Abschiede 2008 - DER SPIEGEL
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Abschiede 2008 Legenden, Stars und ein Lästermaul

Sie schrieben Geschichte: Edmund Hillary und Yves Saint Laurent, Heath Ledger und Paul Newman, Horst Tappert und Knuts Papa - einestages über die Toten des Jahres 2008.
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Sir Edmund Hillary: 88. Als er am 29. Mai 1953 mit seinem Sherpa Tenzing Norgay auf dem Gipfel des eisigen Riesen angekommen war, hatte er "nicht im Geringsten" daran gedacht, dass er "nun weltberühmt werden würde". Der Neuseeländer Edmund Percival Hillary, Erstbezwinger des Mount Everest, war einer der letzten Weltentdecker und Abenteurer und nannte sich selbst höchst bescheiden "einen begeisterten Bergsteiger mit durchschnittlichen Fähigkeiten". Der Ritterschlag der britischen Queen war ihm eher peinlich. Seine unerwartete internationale Verehrung nutzte er als emsiger Spendensammler für das bettelarme Nepal, dort bewunderte man ihn wie einen Heiligen. Als 1975 seine Frau und seine Tochter bei einem Flugzeugunglück ums Leben kamen, suchte er Trost im Alkohol und in Tabletten, sein Lebensmut und sein Optimismus aber kehrten schließlich zurück. Den modernen Massentourismus am Mount Everest und die Vermüllung der majestätischen Bergwelt hätte er am liebsten verboten. In einem neuseeländischen Hospital ist der wohltätige Gentleman "Sir Ed" am 11. Januar gestorben.

Foto: POOL/ REUTERS
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Heath Ledger: 28. Als schwuler Cowboy in "Brokeback Mountain" schaffte der australische Schauspieler 2005 den internationalen Durchbruch und eine Oscar-Nominierung. Am 22. Januar 2008 wurde Ledger tot in seiner New Yorker Wohnung gefunden, kurz vor dem Kinostart des Batman-Streifens "The Dark Knight", in dem er als Joker einen letzten, furiosen Auftritt hatte.

Foto: REUTERS
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Annemarie Renger: 88. Schon als Lyzeumsschülerin hatte sie zum Erstaunen der Lehrer ein überraschend exotisches Berufsziel: Das Mädchen Annemarie wollte "Parteisekretärin" werden, natürlich in der SPD, der politischen Heimat ihrer Leipziger Eltern. Der Wunsch wurde wahr, als die junge Frau ihrem politischen Idol begegnete, dem schwer kriegsverletzten SPD-Chef Kurt Schumacher. Er machte sie zu seiner engsten Vertrauten und eröffnete ihr den Weg in die Parteihierarchie. Von 1953 bis 1990 saß die stets elegant ondulierte konservative Parteisoldatin im Bundestag. 1972 wurde sie die erste Bundestagspräsidentin. "Ich habe erreicht, was ich wollte", bekannte sie stolz, "es ist bewiesen, dass eine Frau das kann." Am 3. März ist die "First Lady der SPD" (so Franz Müntefering) in Remagen-Oberwinter gestorben.

Foto: dpa
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Giuseppe Di Stefano: 86. Von der "Schönheit seines hohen C", seinem samtigen Timbre haben selbst Melomanen wie der einstige "Met"-Chef Rudolf Bing in den höchsten Tönen geschwärmt. Der sizilianische Tenor war Traumpartner der Callas (l.), stürmte mit Puccini- und Mascagni-Partien alle großen Bühnen der Welt und brachte die Intendanten mit seinen Launen zur Verzweiflung. "Er könnte der Größte von uns allen werden", orakelte sein schwedischer Kollege Jussi Björling. Doch der Ruhm des lyrischen Zauberers welkte, als er allzu unbekümmert ins dramatische Fach wechselte und seine Stimme überforderte. "Kleine Künstler machen kleine Fehler", bemerkte er sarkastisch, 2die großen machen große." Mit der Callas ging er Anfang der siebziger Jahre auf eine Abschiedstournee, die für beide zum Desaster wurde. Guiseppe di Stefano starb am 3. März in seinem Haus bei Mailand.

