Anarcho-Athlethen - DER SPIEGEL
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Rowdy-Athleten Wenn Sport doch nicht so gesund ist

John McEnroe war der Punk unter den Tennis-Assen - aber nicht der einzige Sport-Anarcho. SPIEGEL ONLINE erinnert an die wahnwitzigsten Wutausbrüche, derbsten Durchdreher und absurdesten Auftritte der Sportgeschichte.
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"You cannot be serious!": Mit seinen legendären Wutausbrüchen brachte John McEnroe in den siebziger Jahren Wimbledons High Society gegen sich auf. Er legte sich mit den Schiedsrichtern an, beleidigte Zuschauer, zerschmetterte Schläger und schoss Balljungen ab. So machte "Big Mac" aus dem Hin und Her der gelben Filzkugel Dramen in zwei bis fünf Sätzen.

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Ein echter Punk-Golfer: Mit einer Bierdose in der Hand und Schlabberpullover tauchte John Daly 1991 beim PGA Championship in Carmel, Indiana auf - und deklassierte mal eben die besten Spieler der Welt. Seitdem hat Daly alles getan, um seinen Ruf als größter Rüpel des Golf-Sports weiter zu zementieren: Er ließ sich dreimal scheiden, prügelte sich auf dem Platz, versuchte sich mehrere Male erfolglos an einem Alkoholentzug, zertrümmerte Hotelzimmer und häufte Spielschulden in Höhe von rund 60 Millionen Dollar an. 2008 sorgte er mit einem YouTube-Video für Aufruhr, in dem er mit einem Reporter eine Partie Golf spielt - mit Kippe im Mundwinkel und nichts als einer Jeans am Leib.

Foto: AP
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Er wollte Spaß - und gab Gas: 1976 wurde er Formel-1-Weltmeister, aber eigentlich war Autofahren für ihn nur Nebensache. "Sex - Breakfast of Champions" oder "Sex is a High Performance Thing" - mit Aufnähern wie diesen, prominent auf seinen Rennoveralls plaziert, macht der Brite James Hunt unmissverständlich klar, welche Art von Fahrgestellen ihn am Motorsport am meisten fasziniert. Hunt war selbst im legersten Jahrzehnt der Formel 1 der herausragende Lebemann. Nach einem gewonnenen Grand Prix schnorrte er schon mal, gerade aus dem Auto geklettert und auf dem Weg zum Siegerpodest, einen interviewenden Journalisten um ein Zigarette an. Nach seiner F1-Karriere verfiel er dem Alkoholismus, litt unter Depressionen und starb mit 45 an einem Herzinfakt - ein Leben auf der Überholspur eben.

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Der Beißer: "Es schmeckte wie Wurst", gab Mike Tyson zu Protokoll, als alles vorbei war. Der Ex-Boxweltmeister meinte das Stück Ohr, dass er kurz zuvor seinem Gegner Evander Holyfield abgebissen und auf den Ringboden gespuckt hatte. Die Biss-Attacke im Weltmeisterschaftskampf 1997 ist nur der spektakulärste in einer langen Reihe von Skandalen, in die "Iron Mike" verwickelt war. Tyson war zwar der aufregendste und vielleicht beste Boxer seit Muhammad Ali, doch bekam er sein Leben nie in den Griff. Er saß mehrmals im Gefängnis, verprügelte Frauen und war kokainabhängig.

Foto: AP
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Freudensprung mit 137,3 Sachen: Mit beinahe 140 km/h raste der italienische Skirennläufer Kristian Ghedina 2004 beim Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel auf den Zielsprung zu. Viele sind hier schon gestürzt, manch einer hat sich schwer verletzt, alle sind froh, wenn sie sicher landen. Ghedina wusste das, sprang - und spreizte mitten in der Luft die Beine. Nachdem er locker im Ziel abgeschwungen war, meinte er lachend: "Ich dachte: Wenn ich gut drauf bin, mache ich einen Spaß zum Abschied." 16 Jahre lang fuhr Ghedina Skirennen, brach sich während dieser Zeit unzählige Knochen, bevor er 2006 seine Karriere beendete - und Autorennfahrer wurde.

Foto: dpa
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Der betrunkene Schiri: Die Gans war schuld. Das behauptet Wolf-Dieter Ahlenfelder jedenfalls bis heute, wenn er erklären muss, warum er 1975 die erste Halbzeit des Bundesliga-Spiels Bremen gegen Hannover schon nach 30 Minuten abpfiff. Der Schiedsrichter hatte zuvor eine fettige Gans zu Mittag gehabt und versucht, den schweren Magen mit einigen Bierchen und Maltesern zu beruhigen. Es waren ein paar Gläser zuviel - zu Spielbeginn war er sternhagelvoll. Noch heute bekommt man im Bremer Vereinslokal ein Pils und einen Malteser, wenn man einen "Ahlenfelder" bestellt.

