Alexander Lukaschenko Der letzte Diktator Europas
Angehörige warten vor den Gefängnistoren in Minsk: Die Gerichte haben in Eilverfahren fast 600 Regierungsgegner zu Haftstrafen zwischen 5 und 15 Tagen verurteilt.
Alexander Lukaschenko regiert die frühere Sowjetrepublik Weißrussland seit 1994 mit harter Hand. Landsleute müssen ihn "Batka" nennen - "Väterchen".
Doch für seine Kritiker ist der autoritär regierende Präsident der "letzte Diktator Europas". Hier ist Lukaschenko bei den Feiern zum Tag der Unabhängigkeit im Juli 2009 in Minsk zu sehen.
Anfang Dezember ließ er sich staatstragend in der Nationalversammlung feiern, doch...
...Lukaschenko gibt sich auch gerne volksnah und lässt sich beim Sport fotografieren - hier spielt er Tennis für wohltätige Zwecke...
...auch im Eishockey-Ring ist er des öfteren zu sehen. Dort geht er mit seinen Gegnern - wie auch mit politischen Rivalen - wenig zimperlich um.
Nur "berühren darf man ihn beim Hockey-Spielen nicht", bekannte mal der weißrussische Olympiasieger im Kajak-Fahren, Wladimir Parfenowitsch, "und beim Skifahren nicht überholen." Das gilt vermutlich auch für Inline-Skating.
Einen Sport wie Skifahren kann man auch politisch nutzen - etwa wenn die gemeinsame Abfahrt mit dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew auch die Energielieferungen des großen slawischen Bruders beschleunigen sollen. Denn die Volkswirtschaft Weißrusslands ist davon abhängig - und das Verhältnis beider Länder nicht unproblematisch.
Im Zuge mehrerer Rohstoffkonflikte hoben die russischen Lieferanten jedoch die Preise für Öl und Gas deutlich an. Nach Attacken aus Minsk gegen Moskau beschimpfte das russische Staatsfernsehen Lukaschenko als "Psychopathen". Doch kurz vor der Präsidentschaftswahl am Sonntag versöhnte sich "Batka" mit Kreml-Chef Medwedew.
Bei den aktuellen Wahlen zeigte sich einmal mehr, wie brutal Lukaschenko in Weißrussland herrscht. Oppositionelle wurden verprügelt, ein Präsidentschaftskandidat vermutlich entführt, viele Menschen verhaftet. Auf dem Bild ist ein blutender Demonstrant am Abend des 19. Dezember zu sehen.
Präsidentschaftskandidat Wladimir Neklajew wurde zusammengeschlagen. Er soll später von Geheimdienstleuten verschleppt worden sein. EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek kritisierte den Übergriff scharf: "Dieser feige Angriff auf einen wehrlosen weißrussischen Präsidentschaftskandidaten ist empörend und skandalös."
Zahm und höflich zeigte sich Lukaschenko hingegen beim Papst-Besuch im April 2009. Die Reise war auch ein Versuch, sich an die Europäische Union anzunähern. Doch Spitzenpolitiker in der EU kritisierten nach den brutalen Übergriffen einmal mehr den Herrscher in Minsk. Der Gewaltausbruch hat auch die Hoffnung auf demokratische Reformen zunichte gemacht.
Lukaschenko wurde 1954 in ärmlichen Verhältnissen an der Grenze zu Russland geboren. Er studierte Geschichte und Landwirtschaft, bevor er von 1987 eine Kolchose leitete. 1991 erlangte der oft als "bauernschlau" beschriebene Mann im Parlament als Kämpfer gegen die Kriminalität Berühmtheit. 1994 wurde Lukaschenko Präsident. Nach zwei Amtszeiten trat er 2003 seine dritte - von der Verfassung ausgeschlossene - Amtsperiode an. Ein Jahr später wurde die Verfassung in seinem Sinne geändert.
Lukaschenkos Politik wird von einigen als "Mix aus Populismus, Paranoia und Manipulation" bezeichnet. Das wird umso deutlicher an dem öffentlichen Bild, das er vermittelt: Mal lässt er sich als liebender Vater mit seinem Sohn Nikolai abbilden,...
...dann wieder gibt er den martialischen Waffennarr in einer Fabrik in Minsk.