Afrikaforscher Gustav Nachtigal bei den Sklavenjägern - DER SPIEGEL
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Gustav Nachtigal Leben mit den Menschenjägern

1872 begleitete Gustav Nachtigal monatelang Sklavenjäger im Tschad. Leidenschaftlich verurteilte der Augenzeuge die brutale Hatz auf Menschen - jetzt ist ein Streit über den deutschen Forscher ausgebrochen.
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Tod den "Heiden": Kranken und Schwachen schnitten die islamischen Sklavenhändler des Sultanats Bagrimi gnadenlos die Kehlen durch. Für sie waren die Schwarzen bloß 'Heiden'. Sie seien kaltblütig abgeschlachtet worden "wie ein Huhn oder eine Ziege", berichtete Augenzeuge Gustav Nachtigal voller Entsetzen.

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In tunesischer Stammestracht: Schon als Jugendlicher hatte Gustav Nachtigal von Abenteuern in Afrika geträumt. Als Militärarzt wurde ihm später vom preußischen König die Expedition zum Tschadsee und durch den Sudan übertragen; sie machte ihn zu einem der renommiertesten Afrikaforscher seiner Zeit. Berühmt wurde er besonders durch seine Zeit bei islamischen Sklavenjägern, über die er später in Reportagen und Büchern berichtete. Heute ist Nachtigals Rolle umstritten: Philanthrop oder kolonialer Finsterling? 

Foto: AP
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Ware Mensch: Sklaventransport in Afrika, Gemälde eines anonymen Malers von etwa 1859. Auf keinem Kontinent wütete das grausame Geschäft so wie in Afrika - Millionen Menschen wurden deportiert.

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Vereint in ihrem Schicksal: Zwei Sklavenjungen auf einer undatierten Aufnahme aus dem 19. Jahrhundert. "Ein Kind bis etwa sieben Jahre konnte man täglich für ein einfaches Hemd im Werthe eines Thalers kaufen", berichtete Gustav Nachtigal über seine Erlebnisse im Tschad. "Ebenso verhielten sich Greise, und ein gewöhnlicher Arbeitssklave oder eine Sklavin überstieg kaum den Werth von 5-6 Thalern."

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Im Genickstock: Die gefesselten Familien werden von ihren Bewachern zu den Sklavenschiffen transportiert. Der deutsche Militärarzt und Forscher Gustav Nachtigal hatte 1872 im Tschad hautnah die unwürdige Jagd auf Menschen erlebt.

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In königlicher Mission: Gustav Nachtigal überreicht dem Scheich Omar von Bornu Geschenke von Wilhelm I. von Preußen - Holzstich von 1869, zum Beginn der Nachtigal-Expedition ins Innere Afrikas.

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Ruhmreiche Heimkehr: 1874 kehrte Gustav Nachtigal von seinem Afrika-Abenteuer in das frisch gegründete deutsche Kaiserreich zurück. Sein 1879 veröffentlichter Reisebericht "Sahara und Sudan" wurde ein Bestseller. Leidenschaftlich verurteilte er in seinen Berichten den Sklavenhandel.

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Nachtigals Zeitgenossen: Carl Peters und Leutnant von Tiedemann während der sogenannten Emin-Pascha-Expedition. Peters träumte von einem kolonialen Großreich, kaufte Land in Ostafrika und begründete so die spätere Kolonie Deutsch-Ostafrika. Am Kilimandscharo herrschte er mit eiserner Faust, ließ seine afrikanische Gespielin und deren Liebhaber aufknüpfen und handelte sich in Deutschland damit den Spitznamen "Hänge-Peters" ein.

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Adolf Lüderitz: Der Bremer Großkaufmann und Begründer des späteren Schutzgebiets Deutsch-Südwestafrika auf einer Aufnahme von 1870. Zunächst versuchte er vergeblich sein Glück in den USA und Mexiko, danach erwarb er vom Nama-Führer Josef Frederike II. große Landflächen im Südwesten Afrikas auf dem Gebiet des heutigen Namibia. Weil er dabei mogelte, prägte sich für den Kaufmann der Begriff Lügenfritz ein.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?