Amazonas-Expedition 1935 - DER SPIEGEL
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Amazonas-Expedition 1935 Nazis im Dschungel-Camp

Eine Nazi-Kolonie im Amazonas-Dschungel? 1935 brachen deutsche Forscher zu einer Expedition in Brasiliens Urwälder auf - und entwickelten den Plan, mit einem NS-Expeditionskorps ein "Deutsch-Guayana" zu erobern. Bis heute finden sich im Dschungel Relikte der braunen Entdecker. Von Jens Glüsing
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Hakenkreuz-Grab im Dschungel: Im Herbst 1935 brach der Berliner Forscher Otto Schulz-Kampfhenkel zu einer abenteurlichen Expedition im Amazonas-Gebiet von Guayana auf. Expeditionsmiitglied Joseph Greiner starb unterwegs den "Fiebertod"; bis heute steht dieses etwa drei Meter hohe, mit dem Hakenkreuz verzierte Grabkreuz auf einer Flussinsel des Rio Jary.

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Hakenkreuz über dem Amazonas: Auf ihren Expeditionsbooten hissten die Deutschen neben der brasilianischen auch die Hakenkreuz-Flagge des Dritten Reichs. Die Stromschnellen des Rio Jury machten den Abenteurern schwer zu schaffen. Expeditionsleiter Schulz-Kampfhenkel sank gar mit seinem Boot und musste einige Tage im Dschungel ausharren, bevor seine Begleiter ihn wiederfanden.

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Deutsche Überflieger: Schulz-Kampfhenkels Expedition war die erste, die auf dem Amazonas ein Wasserflugzeug einsetzte. Es war eigens von Hermann Göring zur Verfügung gestellt worden, ging aber bereits nach wenigen Wochen bei einer Kollision mit Treibgut zu Bruch. Hier ein Artikel der brasilianischen Zeitung "Estado do Pará" vom 25.9.1935.

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Ungleiche Freunde: Für seine Amazonas-Expedition gewann Otto Schulz-Kampfhenkel vor Ort einen Indio vom Stamm der Aparaí als Führer, der die Deutschen bis zu den Pfahlbau-Indianern im äussersten Norden Brasiliens lotste. Karl-May-Fan Schulz-Kampfhenkel taufte seinen einheimischen Helfer kurzerhand "Winnetou".

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Freundschaft über Musik: Während der endlosen, heißen Dschungelnächte entwarf Schulz-Kampfhenkel gemeinsam mit seinem Freund und Begleiter Gerd Kahle einen aberwitzigen Plan: Die Eroberung Französisch-Guayanas sowie der benachbarten britischen und holländischen Kolonien (heute Guyana bzw. Surinam) für das deutsche Reich. Ein deutsches Expeditionskorps sollte in Brasilien landen und mit Hilfe der dort ansässigen Indios durch den Dschungel nach Cayenne vorstoßen, der Hauptstadt von Französisch-Guayana.

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Am Rio Jary: Der Wasserfall Santo Antonio am Rio Jary in Brasilien. Hier hatten Otto Schulz-Kampfhenkel und seine Mitstreiter das Basislager für ihre 17-monatige Expedition den Amazonas hinauf aufgeschlagen.

Foto: Michael Ende
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"Rätsel in der Urwaldhölle": Nach seiner Rückkehr widmete sich Otto Schulz-Kampfhenkelder medialen Verwertung seiner Abenteuer. Sein Expeditionsbericht "Rätsel der Urwaldhölle" erschien 1938 als Buch, die Ufa lancierte seinen gleichnamigen 90-minütigen "Großfilm deutscher Forschung", der wochenlang in Kinos von Flensburg bis München lief. Der "Illustrierte Filmkurier" widmete dem Streifen 1938 sogar eine Titelgeschichte.

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Klischees im Kino: Otto Schulze-Kampfhenkels Film "Rätsel der Urwaldhölle" passte perfekt in die NS-Klischees von arischen Übermenschen und dunkelhäutigen, angeblich primitiven Kulturen. Südamerika sah er als als großräumiges Siedlungsland "für ein nordisches Herrenvolk". Die Aufnahme zeigt einen Ausriss aus der Zeitschrift "Film Kurier" von 1938 mit einem Artikel über den Film.

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Werbetrommel: In seinem Film "Rätsel der Urwaldhölle" machte Otto Schulz-Kampfhenkel Propaganda für die deutsche Auslandsforschung. Hier ein Ausriss aus der Kino-Zeitschrift "Film Kurier" von 1938, die das Werk eingehend besprach.

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Vor dem Aufbruch: Auch die brasilianische Zeitung "Gazeta de Noticias" interessierte sich im August 1935 für den deutschen Otto Schulz-Kampfhenkel und seine Expedition auf dem Rio Jary.

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Kolonialherr Schulz-Kampfhenkel: Schwarze "Ureinwohner" bestaunen den Tierfänger Otto Schulz-Kampfhenkel während seiner Expedition nach Liberia 1932. Morgens ließ er die Afrikaner zum Fahnenappell antreten.

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Braune Entdecker: Zwischen 1935 und 1937 erkundete ein deutsches Expeditionsteam unter Leitung des Berliner Zoologen und Abenteurers Otto Schulz-Kampfhenkel den Amazonas in Brasilien an der Grenze zu Französisch-Guayana. In den heißen Dschungelnächten entwickelte Schulz-Kampfhenkel den Plan, das angrenzende Französisch-Guayana mit einem deutschen Expeditionscorps und mit Hilfe einheimischer Indios für Nazi-Deutschland zu erobern.

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Dschungeldickicht: Die Zuckerhut-Inselberge im brasilianischen Tumucumaque-Nationalpark heute. Aus der Luft sieht der Urwald hier noch so unberührt aus wie vor 70 Jahren, als deutsche Forscher hier von einem Brückenkopf des "Dritten Reichs" in Südamerika träumten.

Foto: Michael Ende
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Joseph Greiners Grab: Das Grabkreuz des deutschen Expeditionsteilnehmers Joseph Greiner im brasilianischen Urwald in der Nähe des Wasserfalls von Santo Antonio ist heute eine Touristenattraktion. Allerdings kennt kaum jemand aus der Gegend die Geschichte des Grabmals, wilde Legenden ranken sich um das geheimnisvolle Grab.

Foto: Michael Ende
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