Foto: dpa
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Sein letzter Tritt: Am 23. August 2008 warf Angel Matos seine sportliche Karriere weg. Gerade war der kubanische Taekwondo-Kämpfer im Kampf um die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen disqualifiziert worden, weil er eine Auszeit überzogen hatte. Da wurde Matos sauer. So sauer, dass er dem Schiedsrichter mit voller Wucht ins Gesicht trat. Der Taekwondo-Weltverband sperrte den früheren Olympiasieger deswegen auf Lebenszeit. Immerhin: Die höchste Instanz Kubas erteilte ihm die Absolution. Fidel Castro erklärte seine "volle Solidarität" zu Matos und beschimpfte den Weltverband als "Mafia".

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Er kannte nur einen Fahrstil - Raserei: In der Rallye-Szene hinter vorgehaltener Hand "Master of Madness" genannt, schwankte die Performance von Colin McRae zwischen genialen Fahrmanövern und grausamen Abflügen. Ein typischer McRae: Komfortabel in Führung liegen, eine vermeintliche Abkürzung nehmen, die nicht im Roadbook steht, sich dabei überschlagen. Mit halb zerlegter Karre trotz Unfall als zweiter am Checkpoint ankommen, wo die Karre von den Mechaniker notdürftig wieder zusammengeflickt wird. Bei der nächsten Etappe die Anweisung, den zweiten Platz zu halten, in den Wind schlagen, voll auf Angriff fahren, sich wieder überschlagen. Mit komplett zerlegter Karre, aber immer noch Vollgas, auf den hinteren Rängen ins Ziel eiern - das war McRae. Im September 2007 starb "Mad Mac" bei einem Hubschrauberabsturz.

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Wenn "Jimbo" zuschlägt: Zwei Dinge machten Tennislegende Jimmy Connors wirklich Spaß. Einmal, die Filzkugel beidhändig so brutal wie möglich über das Netz zu donnern. Und, möglichst alle gegen sich aufzubringen - Zuschauer, Schiedsrichter, Funktionäre. In Wimbledon, wo er zweimal gewann, wurde er jedes Mal ausgebuht, seit er 1977 die Siegerparade zum 100. Jubiläum geschwänzt hatte. Solchen Reaktionen begegnete "Jimbo" auf seine Weise: Vor einem Match in Las Vegas 1975 zückte er einen Scheck über 53.600 Dollar: "Ich kaufe die 536 teuersten Plätze für meine Fans", ließ er wissen, "zuletzt saßen da in den ersten Reihen lauter Clowns, aber keiner, der was von Tennis versteht."

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Schräger Paradiesvogel: Dennis Rodman ist die vielleicht verrückteste und schillerndste Gestalt, die jemals in der NBA gespielt hat. Der Power Forward lebte wie ein Rockstar: er ließ sich am ganzen Körper tätowieren, probierte alle Haarfarben von giftgrün bis pink aus, ließ sich lieber ein Piercing zuviel als zuwenig stechen - und wenn ihm der Sinn danach stand, trug auch schon mal ein weißes Brautkleid. Nebenbei war er einer der besten seiner Zunft. Rodman dominierte Mitte der neunziger Jahre zusammen mit Michael Jordan und dem restlichen Team der Chicago Bulls die Liga, war sieben Mal in Folge der besten Rebounder. Auch nach seinem Karriereende blieb er in den Schlagzeilen - als Profi-Wrestler, Stierläufer in Pamplona und drittklassiger Schauspieler.

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Kickboxen nach dem Crash: In bester Bruce-Lee-Manier springt der amerikanische Rennfahrer Michael Simko seinem Kontrahenten Don St. Denis mit beiden Beinen voran durch die Windschutzscheibe ins Gesicht. St. Dennis hatte am 26. September 2006 bei den Glass City 200 nach Simkos Meinung fahrlässig einen Unfall verursacht und sollte nun büßen. St. Dennis sah das offenbar anders, kletterte aus seinem Fahrzeug und schlug zurück. Die beiden schnellen Streithähne konnten nur von mehreren Streckenposten getrennt werden.

Foto: AP
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Eine Linie gezogen: April 1999, im Merseyside-Derby wird Robbie Fowler von den Fans des FC Everton verspottet, nachdem Boulevardzeitungen über den angeblichen Kokainkonsum des Stürmers vom FC Liverpool berichten. Fowler kommentiert dies mit einer unvergleichlichen Geste: Nachdem er einen Elfmeter verwandelt hat, kniet er sich an der Außenlinie nieder und tut so, als würde er sie schnupfen wie Kokain. Der englische Fußballverband sperrt Fowler nach dieser Aktion für sechs Spiele.

Foto: Getty Images/Ross Kinnaird/Allsport
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1,91 Meter geballte Aggression: Er gilt als einer der umstrittensten Spieler der National Hockey League - und als einer der brutalsten. Der Eishockey-Spieler Chris Simon wurde in seiner Karriere bereits acht Mal wegen unangemessener Härte suspendiert. 2007 schlug der Spieler der New York Islanders seinem Gegner mit dem Stock ins Gesicht, nachdem dieser ihn mit dem Kopf an die Bande gecheckt hatte. Nach 25 Spielen auf der Bank, wurde er noch im selben Jahr erneut gesperrt. Er hatte Jarkko Ruutu von den Pittsburg Penguins, als dieser am Boden lag mit seinem Schlittschuh auf das Bein getreten. Dieses Mal wurde er für 30 Spiele gesperrt - absoluter Rekord in der Geschichte der NHL.

