Aerosmith-Sänger Steven Tyler - DER SPIEGEL
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Aerosmith-Sänger Steven Tyler "Der Rausch vergeht, die Lieder bleiben"

Seit einem halben Jahrhundert steht Steven Tyler auf der Bühne - "und ich werde mein Leben lang jünger als Mick Jagger sein". Der Aerosmith-Sänger, 69, über giftige Zwillinge, lästige Vergleiche und Castingshows.
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Aero-Vederci? Nach den ersten Gigs scheinen Aerosmith wieder Gefallen am Tourleben gefunden zu haben. Ob die aktuelle tatsächlich die Abschiedstour ist und Aerosmith ihren Fans endgültig arrivederci sagen, das lässt Steven Tyler im einestages-Gespräch offen.

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47 Jahre auf der Bühne: Die Aerosmith-Musiker Tom Hamilton, Brad Whitford, Joe Perry, Steven Tyler und Joey Kramer (von links nach rechts). "Das mit dem Aufhören ist so eine Sache", so Frontman Tyler, "die Band und ich haben seit einiger Zeit getrennte Managements, wir haben sozusagen Staat und Kirche getrennt, damit jeder auch eigenen Projekten nachgehen kann. Mal sehen, ob wir unser 50. Bandjubiläum in drei Jahren nicht doch noch gemeinsam feiern."

Foto: Kevin Winter / Getty Images
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Bad Boys from Boston - die Bandmitglieder 1975, von links im Uhrzeigersinn: Joey Kramer (Drums), Tom Hamilton (Bass), Steven Tyler (Gesang), Brad Whitford (Gitarre) und Joe Perry (Gitarre). Ihren ersten größeren Erfolg feierten sie mit dem dritten Album "Toys In The Attic". Darauf ist auch die Originalversion von "Walk This Way", das gut zehn Jahre später Run DMC sampelten.

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Number one: Die Power-Ballade "I Don't Want To Miss A Thing" aus dem Film "Armageddon - Das jüngste Gericht" (1998) ist tatsächlich Aerosmiths einziger Nummer-eins-Hit in den USA. Steven Tyler wollte den von Diane Warren komponierten Song zunächst gar nicht singen - zu schnulzig. Er musste von seinem Plattenmanager, dem A&R-Guru John Kalodner, dazu überredet werden. Mit Erfolg.

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Das Debüt: 1973 erschien das erste Album von Aerosmith, mit der Ballade "Dream On", bis heute einer der Klassiker im Live-Repertoire der Band. "Mit 17 habe ich die ersten Takte des Stückes komponiert, den vollständigen Song hatte ich erst Jahre später, mit 25, fertig", erinnert sich Tyler im Interview.

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Die Siebziger: Aerosmith, hier bei einem TV-Auftritt in der Musik-Show "Midnight Special" 1974, tourten unermüdlich kreuz und quer durch die Staaten. "Es war die totale Ochsentour. Manchmal wurden wir sogar von der Bühne gebuht. Heute kann man allein durch YouTube-Videos berühmt werden, ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen", sagt Steven Tyler.

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Comeback: Nach einer schweren Band-Krise zwischen 1980 und 1985 feierten Aerosmith (hier Steven Tyler, Joe Perry und Brad Whitford, von links) Mitte der Achtziger ein Comeback. 1985 erschien das Album "Done With Mirrors", auf dem die Band alle Songs selbst komponiert hatte. So richtig zündete aber erst das Nachfolge-Werk "Permanent Vacation" 1987 unter Mithilfe von renommierten Songwritern wie Desmond Child, der Hits wie "Dude (Looks Like A Lady)" oder "Angel" beisteuerte.

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MTV Music Awards 1998: Das Musikfernsehen verstanden Aerosmith in den Neunzigerjahren für sich zu nutzen. Stevens Tochter Liv wurde "zur Identifikationsfigur für die MTV-Generation, die ja deutlich jünger war als wir Musiker", sagt Tyler.

Foto: Getty Images
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Veteranen: Heute zählen Aerosmith - Joey Kramer, Brad Whitford, Steven Tyler, Joe Perry und Tom Hamilton (von links) - zur alten Garde der Rockbands. 2020 werden sie ein Jubiläum feiern, ein halbes Jahrhundert auf der Bühne - sofern sie dann noch oder wieder zusammen auftreten.

Foto: Wizard Promotions
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Riesenshow: Aerosmith im Juni 2014 bei einem Festival in London. Ein Titel dürfe bis heute bei keinem Konzert fehlen, sagt Tyler: "Wenn ich 'Dream On' am Piano spiele, bin ich in Gedanken oft bei meinem Vater."

Foto: Ben A. Pruchnie/ Getty Images
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Frontmann: Steven Tyler wurde 1948 geboren, wird also nächstes Jahr 70. "Das Gute daran: Ich werde mein Leben lang jünger als Mick Jagger sein", sagt er. "70 ist schon ok. Im Ernst, ich bin wirklich dankbar für all das Erlebte."

Foto: Mike Coppola / Getty Images
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Bunter Vogel: Mit seinen Fantasie-Outfits und seiner markanten Stimme ist Steven Tyler seit Jahrzehnten eine der schillerndsten Persönlichkeiten im Rock-Business. Die Siebzigerjahre verbrachte er weitgehend im Drogenrausch und überlebte - weil "Aerosmith schon lange mein einziges Suchtmittel ist", sagt er: "Der Rausch vergeht, die Lieder bleiben."

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Stadionrocker: Bereits Mitte der Siebzigerjahre füllten Aerosmith die größten Arenen (hier im Mai 1976 im RFK Stadion in Washington DC). Nach einer Flaute Anfang der Achtzigerjahre strömen heute wieder Zehntausende Fans zu ihren Konzerten.

