: Der Zentrums-Politiker 1919 als Reichsminister ohne Geschäftsbereich mit besonderer Verantwortung für Waffenstillstandsfragen. Als Leiter der deutschen Waffenstillstandskommission hatte Erzberger am 11. November 1918 im Wald von Compiègne die deutsche Kapitulation unterzeichnet. Wegen dieser Rolle und seinem Eintreten für den Versailler Friedensvertrag geriet er in das Visier rechtsextremer Fanatiker und wurde am 26. August 1921 bei Bad Griesbach im Schwarzwald von Angehörigen der terroristischen "Organisation Consul" ermordet. Erzbergers Rolle bei dem gescheiterten Putschversuch vom 6. Dezember 1918 ist bis heute ungeklärt.
Hugo Haase: Der Mitbegründer der Unabhängigen SPD (USPD) wurde während der Novemberrevolution Mitglied der provisorischen Regierung, dem "Rat der Volksbeauftragten". Nach den sogenannten Berliner Weihnachtsunruhen trat er im Dezember 1918 aus dem Rat aus. Am 8. Oktober 1919 starb Haase an den Folgen eines Attentats, das ein Geisteskranker vier Wochen zuvor auf ihn verübt hatte.
Liebknecht spricht: Nach der Beisetzung von Opfern eines Zusammenstoßes zwischen Regierungstruppen und Spartakisten in der Berliner Chausseestraße tritt der führende Linkspolitiker am 6. Dezember 1918 bei einer politischen Trauerfeier auf. Wenige Wochen später gehört Liebknecht zu den Mitgründern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Sicher in Weimar: Während des Spartakusaufstandes in Berlin Anfang Januar 1918 residierten die Volksbeauftragten im sicheren Weimar. Hier Philipp Scheidemann, Otto Landsberg, Friedrich Ebert, Gustav Noske und Rudolf Wissel (v.l.n.r.) während einer ihrer Sitzungen.
Zurück in Berlin: Eine der roten Fahnen, die Rochus von Rheinbaben am 6. Dezember 1918 vom Dach des Auswärtigen Amtes in Berlin holte, tauchte im Jahre 2008 im Münchner Keller des Enkels eines der beteiligten Putschisten wieder auf. Hier wird sie in einem Treppenhaus des Auswärtigen Amtes in Berlin ausgebreitet, wohin sie nach 90 Jahren wieder zurückgekehrt ist.