Aiyy-Rituale in Jakutien - DER SPIEGEL
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Aiyy-Rituale in Jakutien Die Geister, die ich rief

Einmal im Jahr ist im russischen Jakutien Geisterbeschwörungs-Saison: Anhänger des Aiyy-Glaubens treffen sich auf Festivals, um eine tiefe Verbindung zur Natur zu spüren. Einer Fotografin gelang es nun, ganz nah dabei zu sein.
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Die Fotografin Ayar Kuo reiste in ihre Heimatregion Jakutien im Nordosten Russlands, um uralten Ritualen auf die Spur zu kommen: Bei den "Yssah"-Festivals geht es darum, in Kontakt mit den Geistern zu kommen.

Foto: Ayar Kuo
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Wer Zeuge eines solchen Festivals wird, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Über einen Zeitraum von fünf Jahren war die Fotografin insgesamt bei 20 verschiedenen Veranstaltungen dabei. Sie finden immer um die Sommersonnenwende im Juni statt und dauern zwei bis drei Tage.

Foto: Ayar Kuo
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Traditionelle Pelzkleidung: Die Temperaturen in Jakutien erreichen extrem niedrige Werte, die Lebensbedingungen sind hart.

Foto: Ayar Kuo
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"Sikim" nennen die Menschen in Jakutien eine unsichtbare Verbindung zwischen Lebewesen und Universum, die sie bei den Festivals herstellen wollen. Ihr Glaube ist verwandt mit Schamanismus und Animismus.

Foto: Ayar Kuo
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Die Fotografin, die selbst aus Jakutien stammt, kam sehr nah an die Menschen heran. "Ich habe fast 25 Jahre in der Region gelebt, aber erst als ich wegzog, erst in den Westen Russlands, dann nach Frankreich, begann ich mich für meine Wurzeln zu interessieren", sagt Ayar Kuo.

Foto: Ayar Kuo
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Zunächst war sie nur Beobachterin mit Kamera, doch bald zog die besondere Stimmung sie so in ihren Bann, dass sie auch selbst an den Ritualen teilnahm. "Die Gesänge und Tänze waren von überwältigender Schönheit", sagt Kuo.

Foto: Ayar Kuo
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Weiß gekleidet sind die Helfer der Priester, die Farbe steht für Reinheit.

Foto: Ayar Kuo
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Laut dem Aiyy-Glauben befinden sich die Gottheiten auf neun verschiedenen hierarchischen Stufen. Die höchste Gottheit heißt Ürüng Aiyy Toion. Hunderte Menschen kommen zu den Festivals, die um die Sommersonnenwende stattfinden und zugleich den Übergang ins neue Jahr markieren.

Foto: Ayar Kuo
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Über Birkenzweige, die als heilig gelten, soll den Geistern der Weg zur Erde erleichtert werden.

Foto: Ayar Kuo
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Die bodenschatzreiche Region Jakutien ist mit drei Millionen Quadratkilometern fast so groß wie Indien - aber viel schwächer besiedelt. Hier leben weniger als eine Million Menschen.

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Im Festtagsdress: "Es hat mir sehr geholfen, dass ich selbst aus Jakutien stamme", sagt die Fotografin über ihre Arbeit. Die Berührungsängste seien dadurch gering gewesen.

Foto: Ayar Kuo
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Von ihrem Fotoprojekt hat sie auch ganz persönlich etwas mitgenommen. "Ich habe angefangen zu verstehen und zu glauben. Jetzt lebe ich in Frankreich, doch einige Rituale der Aiyy-Religion praktiziere ich selber - zum Beispiel spreche ich mit Geistern, wenn ich in den Wald gehe".

Foto: Ayar Kuo
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?