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Alles so schön bunt: Bei fast jedem Auftritt hängt Tyler, hier bei einem Konzert 2003 in East Rutherford, bunte Halstücher an den Mikrofonständer.

Foto: Mark Mainz / Getty Images
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Giftige Zwillinge: In Joe Perry (links) fand Steven Tyler "den Bruder, den ich nie hatte". Aufgrund ihres üppigen Drogenkonsums hatten die beiden in den Siebzigern schnell den Spitznamen "Toxic Twins" weg.

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Entertainer: Steven Tyler rockt die Royal Arena in Kopenhagen (Juni 2017). Im Jahr 2010 war er Juror in der TV-Castingshow "American Idol". Das führte in der Band zu Unstimmigkeiten, weil die Kollegen um ihren Rock'n'Roll-Ruf besorgt waren. "Am Ende waren sie sogar neidisch, weil ich bei jeder Show neben Jennifer Lopez sitzen durfte", sagt Tyler lachend.

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Hoch die Tassen: In ihrer Karriere gab sich die Band (hier Tom Hamilton, Steven Tyler und Joe Perry 1978 in Beverly Hills) große Mühe, dem "Sex, Drugs and Rock'n'Roll"-Image gerecht zu werden."Nüchternheit war ja ein Fremdwort für uns", so Tyler. "Wir haben nichts ausgelassen in Sachen Sex and Drugs. Letztlich waren es in 47 Jahren Bandkarriere nur knapp zehn wirklich 'giftige' Jahre - aber die hatten es in sich."

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Jungstars: Steven Tyler und Joe Perry bei einem frühen Auftritt 1973 in Newport (Rhode Island). Bei Aerosmith hatten "die richtigen Musiker zusammengefunden", so Tyler, "da war Magie vom ersten Moment an".

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Styler: Steven Tyler und Joe Perry (links) sind auch bekannt für ihren auffälligen Rockstar-Style. Hier besuchen sie die Modenschau von Designer Roberto Cavalli bei der Milan Fashion Week 2015.

Foto: Vittorio Zunino Celotto/ Getty Images
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Alte Herren: Steven Tyler (links) und Joe Perry rocken mit ihren fast 70 wieder allabendlich über die Bühnen, zurzeit in Europa, hier in München am 26. Mai 2017. So viel Energie bringt bei Weitem nicht jede jüngere Band mit.

Foto: Lukas Barth/ AP
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Speedfreak: Steven Tyler liebt PS. Hier besucht er mit Drummer Joey Kramer (hinten) das legendäre Indy-500-Rennen und sitzt Probe im Aerosmith-Rennwagen. Privat fährt Tyler einen Hennessy Venom GT mit 1200 Pferdestärken.

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Dreiradfahrer: "Früher war ich verrückt nach Motorradfahren", erzählt Tyler. "Das hat mir Anfang der Achtziger eine gebrochene Ferse eingebracht. Ich war monatelang außer Gefecht, eine schlimme Zeit. Ich kann schwer stillsitzen."

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Steven Tylers Auto: "Der Wagen macht einfach Spaß, das hat nichts mit Nicht-Älterwerden-können zu tun. Ich liebe Action und Speed. War schon immer so."

Foto: Astrid Stawiarz / DuJour / Getty Images
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In Israel: Vor dem Konzert in Tel Aviv besuchte Steven Tyler kürzlich mit US-Botschafter David Friedman die Klagemauer in Jerusalem. Danach traf er Ministerpräsident Netanjahu. Aerosmith und Weltpolitik - früher absolut undenkbar.

Foto: MENAHEM KAHANA/ AFP
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Tochter Tyler: 1993 ließ Steven Tyler seine älteste Tochter Liv im Videoclip zu "Crazy" mitspielen. Es war der Start ihrer Filmkarriere. Und Aerosmiths gelungener Einstieg ins MTV-Zeitalter. Steven Tyler: "Wir haben das wichtige Medium Musikvideo in den Neunzigern gut genutzt."

Foto: Lucas Jackson / REUTERS
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Crossover: 1986 hatte Produzent Rick Rubin die Idee, seine Schützlinge Run DMC den Aerosmith-Klassiker "Walk This Way" zu covern, den sie zuvor stets gesampelt hatten. "Eine gemeinsame Nummer wollten zunächst weder Run DMC noch wir", erinnert sich Tyler. "Schließlich sagten wir zu und drehten auch ein Video, in dem es den ersten Dialog von Rock und Rap ever gibt." Es war das erste Mal, dass sich die Musikstile vereinten, mit unerwartetem Erfolg.

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Led Zeppelin mit Robert Plant (links) und Jimmy Page gehörten zu den Idolen der Aerosmith-Musiker und waren schon deutlich vor ihnen höchst erfolgreich. Vor einem Led-Zep-Konzert 1970 legte Tyler sich auf die Bühne und träumte davon, "auch mal in so einer Mega-Arena vor Zehntausenden Fans aufzutreten".

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Fan-Kunst: Gelangweilt vom Schulunterricht, zeichnete Slash, später Gitarrero bei Guns N' Roses, als Teenie seine großen Vorbilder Aerosmith. Ein weiteres der Slash-Gruppenbilder landete 2012 im Artwork des Aerosmith-Albums "Music From Another Dimension".

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Fanboy: Slash, Gitarrist von Guns N' Roses, mit Steven Tyler 2008 in Los Angeles. "Was für ein cooler Typ, ich liebe ihn", so Tyler.

Foto: Kevin Winter / Getty Images
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Steven Tyler und einestages-Autor Alex Gernandt: Abschiedstour - vielleicht auch nicht. "Und wer sagt denn, dass ich Rentner werde, wenn es mit Aerosmith mal vorbei ist?", so Tyler.

Foto: Alex Gernandt
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