Abenteuer Trampen - DER SPIEGEL
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Reisen als Anhalter Daumen hoch - und raus in die Welt

Bahncard? Billigflieger? Früher eroberten Jugendliche Deutschland und die Welt noch per Anhalter von Ausfallstraßen und Autobahnraststätten aus - und erlebten Freiheit, Frust und reichlich Abenteuer. Heute würden nicht mal die Tramper von einst ihren Kindern solche Touren erlauben. Von Uli Booms
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Westwärts auf dem Transkanada-Highway: Im Sommer 1976 machten wir uns von Montreal auf nach Vancouver. Durch die reaktivierte Pfadfinderkluft versuchten wir, unsere Chancen auf Mitnahme zu verbessern.

Foto: Uli Booms/W. Tent
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Warten auf den Lift: Während wir von der untergehenden Sonne angestrahlt auf den nächsten Lift warten, gibt es zum Abendbrot schlabbriges Toastbrot mit Scheiblettenkäse. Der Einsatz lohnte sich - wir wurden noch vor einbruch der Dunkelheit von Ben mitgenommen, den wir die nächsten 4000 Kilometer bis nach Ottawa begleiten konnten.

Foto: Uli Booms/W. Tent
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"Be prepared to stop": Bei Winnipeg nutzen wir den Hinweis auf eine Baustelle aus, um auch den Autofahrern klar zu machen, was wir von ihnen erwarten. Der Lift wurde aber zu Pannentour, der Wagen bekam einen Platten, die Ersatzreifen waren auch schon platt. Wir überließen den Fahrer seinem Schicksal und suchten uns den nächsten Wagen.

Foto: Uli Booms/W. Tent
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Ostküste: Im September 1976 erreichten wir die Ostküste Kanadas, das Thermometer sackte nachts schon unter den Gefrierpunkt. An diesem Abend rettete uns der Sieg der kanadischen Eishockeynationalmannschaft beim Kanada-Cup. Sie schlug die CSSR 6:0. Die Stimmung in der Kneipe entwickelte sich so gut, dass wir eine Einladung zur Übernachtung bekamen.

Foto: Uli Booms/W. Tent
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Trampen 1956: Die Studentin Ruby Powell von der Florida-A&M-Universität versucht am 1. Juni 1956 - dem fünften Tag des Busboykotts in Tallahassee, Florida - zu trampen.

Foto: Anonymous / AP
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Mit der Hilfe Gottes: Die Franziskanermönch Patrick Mary Gint (l.) und Sean Patrick Hurley am 10. Juni 2004 an einer Schnellstraße in Roanoke (Virginia). Die beiden wollen nach Nicaragua trampen, um dort beim Aufbau eines Klosters zu helfen.

Foto: AP
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Auf sich allein gestellt: Eine Tramperin steht am 14. August 2007 mit Rucksack und einem Schild in der Hand an einer Straße in Berlin, um von einem Autofahrer mitgenommen zu werden.

Foto: dpa
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Per Anhalter zum Papst-Begräbnis: Die polnischen Studenten Blazej Tomaszewski (l.) und Wojtek Dardas aus Konin wollen Anfang April 2005 per Anhalter nach Rom, um dort dem Begräbnis von Papst Johannes Paul II. beizuwohnen. Bisher hat jedoch noch niemand für sie gehalten.

Foto: dpa
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Auf der Walz: Die Tischler-Gesellen Maria aus Rostock (l.) und Nana aus Schwerin stehen am 23. Oktober 2007 in Freiburg im Breisgau an der Bundesstraße 31. Die beiden Frauen, die schon mehrere Monate in traditioneller Kluft von Stadt zu Stadt ziehen, wollen per Anhalter in die Schweiz nach Zürich.

Foto: dpa
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Trampen in Kuba: Eine Kubanerin steht am 23. Februar 2007 mit ausgetrecktem Arm an einem Highway außerhalb Havannas, um zu Trampen. Aufgrund des außerhalb der großen Städte nur spärlich ausgebauten Transportsystems nutzen viele Kubaner die Möglichkeit, per Anhalter in Lastwagen oder Autos mitzufahren.

Foto: AP
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Zimmermann auf der Walz: Nach der Lehre zum Zimmermann ist es Tradition für die Gesellen, mindestens drei Jahre durch die Lande zu ziehen. Sie sind hierbei in jeglicher Hinsicht auf Unterstützung angewiesen, die sie oft mit handwerklichen Arbeiten abgelten. Dieser Handwerker steht am 24. April 2001 am Autobahndreieck Offenbach und wartet auf eine Mitfahrgelegenheit.

