90 Jahre Watts Towers - DER SPIEGEL
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Simon Rodias Lebenswerk Schrott zu Kunst

Er nahm Schrott, Müll und Beton und baute daraus gigantische Türme. 1921 begann Simon Rodia den Bau der Watts Towers. Drei Jahrzehnte schuftete der Einzelgänger in einer entlegenen Ecke von Los Angeles an den monumentalen Betonskulpturen - um sie dann plötzlich zurückzulassen.
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Watts Towers: Die Betonskulpturen des italienischen Einwanderers Sabato "Simon" Rodia entstanden zwischen 1921 und 1954 in Los Angeles auf einem Eckgrundstück im Stadtteil Watts. Diese Aufnahme entstand im April 2005.

Foto: Carol Highsmith / PD
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Sabato Rodia: Der 1879 geborene Immigrant Sabato Rodia stammte ursprünglich aus einem Bergdorf in der Nähe von Neapel und wanderte bereits als junger Mann in die USA aus. 1921 kaufte er ein Eckgrundstück im Einwandererviertel Watts, in Los Angeles, lebte dort in einer einfachen Hütte und begann mit dem Bau seiner Türme. Die Aufnahme zeigt ihn 1951 in seiner Werkstatt neben den Watts Towers.

Foto: Getty Images
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Ungesichert: Sabato Rodia, der in den USA seinen Vornamen in "Simon" änderte, steht auf einer Kuppel der von ihm erschaffenen Watts Towers, aufgenommen 1951. Er arbeitete 34 Jahre an seinem Lebenswerk - ohne Gerüst, Helfer oder Bauzeichnungen.

Foto: Getty Images
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Neues Bauteil: Die Türme wurden von Rodia aus Zement, Schrott und Stahl aufgegebaut und aufwendig mit riesigen Mengen von Glasscherben, Kacheln und Muscheln verziert.

Foto: Getty Images
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Symbol eines Viertels: Im Jahr 1954 verließ Rodia seine ewige Baustelle und zog in den Norden Kaliforniens, um, wie er sagte, bei seiner Familie "zu sterben". Die Türme sollten abgerissen werden, doch sie trotzten dem Abrisskran. Der Stadtteil Watts wandelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg von einem Einwandererviertel zu einem Armen-Ghetto mit vorwiegend schwarzer Bevölkerung. Bei den Rassenunruhen von 1965 kamen hier 34 Menschen ums Leben. In der Folge avancierten die Türme zum Mahnmal der Freiheit. Das Foto zeigt einen Jungen im Juni 1966 im Griffith Park, der an die Watts Towers grenzt.

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Bunter Spielplatz: Kinder spielen 1966 auf dem Gelände der Türme. Zwölf Jahre zuvor hatte der Erbauer, Simon Rodia, das Armenviertel Watts verlassen und das Grundstück mit seinen skurrilen Skulpturen den Nachbarn geschenkt.

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Künstlerheim: Simon Rodia 1951 in seiner Werkstatt an den Watts Towers. Der gebürtige Italiener hatte sich auf seiner Baustelle häuslich eingerichtet.

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Meisterleistung: Der nur 1,50 Meter große Simon Rodia erklimmt 1951 ohne Sicherung eine Turmspitze seines monumentalen Bauwerks. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits 72 Jahre alt. Tagsüber schlug er sich als Maurer und Bauarbeiter durch und nutzte jede freie Minute, um an seinen Türmen zu arbeiten.

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Wiedereröffnung: Ein Helfer beim Aufbau eines Zeltes für die Feierlichkeiten der Wiedereröffnung der Watts Towers am 28. September 2001. Das Gelände war 1994 nach einem Erdbeben für Sanierungsarbeiten gesperrt worden.

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Denkmal: Nachdem das Bauamt 1959 bereits den Abriss anordnete, der allerdings an der Standfestigkeit der Gebäude scheiterte, steht das Gelände seit 2010 unter der Obhut des Los Angeles County Museum of Art, Lacma. Die Watts Towers in Los Angeles gehören zu den ungewöhnlichsten Kunstdenkmälern Amerikas.

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Erinnerung: Ein Tourist liest im März 2010 eine Gedenktafel zu den Rassenunruhen im Stadtteil Watts in Los Angeles Mitte der sechziger Jahre. Die Tafeln befinden sich auf dem Gelände der Watts Towers.

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Portal: An diesem reich verzierten Eingang zum Areal der Watts Towers sind die Initialen "SR" und die Ziffer "1765" mehrfach zu erkennen. Mit "SR" verewigte sich der Erbauer Simon Rodia, und "1765" bezeichnet die Hausnummer des Geländes am Santa Ana Boulevard.

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Für die Erhaltung: Ein Schild wirbt um Hilfe für den Erhalt des Gebäudekomplexes, aufgenommen im August 1959 auf dem Gelände der Türme. Eine Gruppe Kunstliebhaber kaufte das Grundstück und protestierte gegen den drohenden Abriss, nachdem Rodia das Gelände verlassen hatte.

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Naive Kunst: Die von Simon Rodia geschaffenen Watts Towers wurden 1990 vom US-amerikanischen Innenministerium zum "National Historic Landmark" erklärt, als "eines der feinsten Beispiele naiver Kunst".

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Gesamtkunstwerk: Rodia gestaltete äußerst detailverliebt und mit runden, organischen und asymmetrischen Formen. Dazu bog er Rohre, Stangen und Draht und goss das Material in Zement, bevor er es - wie hier auf einem Bild von 1993 zu sehen - unter anderem mit Muscheln dekorierte.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?