Foto: Chris O'meara / AP
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Karriere mit der Brechstange: US-Eiskunstlaufhoffnung Tonya Harding wollte unbedingt aufs Treppchen. Da heuerte ihr damaliger Mann kurz vor den Olympischen Winterspielen 1994 einen Schläger an, der ihre schärfste Konkurrentin mit einer Eisenstange krankenhausreif prügelte - und ging nicht als Olympiasiegerin, sondern als skrupellose "Eishexe" in die Sportgeschichte ein. Ihr US-Meistertitel wurde Harding aberkannt, statt dessen bekam sie drei Jahre Gefängnis auf Bewährung und ihr Ex vertickte ein altes Sex-Homevideo der beiden. 2002 stieg Harding dann von der Schlittschuhbahn in den Boxring um - ihren bizarren Showkampf gegen Bill Clintons angebliche Ex-Geliebte Paula Jones sahen 15,5 Millionen Menschen im TV. Harding gewann und wechselte ins Profilager. In ihrem ersten Kampf ging sie in der vierten Runde K.o..

Foto: Getty Images
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Dicke Brille und zehn Kilo zuviel: Mit Schnapsglasbrille und adrenalinschwangerem Pferdegrinsen stürzte sich Michael Edwards 1989 bei den Olympischen Spielen in Calgary von der Skisprungschanze. Er flöge "wie ein Backstein" kommentierten fassungslose Sportreporter den Sprung des ehrgeizigen Briten. Edwards war durch ein Loch in den Teilnahmebedingungen geschlüpft und als Englands bester (weil einziger) Skispringer bei den Spielen angetreten. Ohne Trainer und genug Erfahrung konnte damals jeder Sprung sein Ende bedeuten. Und natürlich wurde er Letzter. Doch darum ging es Eddy the Eagle nicht: "Für mich war allein die Teilnahme so viel Wert wie eine Goldmedaille."

Foto: DPA
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Polit-Punks: Am 6. Dezember 1956 - nur wenige Wochen nach den dramatischen Ereignissen des Ungarischen Aufstandes - trafen im Wasserballturnier der Olympischen Spiele im australischen Melbourne das ungarische und das sowjetische Team aufeinander. Das Spiel ging als "Blutbad von Melbourne" in die Sportgeschichte ein. Zahlreiche Beleidigungen, Tritte und Schläge über- und unterhalb der Wasseroberfläche prägten das Spiel. Als der Ungar Ervin Zádor zwei Minuten vor Spielende seinen Gegenspieler Valentin Prokopov beleidigte, stieß dieser ihm die Faust ins Gesicht - blutüberströmt musste der ungarische Nationalschwimmer das Becken verlassen.

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Auf einen Sprung: Eric Cantona konnte göttlich Fußball spielen - und teuflisch austeilen. Nach 26 Jahren ohne Titel führte der französische Star seinen Verein Manchester United ab 1993 zu vier Meisterschaften in fünf Jahren. Doch immer wieder fiel der Hitzkopf mit Ausrastern auf. Der Tiefpunkt war im Januar 1995 erreicht: Cantona sprang einem gegnerischen Fan, der ihn beschimpft hatte, mit Anlauf und gestrecktem Bein in den Magen. Er wurde ein halbes Jahr gesperrt und bekam 120 Sozialstunden aufgebrummt.

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Ein echter Krieger: Mit Ron Artest ist nicht zu spaßen. Als ein Zuschauer den Basketball-Profi 2004 mit einem Becher bewarf, stürmte der postwendend die Tribüne und drosch wild auf den Mann ein. Damit löste Artest die größte Massenschlägerei in der Geschichte der NBA aus. Spieler und Fans gingen aufeinander los, Stühle flogen in den Tumult, es regnete Popcorn und Cola. Als sich der Staub gelegt hatte, stand Artest mit einer 74-Spiele-Sperre und einem Einkommensverlust von 5 Millionen Dollar da. Ein kleiner Trost: Artest nutzte die Zeit, um sein Rap-Label "TruWarrior" aufzubauen.

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Fest im Griff: Er hat sich seinen Spitznamen "Die Axt" hart erarbeitet. Vinnie Jones war in den achtziger und neunziger Jahren der härteste Hund der "Premier League". Nur drei Sekunden brauchte er einmal nach dem Anpfiff, um sich eine gelbe Karte abzuholen - Rekord bis heute. Jones war ein Alptraum für seine Gegenspieler, ein Ruf, auf den er stolz war. 1992 zeigte er seinen Fans in einem Film, wie man seine Gegner mit fiesen Fouls außer Gefecht setzt, ohne dass der Schiedsrichter was merkt. Legendär: sein Griff ins Gemächt von Paul Gascoigne. Doch auch Nicht-Fußballer wurden Opfer der "Axt". Einem Sportjournalisten biss er 1995 ohne besonderen Grund in die Nase.

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