Affäre im Kaiserreich - DER SPIEGEL
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Affäre im Kaiserreich Der geheime Krieg des Kanzlerbruders

Schlammschlacht für den Reichskanzler: Als Feinde des Fürsten Bernhard von Bülow den Regierungschef stürzen wollten, bekam er Hilfe aus der eigenen Familie. Sein Bruder Alfred organisierte mithilfe eines bekannten Publizisten den Gegenschlag - und sorgte so für einen der größten Skandale der Kaiserzeit.
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Politikerdynastie: Fürst Bernhard von Bülow, zweiter von rechts, spaziert 1907 mit seinen Brüdern Alfred und Karl Ulrich von Bülow, vorne links, sowie Alfred von Tirpitz, Staatssekretär des Reichsmarineamts, rechts, von Santa Margherita nach Rapallo in der italienischen Provinz Genua. Schon der Vater der Brüder, Bernhard Ernst von Bülow, hatte als Staatssekretär des Äußeren Karriere gemacht.

Foto: Peter Winzen
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Abgesandter des Reichskanzlers: Alfred von Bülow gelang trotz eines missglückten Examens als Jurist mit Hilfe seines einflussreichen Bruders, des späteren Reichskanzlers Bernhard von Bülow, der Eintritt in den Auswärtigen Dienst. Aus seiner Position heraus unterstützte er seinen Bruder aus Dankbarkeit auf konspirativer Ebene gegen dessen politische Feinde.

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Bernhard von Bülow: Der Politiker wurde am 17. Oktober 1900 zum Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs ernannt und blieb bis 1909 im Amt. Als Gerüchte laut wurden, Helmuth von Moltke und Philipp von Eulenburg arbeiteten an seinem Sturz, instrumentalisierte er seinen Bruder, um gegen die beiden Politiker Informationen zu sammeln.

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Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld: Der preußische Diplomat, hier um 1898, war ein enger Vertrauter und Freund des deutschen Kaisers Wilhelm II. Die Freundschaft zwischen "Phili" und dem Kaiser soll homoerotische Züge getragen haben. 1906 warf der Publizist Maximilian Harden Eulenburg in mehreren Artikeln Homosexualität vor und diskreditierte damit auch den Monarchen. Die Harden-Eulenburg-Affäre war einer der größten Skandale des Deutschen Kaiserreichs und brachte den Berater Wilhelms zu Fall.

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Familiäres Gespann: Bernhard von Bülow, links, und sein Bruder Alfred, aufgenommen bei einem Ausflug. Nachdem Bernhard von Bülow im Sommer 1909 aus allen Staatsämtern ausschied, ging auch die Karriere Alfreds bergab. Ihm wurde ein unattraktiver Gesandtenposten in Dresden nahegelegt, 1914 reichte Alfred sein Rücktrittsgesuch ein.

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Maximilian Harden: Der Kritiker und Journalist veröffentlichte 1906 in Artikeln in seiner Zeitschrift "Die Zukunft" den Vorwurf der Homosexualität gegenüber Philipp Fürst zu Eulenburg und brachte somit die Harden-Eulenburg-Affäre ins Rollen, in deren Folge Eulenburg aus dem Staatsdienst entlassen wurde. Homosexualität war im Deutschen Kaiserreich ein Gesetzesverstoß. Harden räumte später ein, während seiner publizistischen Attacke ständig Kontakt zu Reichskanzler Bernhard von Bülow gehabt zu haben.

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Heinrich von Tschirschky: Der deutsche Diplomat war vom 17. Januar 1906 bis zum 7. Oktober 1907 Staatssekratär des Auswärtigen Amts und danach Botschafter in Wien. Als Außenstaatssekretär war er für die Freigabe der Urlaubsanträge von Alfred von Bülow zuständig. Bülow nutzte mehrere Urlaube "wegen dringender Privatangelegenheiten", um gegen Philipp von Eulenburg zu intrigieren.

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