Analyse Deutschland vs. San Marino Was Löw für den Confed Cup lernen konnte
"Es war für uns einfach nur ein Testspiel" erklärte Bundestrainer Joachim Löw nach dem 7:0 der DFB-Auswahl gegen San Marino im sechsten Gruppenspiel der WM-Qualifikation - und hatte dabei schon den bevorstehenden Confed Cup im Sinn. Trotz des schwachen Gegners dürfte der Bundestrainer einige Erkenntnisse gewonnen haben.
Elia Benedettini war am Samstagabend nicht nur ein geschlagener, sondern auch ein historischer Mann: Seine 56 (!) Ballkontakte waren mit großem Abstand Bestwert im Team der Gäste aus San Marino. Zur Verdeutlichung: Die zweitmeisten Ballaktionen hatte Defensivspieler Mirko Palazzi mit nur 36. Ein Torhüter mit den meisten Ballaktionen? Ein übergroßer Fingerzeig für die hoffnungslose Unterlegenheit des Tabellenletzten der WM-Qualifikationsgruppe C.
Einer der großen Gewinner des Spieles war Amin Younes (hier im Zweikampf mit Alessandro Della Valle). Mit seinen Antritten, Dribblings und klugen Läufen hatte er einen erheblichen Anteil am Erfolg der deutschen Mannschaft. Er hatte die meisten Ballkontakte aller deutschen Offensivspieler, auch und vor allem im gegnerischen Strafraum. Er krönte seine Leistung mit einem Abstauber in der 38. Minute.
Der Seitenwechsel von Younes veränderte den Spielaufbau und half auch seinen Nebenspielern. Joshua Kimmich machte ohnehin kein unauffälliges Spiel, im Zusammenspiel mit Younes wurde der Bayern-Spieler offensiv aber noch gefährlicher.
Gegen San Marino konnte Kimmich seine Rolle als rechtes Glied der deutschen Dreier-Abwehrkette sehr offensiv interpretieren und quasi als offensiver Mittelfeldspieler agieren. San Marinos zehn Feldspieler hatten zusammen 249 Ballkontakte, Kimmich allein 123. Kein deutscher Spieler hatte mehr. Drei Tore (2:0, 6:0, 7:0) bereitete er direkt vor, eines leitete er mit einem Freistoß ein (1:0), beim 4:0 trat er die Ecke, beim 3:0 schlug er den Pass auf Vorlagengeber Younes.
Profiteur der Zuspiele Kimmichs war vor allem Sandro Wagner, der in der 16. und 85. Minute nach Vorlagen des Bayern-Spielers seine Länderspieltreffer eins und drei erzielte. Wagner im Nationalteam - das galt vor wenigen Monaten noch als ausgeschlossen. Warum hat Löw ihn jetzt doch eingeladen?
Drei Treffer im zweiten Länderspiel - Wagner hat damit jetzt schon mehr Tore im Nationaltrikot erzielt als zum Beispiel Mario Basler oder Lothar Emmerich. Viel wichtiger für ihn: Gegen schwache Gegner gibt es wenig zu gewinnen und viel zu verlieren. Der Stoßstürmer hat mit seiner Leistung das Interesse Löws wecken können, ihn auch gegen stärkere Mannschaften wiedersehen zu wollen.
Eine Bewertung des defensiven Auftretens der deutschen Mannschaft verbietet sich, eine Offensive von San Marino war schließlich nicht existent. Löw wird dennoch mit Wohlwollen registriert haben, dass sich auch die Spieler hinter den Offensivkräften merklich bemühten, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. So schoss nur ein Spieler genauso häufig aufs Tor wie Mittelstürmer Wagner: Sechs Versuche gab der der nominell im defensiven Mittelfeld agierende Emre Can ab.
Nach San Marino ist vor Australien: Der Asienmeister ist neun Tage nach dem Pflichtsieg von Nürnberg der erste Gruppengegner der deutschen Mannschaft beim Confed Cup. Dort und bei den Spielen gegen Chile und Kamerun haben Younes, Wagner und ihre Teamkollegen weitere Gelegenheiten, den Bundestrainer von sich zu überzeugen. Gegen San Marino wurde der Anfang gemacht.