Agentenaustausch - DER SPIEGEL
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Agentenaustausch "Wer jetzt noch abhaut, wird erschossen"

Vier Ost-Spitzel gegen 25 CIA-Späher: Am 11. Juni 1985 fand in Potsdam der größte Agentenaustausch des Kalten Krieges statt. Eberhard Fätkenheuer war dabei. Auf einestages erzählt er vom Leben als Spion, der Enttarnung durch die Stasi - und den dramatischen Stunden vor der Freilassung.
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Prominente Ost-Spione: Nachdem die in den USA inhaftierten Top-Spione am Morgen des 11. Juni 1985 in Berlin-Tempelhof gelandet waren, wurden sie mit einem dunkelblauen Chevrolet-Kastenwagen zur Glienicker Brücke gebracht. Die Aufnahme zeigt das US-Fahrzeug, aus dem die vier Agenten gerade ausgestiegen sind.

Foto: AP/ARD
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Der Organisator: DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel auf der Glienicker Brücke zwischen Berlin und Potsdam. Schon 1980 hatte Vogel die USA aufgefordert, sich um ihre in der DDR einsitzenden Spione zu kümmern. Erst 1985 kam der Deal zustande, der als größter Agentenaustausch des Kalten Krieges in die Geschichte einging. Am 21. August 2008 starb Wolfgang Vogel in Schliersee in Oberbayern.

Foto: HANS EDINGER/ AP
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"High Noon auf der Glienicker Brücke": Am 11. Juni 1985 gegen Mittag wechselten die Spione mitten auf der Glienicker Brücke die Seiten. Die Presse quittierte den spektakulären Gefangenenaustausch mitten im Kalten Krieg mit Schlagzeilen wie "High Noon auf der Glienicker Brücke" und "Das Superding".

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Alfred Zehe: Erst nach der 1983 erfolgten Festnahme Physikers Alfred Zehe (Mitte), der für die DDR spioniert hatte, kam Bewegung in den seit Jahren vorbereiteten Agentenaustausch. Zehe war der vierte von den USA enttarnte Top-Spion - mit ihm hatten die Amerikaner endlich eine ausreichende Verhandlungsbasis. Das Foto zeigt Zehe, wie er am 4. November 1983 von zwei FBI-Beamten zu seiner Gerichtsverhandlung in den USA geführt wird.

Foto: AP
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"James Bond für die Amerikaner": Drei Jahre lang spionierte Eberhard Fätkenheuer den Osten für die USA aus. Fühlte er sich anfangs wohl in seiner Rolle als, wie er sagt, "James Bond für die Amerikaner", übermannte ihn nach und nach die Angst - bis er 1978 ausstieg. Das Foto zeigt den Ostberliner Agenten 1977 bei einem seiner Spitzelausflüge in die damalige CSSR vor seinem grauen Wartburg beim Frühstücken.

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"Was, wenn mich die Stasi doch noch erwischt?" Von seinen Erlebnissen als Ostspion und inhaftierter DDR-Häftling erholte sich Eberhard Fätkenheuer nur langsam. Noch Jahre nach dem Agentenaustausch vom 11. Juni 1985 litt er unter Verfolgungswahn und Schlaflosigkeit, immer wieder stellte er sich die Frage: "Was, wenn mich die Stasi doch noch erwischt?" Erst jetzt, seit der 66-Jährige in Rente ist, fühlt sich Fätkenheuer wirklich sicher.

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Hermetisch abgeriegelt: Um den Rekord-Agentenaustausch vom 11. Juni 1985 reibungslos über die Bühne zu bringen, wurde die Glienicker Brücke hermetisch abgeriegelt; auf beiden Seiten überwachten zahlreiche Geheimdienstmitarbeiter das Geschehen. Das Foto zeigt den Mercedes-Bus, mit dem die CIA-Spione zur Havelbrücke gebracht worden waren.

