Achim Achilles auf Wander-Tour - DER SPIEGEL
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Achilles' Verse Psycho-Pilze, Maggi-Wasser und ein mörderischer Aufstieg

Warum lassen sich Großstädter so gern von alpiner Manufaktum-Romantik verführen? Ein Wandertagebuch von Achim Achilles.
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Huch, was ist das? Kleine Pilze mit Kappen im halbfrischen Dunghaufen – sprießen hier am Almhang ein paar Magic Mushrooms? Vor allem: Wie findet der Laie heraus , ob hier ein ganz persönliches Alpenglühen lockt oder der Rettungshubschrauber?

Foto: Achim Achilles
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Nur für den Fall, dass es wirklich psilocybinhaltige Pilze waren - endlich meint man auch zu wissen, wo sich TV-Moderatoren ihr Sommergesprächsgesicht abgeguckt haben,...

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...die Einheimischen sehen aus wie aus Mad Max...

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...und die ganze Alpengegend hängt voller Reizwäsche.

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Wer mit Kindern wandert, der weiß: Stöcke kann man nie genug haben...

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...und sie werden natürlich selbst gefertigt. Großstadtkinder in der ersten Alpenwoche erkennt man am albernen Sicherheitsmesser mit stumpfer Klinge und Blödmannssicherung, das leider nach dem ersten Stockschnitzen im Eimer ist. Großstadtkinder in der zweiten Alpenwoche erkennt man am amtlichen Messer aus dem Bergsportladen und den Schnittwunden am Daumen.

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Gekaufte Stöcke zählen nicht. Anhand des Aluprügels lässt sich der Flachlandtiroler identifizieren, der auf den knapp 20 Minuten Spaziergang von der Seilband zur Jausenhütte professionell aussehen möchte. Solche Leute fahren auch im Panzerwagen um die Alster.

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Wer in die Berge geht, wird zuverlässig ausgenommen. Südtiroler Raubrittertum funktioniert auf den drei Ebenen Unterkunft, Transport und Essen. Zum Beispiel wird sündteuer geparkt, genauso elegant wie zu Hause in Schöneberg...

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...um sich anschließend mit Seilbahn oder Lift in die Höhe hiefen zu lassen. Ein Taxi wäre billiger gewesen, dafür aber nicht mit 35 Metern Beinfreiheit nach unten.

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Hoch oben im ernährungstechnischen Monopolgebiet wird dann das vorherrschende Gefühl aller Bergtouristen monetarisiert – der Hunger . Einfach den Kram vom Discounter auf den Berg fahren und zu aberwitzigen Preisen als landestypische Hausmacherei verscheuern. Der Hit: Lauwarmes Wasser mit Maggi wird als kräftige Brühe feilgeboten, westfälische Mettenden (Meterware) werden zu mundgeräucherten Kaminwurzen.

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Egal. Hauptsache, den Kindern schmeckt´s. Außerdem muss man sich in den Bergen auch nicht so hyperkorrekt benehmen.

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Irgendwann muss man ja diesen Abschied vom Alltag erreichen, der Bergferien angeblich so unvergesslich macht. Wer 320 Höhenmeter bewältigt hat und dabei 87 Minuten Höchstleistung brachte, der hat tatsächlich das wunderbare Gefühl, dass die Huberbuam  eigentlich einpacken können.

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Auf dem Gipfel sollte man unbedingt Bergkompetenz beweisen. Ein Satz, der immer Eindruck schindet: „Da vorn ist die Geislergruppe, also da links, neben dem Sellamassiv, und dahinter erkennt man die Marmolada. Den Ortler kann man jetzt leider nicht sehen.“ Dazu eine weiträumige Armbewegung von 360 Grad.

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Wichtig für die Daheimgebliebenen: ein Foto mit Schnee, das Klettertouren in Regionen belegt, die nie zuvor ein menschlicher Fuß betrat. Jedenfalls die letzten zehn Minuten nicht.

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Um Kinder jenseits der Baumgrenze zu treiben, helfen selbsterfundene Geschichten über dramatische Unfälle durch Trödeln am Berg...

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... manchmal tauchen auch unverhoffte Motivationshilfen  am Wegesrand auf.

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Tiere gehen immer. Dieses nette Pferdchen hat die Tourismusbehörde extra auf die Alm geschafft, damit die Jungs auch was zu spielen haben. Den Trecker haben die Mädchen ja schon besetzt.

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Vor dem nächsten mörderischen Aufstieg zur Kapelle stärken wir uns lieber noch mal .

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Unsere Flaschen füllen wir mit kristallklarem kühlem Bergwasser in der Hoffnung, dass im oberen Bachlauf nicht ein totes Reh vor sich hingammelt.

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Endlich zurück in der Herberge. Der Pool ist nicht groß, dafür saukalt. Aber immer noch besser als Legionellen im Tropical Island. So geht Erholung!

Foto: Achim Achilles
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?