Adenauer-Brot Brot aus Mais, Hosen aus Papier
Jüngster Oberbürgermeister Preußens: Konrad Adenauer im Jahr 1917. Im gleichen Jahr wurde der 41-jährige Kölner zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt gewählt. Er war der damals jüngste Oberbürgermeister Preußens und einer deutschen Großstadt und amtierte bis zu seiner Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten im Frühjahr 1933.
Man nehme: Nahrhaft und billig - so sah das 1915 von Konrad Adenauer sowie den Kölner Bäckerbrüdern Jean und Josef Oebel erfundene "Notzeitbrot" aus. Es bestand im Wesentlichen aus Mais, Gerste und Wasser - ein Rezept findet sich etwa auf der Website Küchenlatein
"Konnys Stolz": Nach einem Bericht des SPIEGEL erfuhr die Kriegskuriosität im Jahr 1975 eine Renaissance: Die Hamburger Brotkette "Nur hier" wollte die Adenauer-Stulle mit in ihr Sortiment aufnehmen. Es sollte kastenförmig sein und "Konnys Stolz" heißen, ein Brotaufkleber wurde bereits entworfen: Man bediente sich der bekannten Postkarte mit dem Konterfei des CDU-Politikers...
...und montierte auf den Adenauer-Kopf kurzerhand eine Bäckermütze. Doch die Erben des 1967 verstorbenen Politikers verweigerten die Zustimmung - und die Stulle kam nicht ins Sortiment. In Köln indes wird das Adenauer-Brot heute noch immer hergestellt.
Viehfutter: In dieser Großbäckerei wurde Kriegsbrot für die Bevölkerung hergestellt (Aufnahme von 1917). Für das 1915 von Adenauer erfundene "Notzeitbrot" wurde weder Roggen noch Weizen verwandt, sondern Mais. Da dieser bis dato vor allem als Nahrungsmittel für Tiere verwendet wurde, verunglimpften die Kölner das Adenauer-Brot als "Viehfutter".
Historische Schnitte: Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs wurden weitere Brotmischungen getestet, darunter ein Brot aus Kartoffelwalzmehl, dessen Präparat fast einhundert Jahre alt ist und heute im Kölnischen Stadtmuseum lagert. Seit Kriegsbeginn war Getreide ein knappes Gut geworden, da die Importe wegen der englischen See- und Handelsblockade fast zum Erliegen gekommen waren und es zudem an Arbeits- und Transportkapazitäten in der Landwirtschaft fehlte.
Aufs Gramm rationiert: Im Frühjahr 1915 kam es aufgrund des Getreide-Engpasses zu einer drastischen Maßnahme - der Einführung von Brotmarken (hier ein Exemplar aus Berlin) und der strikten Rationierung von Brot. Brot war damit im ganzen Land nicht mehr freiverkäuflich und wurde nur noch in einer festgelegten Menge gegen die Marken abgegeben.
"Sparen schafft Siegeskraft: Zugleich mit der Rationierung wurde auf Propagandapostkarten für den sparsamen Umgang mit Mehl und Brot geworben. Die Heimat wurde in der Propaganda zur Front gemacht, von der der Sieg ebenso abhänge, wie vom Militär im Felde: "Sparen schafft Siegeskraft".
Fleischlose Küche: Auch sogenannte Kriegskochbücher wurden entwickelt, um der Hausfrau trotz des allgemeinen Mangels an Lebensmitteln Rezepte an die Hand zu geben. Die Kochbücher enthielten Vorschläge dazu, wie Zutaten gestreckt oder durch andere ersetzt werden konnten.
Gefedert: Der Krieg sorgte auch für eine Verknappung von Rohstoffen, etwa von Kautschuk und Baumwolle. Doch auch hier machte die Not erfinderisch: Fahrräder etwa fuhren auf Spiralfedern - als Ersatz für Gummireifen. Der Fahrkomfort war jedoch deutlich geringer als bei einem luftgefüllten Reifen. Während des Krieges war das Deutsche Reich fast vollständig von der Einfuhr des für die Gummiherstellung notwendigen Naturkautschuks abgeschnitten: Während 1913 noch 30.000 Tonnen importiert wurden, war die Zahl 1916 auf 668 Tonnen gefallen.
Hosen aus Papier: Während des Ersten Weltkriegs wurde auch Baumwolle zur Mangelware. Die Industrie reagierte mit der Entwicklung von Hosen aus Papiergarn. Die durften zwar gewaschen, allerdings nicht eingeweicht oder gekocht werden.
Rund 10.000 Ersatzprodukte: Auch dieses Kinderleibchen von 1916/1917 bestand aus Papiergewebe. Später verwendete man selbst Brennesselfasern zur Textilherstellung. Insgesamt wurden während des Krieges im Deutschen Reich rund 10.000 Ersatzprodukte entwickelt.
"Die deutsche Kartoffel muss England besiegen": Nachdem sich im "Steckrübenwinter" 1916/1917 die Ernährungssituation im Reich weiter verschärft hatte und Hungerrevolten ausgebrochen waren, veröffentlichten die Verantwortlichen dramatische Aufrufe zum Anbau von Kartoffeln. Zuvor hatte die Kartoffelfäule die Hälfte der deutschen Winterkartoffelernte vernichtet, so dass sich die Menschen hauptsächlich von der zuvor als Viehfutter genutzten Steckrübe ernähren mussten.
Weltkrieg, Ernährungskrieg: "England will Deutschlands Handel zugrunde richten!", lautet die Überschrift dieses vom Deutschen Kriegspresseamt herausgegebenen Flugblattes von 1916. Es thematisiert den Umstand, dass der Weltkrieg sich zunehmend zu einem Handels- und Ernährungskrieg ausgeweitet hatte, der das zivile Leben in den kriegführenden Staaten massiv beeinträchtigte. An Nahrungsimporte war infolge der englischen Seeblockade nicht zu denken, die sowohl Waffen- wie Lebensmittelzufuhren per Schiff verhindern sollte.
Begehrtes Grundnahrungsmittel: Brot war nicht nur an der Front Mangelware (das Foto zeigt deutsche Soldaten um 1915), sondern wurde auch in der Heimat strikt rationiert. Mehrere hunderttausend Menschen starben allein im Deutschen Reich an Hunger oder den Folgen der Mangelernährung. Und das, obwohl das deutsche Militär in den besetzten Gebieten in großem Stil Lebensmittel beschlagnahmte und Zwangsarbeiter für die deutsche Landwirtschaft rekrutierte.
50 Gramm Fleisch pro Woche: Überblick über die Lebensmittelration für eine Woche im Oktober 1918. Jedem Deutschen standen unter anderem 50 Gramm Fleisch, 25 Gramm Butter und ein halber Liter Milch zu - allerdings nicht pro Tag, sondern pro Woche.