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Arthur C. Clarke: 90. britischer Science-Fiction-Autor, der rund hundert Bücher schrieb und das Drehbuch für Stanley Kubricks Film "2001:Odysse im Weltraum" verfasste.

Foto: Ralf Bülow/Archiv John C. Sherwood
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Charlton Heston: 84. Er war Hollywoods Mann fürs Überlebensgroße, eine imposante Erscheinung, zu der Römertoga, Ritterrüstung oder breitschultrige Uniform passte. Die Rolle des Mose in "Die zehn Gebote" (1956) soll der junge Hüne bekommen haben, weil er Michelangelos Mose-Statue ähnlich sah. Drei Jahre später folgte das unübertroffene Monumentalwerk "Ben Hur". In den sechziger Jahren spielte Heston den spanischen Nationalhelden "El Cid", Michelangelo und Johannes den Täufer. Shakespeares Antonius lag ihm besonders: 1950 war dies in "Julius Cäsar" seine erste richtige Filmrolle gewesen, 1970 spielte er sie in einem neuen "Julius Cäsar" ein zweites Mal, 1972 drehte er in Eigenregie eine "Antonius und Cleopatra"-Verfilmung, die sich als Debakel erwies und nur in wenige Kinos kam. Hestons späterer Ruhm war mit düsteren Endzeit-Filmen verbunden, besonders "Planet der Affen" (1968). Durch Charakterrollen blieb er bis ins hohe Alter präsent, daneben trat er als Vorkämpfer für das "angeborene Recht" auf Waffenbesitz hervor. Am 5. April ist Charlton Heston in Beverly Hills gestorben.

Foto: dpa
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Philipp Freiherr von Boeselager: 90. In den Alpträumen der Vergangenheit, die ihn bis in seine letzten Tage belagerten, quälte den Veteranen immer wieder eine Szene: "Ich sehe Hitler vor mir gehen und denke, hättest du ihn doch erschossen." Am 13. März 1943 wäre es beinahe dazu gekommen, wenn nicht Boeselagers eingeweihter Vorgesetzter, Günther von Kluge, das Attentat untersagt hätte. Der Generalfeldmarschall befürchtete, der Holocaust-Organisator Heinrich Himmler könnte anschließend einen Bürgerkrieg zwischen Wehrmacht und SS anzetteln. Die Horrormeldungen von den Massenvernichtungen und den Greueln der Wehrmacht im Osten hatten den tiefgläubigen, jesuitisch erzogenen Adligen Boeselager in den Widerstand getrieben. Der Kavallerieoffizier beschaffte Sprengstoff ("einen halben Zentner oder so") für das Hitler-Attentat am 20. Juli 1944, und nur weil die verhafteten Verschwörer selbst unter Folter seinen Namen nicht preisgaben, entkam er dem Henker. Seine Rolle im Widerstand hatte der bescheidene, lebensfrohe Freiherr nie an die große Glocke gehängt. Offizielle Anerkennung im Nachkriegsdeutschland blieb ihm versagt. Er sprach oft vor Schülern ("Die Abiturienten muss man warnen") und "schlief dann hinterher schlecht", aber nie vor Soldaten der Bundeswehr. Philipp von Boeselager, einer der letzten Widerstandskämpfer des 20. Juli, ist am 1. Mai auf seiner Burg bei Altenahr gestorben.

