Alexanderplatz in Berlin: Das Narbengesicht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Der Vorzeigeplatz "Eine eine bekannte, aber keine gute Adresse"

Fernsehturm und Weltzeituhr: Auf dem Berliner Alex spielte einst der Osten Westen - jetzt ist er das östlichste und ehrlichste Gesicht der Hauptstadt. Der Fotograf Harald Hauswald hat den Wandel der Berliner Mitte liebevoll dokumentiert. Von Markus Deggerich und Peter Wensierski
1 / 29

Spiel, Spaß und Sport: Der Alexanderplatz ist für Berlin-Touristen eher enttäuschend, statt weltstädtischem Flair gibt es Punks und Baustellenlärm. Die Anwohner lieben den "Alex" trotzdem.

Alle Bilder aus: Harald Hauswald: "Alexanderplatz. Fotografische und literarische Erinnerungen". Jaron Verlag, Berlin 2007, 127 Seiten, 14,90 Euro.

Foto: Harald Hauswald
2 / 29

Trostlos in Ost-Berlin: Drei "Werktätige" unterqueren in der U-Bahn den Alexanderplatz auf dem Weg von oder zur Arbeit. Die Aufnahme von 1987 ist eines der berühmtesten Bilder des Ost-Berliner Fotografen Harald Hauswald, der schon zu DDR-Zeiten die trostlose Realität des Realsozialismus mit der Kamera dokumentierte - und dafür in Konflikt mit den SED-Oberen geriet, die an ihre eigene Propaganda-Mär von strahlende Menschen in einem Bilderbuchstaat glaubten.

Foto: Harald Hauswald
3 / 29

Am Fuß des Turms: In den sechziger Jahren wurde der Alexanderplatz neu gestaltet. Das Architekturkollektiv Schweizer, Tscheschner und Schulz hatte einen Wettbewerb um die Neugestaltung des Platzes gewonnen. So begannen 1965 die Bauarbeiten für den Berliner Fernsehturm, neben dem auch bald der "Brunnen der Völkerfreundschaft" und die Weltzeituhr einen Platz fanden. Nach etwa vier Jahren Bauzeit wurde der Turm am 3. Oktober 1969 eröffnet. Bis heute zieht er mit seinem Ausblick über die Stadt jedes Jahr Tausende Besucher an.

Foto: Harald Hauswald
4 / 29

Paradeplatz in zentraler Lage: Nach seiner Neugestaltung in den sechziger Jahren war der Alexanderplatz die zentrale Megakreuzung Ost-Berlins, aus allen Himmelsrichtungen liefen die großen Straßenachsen hier auf dem inoffizielllen Paradeplatz der Republik zusammen.

Foto: Harald Hauswald
5 / 29

Vogelperspektive: Wie eine Schnecke wirkt die Menschenmenge um den Brunnen der Völkerfreundschaft auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz auf dieser vom Fernsehturm herab fotografierten Aufnahme von Harald Hauswald.

Foto: Harald Hauswald
6 / 29

Dickhäuter auf dem Alex: Begeistert staunten Kinder und Erwachsene 1985 über diesen Elefanten zum Anfassen, der vor dem "Centrum"-Warenhaus auf dem Alexanderplatz stand.

Foto: Harald Hauswald
7 / 29

Schmuckstück: Der "Brunnen der Völkerfreundschaft", eingeweiht am 7. Oktober 1970, erhilet wegen der bunten Verzierungen den Spitznamen "Nuttenbrosche". Seit 2002 steht er unter Denkmalschutz.

Foto: Harald Hauswald
8 / 29

Sozialistisches Graffito: Zu DDR-Zeiten galt der Alexanderplatz als Aushängeschild der "Hauptstadt der DDR" - und wurde entsprechend gepflegt.

Foto: Harald Hauswald
9 / 29

Erster Mai: Die SED nutze den Alexanderplatz als Bühne für Propaganda-Inszenierungen - hier marschiert 1982 zur Feier des 1. Mai die FDJ auf.

Foto: Harald Hauswald
10 / 29

Zuhause am Alex: Für viele Berliner Punks ist der Alexanderplatz ihr "Wohnzimmer". Schon zu DDR-Zeiten trafen sich Jugendliche mit wilden Frisuren und schwarzen Klamotten, wie dieses Trio 1986.

Foto: Harald Hauswald
11 / 29

Spielerische Erziehung zum Sozialismus: Kinder fahren 1983 auf einem Karussell auf dem Alexanderplatz-Weihnachtsmarkt - in Miniaturpanzern.

Foto: Harald Hauswald
12 / 29

Verregnete Parade: Für Sozialismus und Vaterland müssen diese NVA-Soldaten am 1. Mai 1982 auch im strömenden Regen mit DDR-Flaggen über den Alexanderplatz marschieren.

Foto: Harald Hauswald
13 / 29

Weltstadtflair Ost: Vor 1989 war der Berliner Alexanderplatz Anziehungspunkt für DDR-Bürger aus allen Ecken des SED-Staats. Hier konnte man im "Centrum"-Warenhaus einkaufen oder im nahegelegenen Palast der Republik die Extravaganz eines Milkshakes leisten.

