Ägypten Chaos am Nil
Den Ägyptern ist klar, wer derzeit der wichtigste Mann im Staat ist - nicht der Übergangspräsident oder Übergangspremierminister. Das Bild von General Abd al-Fattah al-Sisi hängt bereits an einigen Verkaufsständen und in Ladentüren. Er ist Chef des Militärs und hat Mohammed Mursi abgesetzt.
Der Mann mit dem langen grauen Bart ist Mamdou Ismail von der salafistischen Nur-Partei. Offiziell unterstützt die Parteiführung bisher den Kurs des Militärs. Doch viele ihrer Anhänger, auch Ismail, sind damit unzufrieden.
Die Islamisten wollen sich nicht damit zufriedengeben, dass Mohammed Mursi nicht mehr Präsident ist. Sie wollen nicht vom Rabaa-al-Adawija-Platz in dem Kairoer Stadtteil Nasr City weichen, bis er wieder im Amt ist.
Bei der Pro-Mursi-Demonstration rechnet man mit neuer Gewalt. Am Dienstag werden Barrikaden aus Backsteinen an den Eingängen zum Demonstrationsplatz gebaut. Dahinter verschanzen sich Islamisten, bewaffnet mit Stöcken und Plastikhelmen. Vor sich tragen sie Schilder mit einem Zitat aus dem Koran: "Auch wenn du deine Hand ausstreckst, um mich zu töten, werde ich nicht meine Hand ausstrecken, um dich umzubringen."
Auf dem Tahrir-Platz haben die Souvenirverkäufer schon das Porträt des neuen starken Mannes im Angebot, General al-Fattah al-Sisi. Dazu gibt es Plakate mit dem Slogan: "Die Armee + die Polizei + das Volk = Volksrevolution".
Auch auf dem Tahrir-Platz glaubt man, dass man sich vor Anhängern des anderen Lagers schützen muss. Freiwillige kontrollieren die mit Stacheldraht und Barrikaden abgeriegelten Zugänge.