Foto: Thomas Frey/ dpa
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Irena Sendler: 98. Sie war, vom Staat Israel hochgeehrt, eine "Gerechte unter den Völkern", Lebensretterin für 2500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto. Unter dem Decknamen "Jolanta" hatte die barmherzige Sozialarbeiterin Nahrung und Medikamente für die eingeschlossenen Juden organisiert. Als die Nazis 1942 mit der Deportation der Ghetto-Bewohner begannen, schmuggelten Sendler und ihre Helfer die Kinder aus dem Sperrgebiet und brachten sie in Waisenhäusern, Klöstern und bei Adoptiveltern unter. Die Namen der Schützlinge notierte sie auf Listen, die den Kindern die Rückkehr zu ihren leiblichen Eltern ermöglichen sollten. An die Gestapo verraten, wird sie 1943 verhaftet und zum Tode verurteilt, ein bestochener Wachmann lässt sie laufen. Irena Sendler, im Nachkriegspolen noch als "Judenhelferin" drangsaliert, ist am 12. Mai in einem Warschauer Altenheim gestorben.

Foto: Alik Keplicz/ AP
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Robert Rauschenberg: 82. Prediger wollte er ursprünglich werden - als "Titan der amerikanischen Kunst" und Mitbegründer der Pop-Art lag ihm die Kunstwelt zu Füßen, als er 1997 im New Yorker Guggenheim-Museum mit einer Retrospektive gefeiert wurde. 60 Jahre lang hat der Texaner, dessen Großvater aus Berlin stammte, die Kritiker mit revolutionären Ideen überrascht. 1953 protestierte er gegen den herrschenden Abstrakten Expressionismus, indem er eine Zeichnung von Willem de Kooning ausradierte - "Erased de Kooning" war der erste fulminante Rauschenberg-Coup. In seinen "Combine Paintings" kombinierte der gewitzte Pop-Artist Malerei und Plastik. Er verarbeitete Straßenmüll zu Assemblage-Bildern und suchte nach den Nahtstellen von Kunst und Alltag. Sich selbst und sein Jahrhundertwerk nahm der unermüdliche Partygänger gern auf die Schippe. Seine beste Kritikerin, juxte er, sei seine Wüstenschildkröte Rocky. Robert Rauschenberg stirbt am 12. Mai in Florida.

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Sydney Pollack: 73. Als Schauspieler hat er sich sein Leben lang gern mit markanten kleinen Rollen begnügt, doch als Regisseur zeigte er von seinem ersten Film an den Ehrgeiz und die Bravour, in Hollywood zur Spitzenklasse zu gehören: Großes Star-Kino war das Ziel, und er verstand es, aus seinen Stars das Beste herauszuholen, deshalb liebten sie ihn. Die großen Pollack-Erfolge der siebziger und achtziger Jahre setzten, weil sie intelligenter und realistischer als der Durchschnitt waren, Bestmarken in ihren Genres: "Die drei Tage des Condor" (1975) war der raffinierteste Polit-Thriller seiner Zeit, "Tootsie" (1982) die geistreichste Verkleidungsklamotte, "Jenseits von Afrika" (1985) das eleganteste Melodram. In den neunziger Jahren, nach zwei Flops, zog er sich mehr und mehr auf die Position eines kreativen Produzenten zurück. Nach langem Kampf gegen den Krebs ist Sydney Pollack am 26. Mai in Los Angeles gestorben.

Foto: dpa
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Yves Saint Laurent: 72. Der beganadete Mode-Designer, der lange Jahre die Haute Cauture für das Haus Dior entwarf und später seine eigene Linie YSL etablierte, starb am 1. August 2008.

