Air-Berlin-Insolvenz Chronik eines Sinkflugs
Der US-Amerikaner Kim Lundgren (l.) gründet die Linie 1978, zunächst als reinen Charterflieger, der anfangs mit nur zwei Maschinen von West-Berlin aus Sonnenziele ansteuerte.
Der erste Flug der Gesellschaft führte am 28. April 1979 mit einer Boeing 707 von Berlin nach Palma de Mallorca.
Der erste Heimatflughafen von Air Berlin hieß deshalb nicht Berlin, sondern Miami.
Von Miami aus gab es mitunter auch Direktflüge in das damals geteilte Berlin.
Mitarbeiter von Air Berlin im Jahr 1992. Joachim Hunold kaufte die Fluglinie nach der Wiedervereinigung auf. Den Kauf finanzierte er mit Geld aus seiner eigenen Abfindung, denn kurz zuvor hatte er seinen Posten als Marketingchef bei LTU räumen müssen.
Eine Flugbegleiterin beim Service im Jahr 1997.
Hunold am Tag des Börsengangs am 11. Mai 2006. "Der Achim", wie sich der heute 67-jährige Patriarch von seinen Mitarbeitern nennen ließ, hat Air Berlin großgemacht.
Erst kaufte Air Berlin den Wettbewerber DBA auf, der vor allem innerdeutsch flog und bei Geschäftsreisenden beliebt war. Und dann übernahm Hunolds Unternehmen völlig überraschend die LTU mit ihren Langstreckenrouten.
Hunold (hier im Jahr 2008) konzentrierte sich zunächst auf Charterflüge in Urlaubsregionen und erschuf den "Mallorca-Shuttle", zeitweise flog Air Berlin die Urlaubsinsel mehr als 300-mal pro Woche an.
In der Weltfinanzkrise schrieb Air Berlin tiefrote Zahlen. Die Schulden wuchsen. Hunold trat 2011 angesichts wachsender Kritik zurück. Auf ihn folgte sein Freund Hartmut Mehdorn, langjähriger Chef der Deutschen Bahn.
Dann stieg die Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi bei Air Berlin ein und wurde mit gut 29 Prozent der größte Einzelaktionär. Doch bald verkrachte sich Mehdorn mit Etihad-Chef James Hogan (rechts). Mehdorn verließ die Fluglinie Anfang 2013 und wurde Chef des Flughafens BER.
Die deutsche Beteiligung war für die Fluglinie aus Abu Dhabi vor allem interessant, weil sie über das sogenannte Codesharing mehr Verbindungen anbieten konnte.
Unter Pichler verleaste Air Berlin 38 seinerseits geleaste Maschinen samt Besatzung an die Lufthansa-Gruppe weiter. Pichler kündigte im Winter 2016 seinen Abschied an. Er hinterließ einen Rekordverlust von 782 Millionen Euro.
Auf Mehdorn folgte Wolfgang Prock-Schauer. Anders als seine Vorgänger ist der Österreicher kein Alphatier, er setzte viele Kommandos aus Abu Dhabi um. Etihad musste die Tochter immer wieder mit Finanzspritzen über Wasser halten.
Zu Air Berlins Problemen gehörte auch die immer wieder verschobene Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER, wo Air Berlin sein neues Drehkreuz für Langstreckenverbindungen plante.
Der fünfte Air-Berlin-Boss in sechs Jahren war Thomas Winkelmann, langjähriger Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings und enger Vertrauter von Lufthansa-Lenker Carsten Spohr. Aber auch unter ihm ging es weiter bergab.
Air Berlin verbrannte unterdessen weiter Geld. Ohne immer neue Kapitalspritzen von Etihad hätte sie längst den Betrieb eingestellt.
Der Aktienkurs ist vom Ausgabepreis von 12 Euro auf zuletzt 0,44 Euro abgerutscht.
Nur der Vater des unglückseligen Modells ist immer noch da: Joachim Hunold hat einen Posten im Verwaltungsrat; bis zuletzt hielt er 2,3 Millionen Aktien. Der Gang in die Insolvenz ist die größte Niederlage seines Berufslebens.