Foto: ddp
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Schneetramper: Ein Schneemann und sein Schneehund stehen am 24. Februar 1998 am Kreuz Highway 140 und 66 in der Nähe von Klamath Falls, Oregon, USA.

Foto: AP
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Zurück auf den Berg: Zwei Snowboarder wollen - nachdem sie den Mount Rose bei Reno auf ihren Brettern hinunter gefahren sind - per Anhalter zurück auf den Berg. Aufnahme vom 12. November 1997.

Foto: Tim Dunn / AP
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Raus die Daumen: Drei Tischlergesellen stehem am 3. Oktober 2005 an der B31 in Freiburg. Die Tramper wollen in die Schweiz und sind auf nette Autofahrer angewiesen, die se dorthin mitnehmen.

Foto: dpa
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Tree Planter's Camp: Die Zeit mit denen war wirklich besonders nett: Den ganzen Tag für die kanadische Regierung Bäume pflanzen im Akkord, abends Lachse angeln und Party mit Indianersauna. Leider wurde es auch hier nichts mit dem Geld für die Rückreise, weil das gesamte Camp wegen ungenauem Arbeiten gefeuert wurde. Die Feierlichkeiten und die gemeinsame Weiterreise nach der Entlassung wurden dann aber auch noch richtig gut (um es vorsichtig auszudrücken). Das Blöde war, dass ich dann beim Zurücktrampen durch Zentralkanada Ende November das erste mal in meinem Leben erlebt habe, was minus 40 Grad sind. Das ist nämlich nicht mehr kalt - das tut weh. Aber das ist eine andere Geschichte...

Foto: Thomas Metzinger
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Kenora und der Typ mit der Knarre: Genau so war es: Wawa und Kenora waren die absolute Hölle, anderthalb Tage habe ich da festgesessen. Endgültig weitergekommen bin ich dann mit diesem Typ da, vier Tage bis Vancouver Downtown.

Man beachte die (selbstgebaute!) Knarre - tagelang hat er mich immer wieder zu überreden versucht, eine Tankstelle zu machen. Ich bin aber standhaft geblieben. Und viel stressiger war es eigentlich, als sich mein grüner Kaufhof-Rucksack irgendwann bei 160 auf der linken Spur von der Rücklehne gelöst hat, neben der Maschine über den Highway schleifte und mein lieber Beifahrer hinter mir ihn - ganz spontan wirklich beeindruckend akrobatisch - wieder hochgefischt hat. Da musste ich mich doch irgendwie ziemlich plötzlich und ziemlich weit nach rechts lehnen.

Irgendwie war das doch eine bessere Zeit als heute.

Foto: Thomas Metzinger
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Der perverse Engländer: Als ich von San Francisco wieder hochkam und auf dem Rückweg nach Montreal war, bin ich endgültig pleite gegangen und musste im Kamloops Christian Men's Hostel wohnen. Mit diesem Typ habe ich in der Weinlese gearbeitet. Der hat sich die Arbeit versüsst, in dem er immer und immer wieder die Trauben zärtlich in die linke Hand genommen hat, dann ganz liebenswürdig zum Weinstock "C'mon little boy, come here!" gesagt und mit der rechten Hand urplötzlich "Schnapp!" gemacht hat.

Foto: Thomas Metzinger/Prof. Dr. Thomas Metzinger
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Mehrsprachig: "Ich bin Deutscher, Tysk, I come from Germany, Allemagne." Gleich in vier Sprachen hat sich dieser Tramper auf seiner Jacke als deutscher Bürger geoutet. Offensichtlich versprach sich der junge Mann davon einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Gesehen an einer Ausfallstraße in Neumünster Richtung Dänemark im September 1962.

Foto: Arno Freudenhammer/Hermann Freudenhammer / Neumünster-Fotos.de
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Wiedergeburt: Ich denke das Bild passt zu dem Artikel... Ein Passant meinte damals, dass er schon seit Jahrzehnten nicht mehr soviele Tramper auf einem Fleck gesehen hat, und dass er wieder Fernweh bekommt. Das Foto zeigt Tramper von Abgefahren e.V., dem ersten deutschen Tramperverein, die zur selben Zeit in Freiburg trampen. Das Ziel des Vereins ist das Trampen als besondere Art des Reisens (sozial, ökonomisch, ökologisch) zu unterstützen, in diesem Fall durch die Forderung nach offiziellen Tramperhaltestellen. In den Niederlanden und in der Schweiz sind Plätze schon ab und an zu sehen, in Deutschland noch nicht vorhanden.

Foto: Abgefahren e.V. Deutsche Autostop Gesellschaft/Abgefahren e.V. - Deutsche Autostop Gesellschaft
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?