Foto: A1809 epa ansa Frederick Florin/ AFP
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Peter Rühmkorf: 78. An einem einzigen Gedicht, scherzte einmal ein Kritiker, habe der penible Poet "so lange herumgebastelt, als baute er den Hamburger Michel mit Streichhölzern nach". Rühmkorf war ein virtuoser Reim-Rastelli, Essayist und Humorist, der unersättlich Parodien, Persiflagen und Pointen bastelte und filigranes Hochdeutsch mit schnoddriger Umgangssprache kombinierte - in seinen Tagebüchern ("Tabu") und seinem letzten fragmentarischen Meisterwerk "Paradiesvogelschiß" hat er es grandios vorgeführt. Der einstige "Konkret"-Autor und Verlagslektor war als bekennender 68er gestartet, aber rasch von der linken Fahne gegangen, als die Apo mit der Gewalt zu flirten begann. Er lebte und arbeitete lustvoll und meist sehr zurückgezogen in Övelgönne, am Hamburger Elbufer, schätzte Tabak und Alkohol. Gelassen und selbstironisch hat er am Ende sein eigenes Grab inspiziert: "Schaut nur nicht so bedeppert in diese Grube / Nur immer rein in die gute Stube / Paar Schaufeln Erde und wir haben / ein Jammertal hinter uns zugegraben". Peter Rühmkorf, der große Lyriker und Gesellschaftschronist, ist am 8. Juni an Krebs gestorben.

Foto: dpa
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Alexander Solschenizyn: 89. Kein Schriftsteller in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat eine so starke öffentliche Wirkung gehabt wie der große Chronist des stalinistischen Terrors. Gegen alle Wahrscheinlichkeit wurde 1962 in der Sowjetunion die Publikation seiner Erzählung "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" erlaubt, die schonungslos präzise den Alltag in einem sibirischen Straflager schildert - die Veröffentlichung wurde zum weiteren Fanal der Entstalinisierung. Doch das "Tauwetter" war kurz, wenig später fand der Autor sich als Staatsfeind im Visier des KGB, weil im Westen illegal sein "Archipel Gulag" erschienen war, und obwohl er 1970 den Nobelpreis erhalten hatte, wurde Solschenizyn 1974 ausgebürgert und ausgewiesen. Im US-Exil begann er sein episches Hauptwerk "Das rote Rad", das die russische Geschichte von 1914 bis 1922 erzählen sollte; doch von den geplanten 20 Teilen wurden nur 4 vollendet. Solschenizyns Heimreise 1994 war ein Siegeszug, doch für ihn selbst desillusionierend - das Land, in das er zurückkam, befand sich in stürmischer Abkehr von den Idealen einer moralisch-religiösen Rückbesinnung auf das ewig Russische. Alexander Solschenizyn starb am 3. August in Moskau. Präsident Putin verstand es rasch, den Toten zum Vordenker für seine Partei "Einiges Russland" zu vereinnahmen.

Foto: AP
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Wolfgang Vogel: 82. Der Ost-Berliner Anwalt organisierte den ersten Agentenaustausch im Kalten krieg und fungierte als Unterhändler der DDR beim sogenannten Häftlingsfreikauf der Bundesrepublik. Wolfgang Vogel starb am 21. August.

Foto: dpa
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Phil Hill: 81. Der Kalifornier war ein leiser, sensibler Mensch, also das Gegenteil des Raubeins, das man sich vielleicht unter einem amerikanischen Autorennfahrer vorstellt. Hill galt als Virtuose am Lenkrad. 1961 holte er sich in einem Ferrari als erster Amerikaner den Formel-1-Weltmeistertitel. Ein tragischer Triumph, da sein deutscher Teamkollege - der bis dahin führende Wolfgang Graf Berghe von Trips - in Monza tödlich verunglückte. Hill siegte in der WM, gewann aber nie wieder ein Formel-1-Rennen. Erfolgreich blieb er auf der Langstrecke, dreimal gewann er den Klassiker, die 24 Stunden von Le Mans. 1967 zog er sich vom Rennsport zurück. Bis zuletzt besuchte er leidenschaftlich gern Treffen von Sammlern historischer Automobile, unter Oldtimern selbst ein Oldtimer. Phil Hill starb am 28. August in Monterrey.