Foto: Harald Hauswald
14 / 29

Trauriger Anblick: Mit der Wiedervereinigung Berlins verlor der Alexanderplatz seine Rolle als Zentrum einer halben Hauptstadt und verkam zusehends.

Foto: Harald Hauswald
15 / 29

Entspannung im Chaos: Baustelle und Asphaltwüste stören diesen Radfahrer nicht, der sich eine klitzekeine grüne Oase auf dem Alex für seine Pasue ausgesucht hat.

Foto: Harald Hauswald
16 / 29

Sonnenbank preiswert: Freitagsabends treffen sich am Alex die "Knuddles"- Jugendliche, die sich im Internetchat kennen gelernt haben - mit ihren Wodka- und Bierflaschen. Sie kommen weil der Platz verkehrsgünstig liegt und das Bier billig ist.

Foto: Harald Hauswald
17 / 29

Fröhliche Pfingsten: Nach dem Pfingsttreffen der FDJ 1989 sind nur noch Trümmer zurückgeblieben.

Foto: Harald Hauswald
18 / 29

Protest gegen Krenz und Co.: Am 4. November 1989 fand auf dem Alexanderplatz eine der größten Demonstration des Herbstes 1989 statt - zu diesem Protest allerdings hatte die Noch-Staatspartei SED schon mit aufgerufen. Über eine halbe Million Menschen drängelten sich auf dem Alex und forderten mehr Demokratie in der DDR. Fünf Tage später fiel die Mauer.

Foto: Harald Hauswald
19 / 29

Fluchtpunkt Weltzeituhr: Die Weltzeituhr am Alexanderplatz war schon zu DDR-Zeiten ein bekannter Treffpunkt für unangepasste Jugendliche - er ist es bis heute geblieben.

Foto: Harald Hauswald
20 / 29

Fressgasse Alex: Nach dem Fall der Mauer kam rasch der Ramsch über den Alexanderplatz. Bald gab es auch hier an jeder Ecke Döner-, Burger- und Pizzaläden an jeder Ecke.

Foto: Harald Hauswald
21 / 29

Alles Wurst: Diese beiden nehmen sich nach ihrer Currywurst noch etwas Zeit. Auf dem Alex hängen zu bleiben, tut nicht allen gut.

Foto: Harald Hauswald
22 / 29

Soziale Kontrolle: Die Staatsmacht hatte zu DDR-Zeiten immer ein Auge auf alles, was am Alex vor sich ging. Denn der war er auch ein Treffpunkt für Leute, die mit der SED über Kreuz lagen - ob "Tramper" (wie der hier kontrollierte), die am Brunnen der Völkerfreundschaft abhingen, oder Ausreisewillige, die an der Weltzeituhr schweigend für ihr Recht auf Reisefreiheit demonstrierten.

Foto: Harald Hauswald
23 / 29

Ost-Berliner Untergrund: Unter dem Alexanderplatz rauscht die Ost-Berliner U-Bahn durch den Untergrund.

Foto: Harald Hauswald
24 / 29

Nachmittag am Brunnen: Mit seinem breiten Beckenrand lud der "Brunnen der Völkerfreundschaft" zum Sitzen, Verweilen und Plaudern ein - auch für diese drei behüteten Grazien, die der Fotograf Harald Hauswald dort 1989 ablichtete.

Foto: Harald Hauswald
25 / 29

Endstation Alex: Ein Besucher des Restaurants "Posthorn" auf dem Alexanderplatz ist 1981 auf der Terrasse eingeschlafen - viel los war im Zentrum des ostdeutschen Realsozialismus im Vergleich zu anderen Metropolen auch wirklich nicht.

Foto: Harald Hauswald
26 / 29

Ende in Sicht: Am Rande eines FDJ-Aufmarschs auf dem Alexanderplatz steht 1989 ein Junge abseits. Die Krise der DDR lag zu diesem Zeitpunkt bereits in der Luft - das Ende der DDR ahnte im Sommer 1989 noch kaum jemand voraus.

Foto: Harald Hauswald
27 / 29

Keine Feier ohne Fahnen: Die "Kampfgruppen der Arbeiterklasse", eine Miliz aus Arbeitern und Angestellten, müssen anlässlich des 1. Mai 1982 mit roten Fahnen auf dem Alexanderplatz aufmarschieren. Die meisten währen an diesem Tag wohl lieber zuhause geblieben, als der SED-Führung zu huldigen.

Foto: Harald Hauswald
28 / 29

Taten statt Worte: Vor einer SED-Propagandaparole genießt ein Paar 1982 auf dem Berliner Alexanderplatz die Sonne und die Zweisamkeit.

Foto: Harald Hauswald
29 / 29

Blätter aus Beton: Am Fuße des Fernsehturms auf dem Alexanderplatz entfaltet sich das Dach des Eingangsbereichs wie eine gigantische Seerose aus Beton - Architektur, die nicht nur zum Betrachten, sondern auch zum "Besetzen" einlädt.

Foto: Harald Hauswald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?