Proteste gegen das Regime Algeriens Unmut wächst
Am 18. April soll in Algerien die Präsidentschaftswahl stattfinden. Aber rund eineinhalb Monate vorher befindet sich das Land in Aufruhr. Das geht auf das Regime um Staatschef Abdelaziz Bouteflika zurück.
Das Problem: Bouteflika ist 82 Jahre alt - und schwer krank. Seit Jahren sitzt er im Rollstuhl, hat Probleme beim Sprechen. Im Jahr 2013 erlitt er einen Schlaganfall. Bouteflika ist kaum noch in der Öffentlichkeit zu sehen. Aber trotz allem will er bei der anstehenden Wahl erneut kandidieren und dann möglicherweise in seine fünfte Amtszeit gehen.
Die schwierige Situation geht auch auf Fehler des Regimes zurück: Die Regierung hat es verpasst, sich auf einen Nachfolger zu einigen und diesen zu installieren. So hält sie an Bouteflika fest.
Die Folgen sind die größten Proteste im Land seit Jahrzehnten. Schon seit Ende Februar laufen die Demonstration. Zuletzt haben sie sich aber intensiviert.
Am vergangenen Wochenende demonstrierten Hunderttausende in der Hauptstadt Algier und in anderen Städten. Aber auch eine Woche später setzten sich die Proteste fort.
Eine anonyme Partei hat für den Freitagnachmittag in sozialen Medien zum "Marsch der 20 Millionen" aufgerufen.
Die Regierung hat die Sicherheitsvorkehrungen mittlerweile verschärft und Dutzende Mannschaftswagen nach Algier geschickt.
Dort versuchten die Beamten unter anderem, mit Menschenketten Straßen abzusperren.
Bisher blieben die Proteste weitestgehend friedlich. Zuvor hatten Aktivisten dazu aufgerufen, unbedingt auf Gewalt zu verzichten.
Vereinzelt gab es allerdings auch Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten.
Im Mittelpunkt der Proteste stehen Studenten. Die Studentengeneration hat nie einen anderen Staatschef kennengelernt als den seit 1999 regierenden Bouteflika.
So ist die Universität in Algier auch eine der Hochburgen des Protestes. Die Demonstrationen werden aber auch von der Opposition unterstützt.
Der Protest geht quer durch alle Gesellschaftsschichten: Hier protestieren Anwälte vor einem Gericht gegen Bouteflikas Kandidatur für eine fünfte Amtszeit.
Die Demonstranten schwenken algerische Flaggen, einige waren in die Nationalfahne gehüllt. In Sprechchören wird der "Sturz des Regimes" gefordert.
Der Protest erreicht auch die algerische Gemeinde in Frankreich: Am vergangenen Wochenende versammelten sich in mehreren Großstädten Tausende, um ihre Sympathien für die Protestbewegung in Algerien zu bekunden. So auch auf der Place de la République in Paris.