Foto: AP/ARD
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Florierender Agentenhandel: Insgesamt dreimal kam es während des Kalten Krieges auf der Glienicker Brücke zu einem Agentenaustausch. Wechselten 1962 der Spitzenspion Rudolf Iwanowitsch Abel und der bei einem Aufklärungsflug über der Sowjetunion abgeschossene Francis Gary Powers die Seiten, tauschten Ost und West acht Monate nach dem Agentenhandel vom Juni 1985 erneut inhaftierte Spione aus. Am 11. Februar 1986, dem Tag des letzten Agentendeals (Foto), kam unter anderem der sowjetische Bürgerrechtskämpfer Anatolij Schtscharanski frei.

Foto: Jörg Schmitt/ dpa
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Brücke der Gemeinheit, Brücke der Einheit: Obwohl die DDR die Glienicker Brücke 1949 zur "Brücke der Einheit" ernannte, symbolisierte das Bauwerk zwischen Berlin und Potsdam de facto die Trennung beider deutscher Staaten, weshalb sie im Volksmund auch "Brücke der Gemeinheit" hieß. Über Jahrzehnte verkörperte eine quer über die Havelbrücke verlaufende weiße Linie den Eisernen Vorhang. Erst nach dem Mauerfall verdiente sie tatsächlich die Bezeichnung "Brücke der Einheit" - was Hunderte Menschen im Dezember 1989 hier feierten (Foto).

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Agentenbrücke: Weil die Glienicker Brücke sowohl von den USA als auch von der Sowjetunion von Berlin aus gut erreichbar war und zudem perfekt abgesichert werden konnte, bot sie sich während des Kalten Krieges als idealer Ort für den Agentenaustausch zwischen Ost und West an. Das Bauwerk über die Havel verbindet Berlin-Zehlendorf mit Potsdam und gehört heute zum Weltkulturerbe der Unesco.

Foto: Bernd_Heintze/ dpa
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Symbol der Trennung: Die Glienicker Brücke, fotografiert um 1963 von Westberlin aus. Der Text auf dem Hinweisschild lautet: "Die ihr den Namen 'Brücke der Einheit' gaben, bauten auch die Mauer, zogen Stacheldraht, schufen Todesstreifen und verhinderten so die Einheit".

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Kriegszerstört: In den letzten Apriltagen 1945 wurde die Glienicker Brücke während der Kämpfe zwischen Wehrmacht und der Roten Armee zerstört. Im November 1947 wurde die Brücke, die während des Kalten Krieges Schauplatz von drei Agentenaustauschen werden sollte, wiederaufgebaut. Das Foto entstand 1946.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Friedrich Seidenstücker
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Ehemaliges Stasi-Gefängnis in Berlin: Das Foto von 2007 zeigt die Gedenkstätte Hohenschönhausen, das ehemalige Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen. Hier saß Eberhard Fätkenheuer ein, nachdem er 1979 von der Stasi verhaftet worden war. Für seine Spionagetätigkeit bekam er eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren - sechs davon musste er absitzen, bevor er am 11. Juni 1985 beim Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke freikam.

Foto: dpa
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Ludwig Rehlinger: Während DDR-Anwalt Wolfgang Vogel sich von ostdeutscher Seite aus für die inhaftierten CIA-Spione einsetzte, warb von BRD-Seite vor allem Ludwig Rehlinger, Staatssekretär im Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen, in den USA um deren Freilassung. Das Foto zeigt Rehlinger bei einer Bundespressekonferenz in Bonn am 21. Juli 1986 anlässlich der Beendigung der deutsch-deutschen Affäre um den DDR-Wissenschaftler Meissner.

Foto: AP
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Letzter Agentenaustausch: Am 11. Februar 1986 wurden vier im Osten Inhaftierte, darunter Anatolij Schtscharanski (Mitte), gegen fünf Häftlinge aus dem Westen ausgetauscht - es war der letzte Agentenaustausch während des Kalten Krieges auf der Glienicker Brücke. Seit Jahren hatten die USA die Freilassung des inhaftierten Sowjet-Dissidenten Schtscharanski gefordert. Auf dem Foto sind neben Schtscharanski der US-Botschafter Richard Burt, rechts, und Staatssekretär Ludwig Rehlinger zu sehen.

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