Champions-League-Analyse Warum Wolfsburgs Offensive wieder funktioniert
VfL Wolfsburg - ZSKA Moskau 1:0 (1:0). Der VfL Wolfsburg startete mit einem knappen Sieg über den Tabellenführer der russischen Premjer Liga in die Champions League. Den einzigen Treffer erzielte Julian Draxler in der 40. Minute - und war nicht nur deshalb der Mann des Abends.
Trainer Dieter Hecking hatte sein Team im Vergleich zum 0:0 in Ingolstadt auf genau einer Position verändert. Max Kruse kam für Josuha Guilavogui in die Startformation, die Grundausrichtung geriet diesmal also etwas offensiver. Die beiden Außen, André Schürrle und Daniel Caligiuri, rückten zudem bei Ballbesitz weit auf, so dass der VfL teilweise in einem echten 4-3-3 agierte.
Der variable Max Kruse (Foto) verstärkte dabei das zentrale Mittelfeld und harmonierte auffällig gut mit Draxler. Dieses Duo beschäftigte die ZSKA-Defensive über die gesamte Spielzeit. Insgesamt neun Torschussvorlagen (Kruse: vier, Draxler: fünf) steuerten beide bei.
Auch das direkte Zusammenspiel funktionierte. Die Passkombination Kruse auf Draxler war die dritthäufigste des Abends, meist sogar mit einem Raumgewinn verbunden. Nur vier Pässe erfolgten gegen die Spielrichtung, zwei davon in Strafraumnähe. Mit 92,7 Prozent (Draxler) beziehungsweise 94,1 Prozent (Kruse) hatte das Erfolgs-Duo bemerkenswert starke Passquoten.
Diese Grafik zeigt sämtliche Pässe und Torschüsse von Draxler und verdeutlicht, wie beweglich er gegen den russischen Vizemeister agierte. Kein Spieler auf dem Feld hatte mehr Ballkontakte (103). Mit seinen gerade 21 Jahren ist Draxler seit dem Dienstagabend außerdem der jüngste CL-Torschütze des Vereins.
FC Sevilla - Borussia Mönchengladbach 3:0 (0:0). Die Rückkehr Borussia Mönchengladbachs auf die ganz große Fußball-Bühne missglückte. 37 Jahre nach dem letzten Auftritt im damaligen Europapokal der Landesmeister reiste das Favre-Team zum FC Sevilla - und unterlag dort auch in der Höhe verdient.
Ein einziger Schuss aufs gegnerische Tor glückte den Borussen im gesamten Spielverlauf. Es war ein Distanzschuss Ibrahima Traorés in der Nachspielzeit.
Wie wenig es dem aktuellen Bundesliga-Schlusslicht gelang, den Gegner unter Druck zu setzen, illustriert auch diese Grafik. Die Dreiecke zeigen die drei Defensivaktionen des FC Sevilla, bei denen der Ball unkontrolliert herausgeschlagen wurde. Im Vergleich: Die Borussen selbst mussten 26 solcher Befreiungsschläge vornehmen.
Trainer Favre hatte sein Team auf die körperlich robuste Spielweise des Europa-League-Siegers vorbereitet. Umso erstaunlicher, dass seine Spieler in dieser Hinsicht nur wenig entgegenzusetzen hatten. Es wäre sicher unfair, die Niederlage allein an Lars Stindl (Foto) festzumachen, exemplarisch hier aber seine für einen Sechser desaströse Zweikampfstatistik: Nur vier seiner 13 Duelle gewann Stindl, in der Luft kein einziges.
So ist es auch nicht verwunderlich, wie unterschiedlich die beiden Heatmaps der Teams am Dienstag aussahen. Mönchengladbach hatte große Probleme, sich dem gegnerischen Strafraum überhaupt einmal zu nähern, vor allem über die Flügel waren sie ohne Wirkung.
Ganz anders der FC Sevilla, bei dem besonders die linke Seite mit Benoît Trémoulinas und Reyes überzeugte. Auch wenn unmittelbar nach Spielende vor allem die drei Strafstöße das große Diskussionsthema waren - allein haben sie das Spiel ganz sicher nicht entschieden.
Manchester City - Juventus 1:2 (0:0). Als Giorgio Chiellini den Ball nach 57 Minuten ins eigene Netz köpfte - regelwidrig von Vincent Kompany bedrängt -, schien Juventus auf dem Weg zur nächsten Enttäuschung. Der italienische Meister zeigte sich aber weder vom Gegentor noch vom Stotterstart in der Serie A (drei Spiele, ein Punkt) beeindruckt und drehte die Partie.
Auch hier sind die Zweikampfwerte der Schlüssel. Fast 57 Prozent gewonnene Duelle beim verlustpunktfreien Tabellenführer der englischen Premier League sind ein überragender Wert. Mit neun Fouls (gegenüber 20 von City) fiel Juventus nicht einmal durch übertriebene Härte auf. Die Italiener führten ihre Zweikämpfe einfach stark.
Nach den Abgängen von Carlos Tévez, Fernando Llorente, Arturo Vidal und Andrea Pirlo ist Paul Pogba einer der wenigen Stars, die Juventus im Sommer nicht verließen. Auch seine Einsatzbereitschaft ebnete den Weg zum Erfolg in Manchester. Vor allem bei Kopfbällen glänzte der Franzose.
Eines hat der Abend gezeigt: Offensiv hat Juventus weiter die Klasse, Spiele auch mit wenigen Aktionen zu entscheiden. Sowohl der Ausgleichstreffer von Mario Mandukic; (70.) wie auch das 2:1 durch Álvaro Morata (80., Foto) waren technisch höchst anspruchsvoll. Bei lediglich drei Schüssen auf das Tor von Joe Hart sind zwei Treffer zudem natürlich eine herausragende Ausbeute.
Juventus gewann damit erstmals seit dem November 1996 wieder ein Europapokalspiel in England. Am zweiten Spieltag der Gruppe D (30. September) kommt es nun zum Duell der beiden Sieger des Dienstags: Juventus erwartet den FC Sevilla, Mönchengladbach fordert zeitgleich Manchester City.