Ägypten Der Richter und sein General
General Abd al-Fattah al-Sisi wurde im August ägyptischer Militärchef - und damit sehr mächtig. Das Militär hat jetzt Präsident Mohammed Mursi gestürzt und will politisch in vielen Bereichen den Ton angeben.
Viele Ägypter haben Mursis Absetzung begrüßt, hier Jubelfeiern in Kairo. Sein Sturz war klar ein Putsch - doch tat Sisi gerade so, als seien die Generäle von den Ägyptern zum Eingreifen genötigt worden.
Diese Mursi-Gegnerin in Kairo hält ein Bild von Sisi in der Hand. Sisi gilt als strenggläubig, versteht sich aber als treuer Anhänger des säkularen, autoritären Gamal Abdel Nasser, dem Übervater des modernen Ägyptens und einem Kritiker der Muslimbruderschaft.
In seiner Fernsehansprache am Mittwoch verkündete Sisi, dass Mursi seines Amtes enthoben sei.
Ägyptische Soldaten in Kairo: Schritt für Schritt übernimmt das Militär die Macht. Panzer fuhren durch die ägyptische Hauptstadt.
Mohammed Mursi war nur ein Jahr im Amt - und hat sich in dieser Zeit viele Feinde gemacht. Bei seinem letzten Fernsehauftritt am Dienstagabend vor seiner Absetzung beteuerte er, nicht zurücktreten zu wollen.
Wahrscheinlich hatte Mursi angenommen, den Militärapparat entmachtet zu haben. Offensichtlich hat er sich geirrt.
Doch auch viele Teile des Volkes hat Mursi gegen sich aufgebracht. Tagelang waren ägyptische Demonstranten auf die Straßen gegangen, hatten protestiert und seinen Rücktritt gefordert.
Der Jubel der Menschen auf dem Tahrir-Platz war nicht mehr zu bändigen, als die Nachricht von dem Putsch publik wird.
Tausende schwenken Fahnen und jubeln. Die Verfassung, die von den Muslimbrüdern eilig in einem umstrittenen Referendum durchgepeitscht wurde, wird jetzt vorübergehend außer Kraft gesetzt.
Stundenlang stiegen Feuerwerke über dem überfüllten Platz in Kairo auf.
Das Militär zeigte große Präsenz in der Stadt, um Zusammenstöße zwischen den rivalisierenden Gruppen zu verhindern.
Der Jubel über die Militärintervention kannte keine Grenzen. Die Kritiker Mursis warfen ihm insbesondere vor, eine Islamisierung der ägyptischen Gesellschaft voranzutreiben.
Die Armeespitze hat jetzt eine Übergangsregierung eingesetzt, die das Land bis zu Neuwahlen führen soll.
Die neuen Wahlen machen den Menschen in Ägypten Hoffnung, vor allem die Muslimbrüder würden in der derzeitigen Lage deutlich an Boden verlieren.
Die Ägypter haben zwar auch Mursi demokratisch gewählt, doch nun werfen sie ihm vor, nicht für alle Ägypter da zu sein, sondern lediglich die Macht der Muslimbrüder auszubauen.
Deshalb hatte die Tamarud-Bewegung mehr als 20 Millionen Unterschriften gegen den Präsidenten gesammelt.
Bis in die Morgenstunden feierten die Gegner des Präsidenten, die Muslimbrüder dagegen verharren im Schock.