Foto: Perry Bullard
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Thomas Dörflein: 44. Er war kein Freund großer Worte, ein einfacher, kräftiger Mann mit einem großen Herzen für einen kleinen Bären, den er fast ein Jahr lang wie ein Baby umsorgte und damit die ganze Welt rührte. Wenn der Tierpfleger Dörflein mit seinem weißen, von Mutter Tosca verstoßenen Nuckelbären Knut spielte, sammelten sich Menschentrauben vor dem Gehege, TV-Teams von Asien bis Amerika balgten sich um die besten Kamerapositionen. Der Berliner Primaten- und Bärenspezialist war der Liebling der Kinder, die Frauen überhäuften den Eisbärenvater mit Liebesbriefen und Heiratsanträgen. Dörfleins kuschelige Baby-Pause bescherte dem Berliner Zoologischen Garten 2007 mit drei Millionen Besuchern einen neuen Rekord, sensationelle 6,8 Millionen Euro flossen in die Kassen. Am 22. September starb Thomas Dörflein, der populärste deutsche Tierpfleger aller Zeiten, in Berlin an einem Herzinfarkt.

Foto: dpa
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Paul Newman: 83. Er sah fabelhaft aus, und er konnte, wenn er wollte, eine coole Männlichkeit ausstrahlen, die ihn unwiderstehlich machte, etwa in "Zwei Banditen" (1969) oder "Der Clou" (1973). An Star-Glamour lag ihm wenig, für ihn zählten, da er ein nachdenklicher, am New Yorker Actor's Studio trainierter Darsteller war, die gebrochenen Charaktere mehr, die er von "Haie der Großstadt" (1961) über "Der Unbeugsame" (1967) bis "Die Farbe des Geldes" (1986) in vielen Schattierungen gespielt hat. Doch auch diese Zocker, Kleinganoven oder einsamen Cowboys hatten so viel draufgängerische Vitalität, dass sich für sie schwärmen ließ. So gehörte Paul Newman über fast vier Jahrzehnte zu Hollywoods allererster Klasse: ein Star ohne Allüren, ohne Exzesse, ohne Skandale, seit 1958 mit Joanne Woodward verheiratet, die oft auch seine Filmpartnerin war. Sein Hobby war die Autorennfahrerei, und für karitative Einrichtungen soll er im Lauf der Zeit etwa 250 Millionen Dollar aufgebracht haben. Am 26. September ist er in seinem Haus in Westport, Connecticut, gestorben.

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Miriam Makeba: 76. In ihrer südafrikanischen Heimat war sie viele Jahre unerwünscht. Erst 1990 kehrte sie, von Nelson Mandela gerufen, in den Kap-Staat zurück - als weltweit verehrte "Mama Africa" und Symbolfigur im Kampf gegen Rassismus und soziales Unrecht. Die Sängerin aus den Townships von Johannesburg feierte ihre größten Erfolge in den sechziger und siebziger Jahren. Sie sang, mit unnachahmlicher Bühnenpräsenz, Beatles-Pop, Bossa nova und Songs ihrer Heimat. Der Welt-Hit "Pata Pata" wurde ihr Markenzeichen. Harry Belafonte hatte die Künstlerin für Amerika entdeckt. Aber auch dort fiel sie in Ungnade, weil sie den verhassten schwarzen Bürgerrechtler Stokely Carmichael heiratete. 2005 ging sie ein letztes Mal auf Tournee. Am 10. November starb Miriam Makeba, die afrikanische Ikone, nach einem Konzert für den Mafia-Kritiker Roberto Saviano in Süditalien an einem Herzinfarkt.

Foto: REUTERS
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Bettie Page: 85. Ihre Karriere begann bei einem Spaziergang auf Coney Island: Ein Polizist und Amateurfotograf fragte die junge Sekretärin Bettie Page, ob sie für ihn Modell stehen wolle. Page sagte zu, und aus diesen Aufnahmen entstand ihr erstes Pin-up-Portfolio. Sie begründeten ihre Karriere als eines der meistbegehrten Nacktmodels der fünfziger Jahre und Vorreiterin der sexuellen Revolution der Sechziger. Bald war Bettie Page in Autowerkstätten, Kasernen und Spinden allgegenwärtig - in provokanten Posen. Umstritten war ihr freizügiger Umgang mit sadomasochistischen Szenen, er passte nicht zum Image ihres traumhaften Aufstiegs von der Sekretärin zum Playmate. Aber die unverkrampfte und offene Page teilte die Sorgen einiger ihrer Bewunderer nicht: "Es war viel besser, als acht Stunden am Tag auf der Schreibmaschine herumzuhämmern." Bettie Page, die sich Ende der Fünfziger aus der Öffentlichkeit zurückzog und sich seitdem nicht mehr fotografieren ließ, starb am 11. Dezember in Los Angeles.

Foto: Archive Photos / Getty Images
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Horst Tappert: Horst Tappert als Kriminalkommissar Stephan Derrick im April 1993. Der beliebte Schauspieler starb am 13. Dezember 2008 im Alter von 85 Jahren in einer Münchner Klinik.

Foto: dpa
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Eartha Kitt: 81. Ihre fauchige Stimme und ihre katzenhaften Bewegungen machten sie zu einem der ersten afroamerikanischen Sex-Symbole der USA. Als "aufregendste Frau der Welt" bezeichnete sie gar der Filmregisseur Orson Welles. Sie war aber auch politisch engagiert. So protestierte sie 1968 gegen den Vietnam-Krieg und widersprach bei einem Dinner im Weißen Haus. Es war ein Wagnis für die schwarze Entertainerin ("C'est si bon"). Zudem riskierte sie ihre fulminante Broadway-Karriere, die in den fünfziger Jahren mit Hauptrollen in Shows wie "New Faces", "Mrs. Patterson", "Shinbone Alley" begann und später in "The Owl and the Pussycat" und Auftritten in TV-Serien ihren Höhepunkt fand. Das US-Publikum goutierte ihren Mut nicht und boykottierte Kitt jahrzehntelang. So feierte die Tochter eines Südstaaten-Baumwollpflückers, die 1955 das erste mehrfarbige Titelbild des SPIEGEL zierte, ihr Comeback vor allem in Europa. Mitte der achtziger Jahre hatte sie mit Disco-Titeln wie "Where Is My Man" oder "This Is My Life" beachtliche Chart-Erfolge. Eartha Kitt starb am 25. Dezember in New York an Krebs.

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Michael Crichton: 66. Er war eines der größten Multitalente Hollywoods - in jeder Hinsicht: Crichton, über zwei Meter lang, feierte Erfolge als Autor von Romanen und Drehbüchern, als Produzent und Regisseur. Sein populärstes Werk war der Roman "Jurassic Park", den Steven Spielberg 1993 verfilmte. Das Dinosaurier-Drama war typisch Crichton: ein spektakulärer Mix aus Thriller und phantastisch übertriebener Wissenschaft - also verachtet von den meisten Literaturkritikern, aber geliebt von den Massen (Gesamtauflage seiner Bücher: über 150 Millionen). Crichton lieferte die Vorlagen für Kinohits wie "Die Wiege der Sonne" (1993) oder "Enthüllung" (1994); mitunter übernahm er auch selbst die Regie, etwa beim Krimi "Der große Eisenbahnraub" mit Sean Connery (1979). Eine eher zufällige Karriere: Seine ersten Thriller hatte der rastlose Vielschreiber verfasst, um das Medizinstudium in Harvard zu finanzieren. Nur kurze Zeit arbeitete er als Arzt, kehrte aber später immer wieder ins Medizinermilieu zurück, etwa mit der von ihm konzipierten Fernsehserie "Emergency Room". Michael Crichton starb am 4. November in Los Angeles an Krebs.

Foto: dpa
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Isaac Hayes: 65. Afroamerikanischer Soulmusiker und Komponist, der mit seinem Sprechgesang als Vorläufer des Rap und HipHop gilt. 1972 erhielt er einen Oscar für den Soundtrack zu "Shaft".

Foto: REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?