Angela Merkel: Die doppelte Kanzlerin - DER SPIEGEL
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Angela Merkel Die doppelte Kanzlerin

Die ostdeutsche Physikerin Angela Merkel wird 2005 die erste Regierungschefin der Bundesrepublik - eine Kanzlerin zwischen Klima und Krise. Trotz Kritik an ihrem innenpolitischen Zögern ist Merkel in der Bevölkerung beliebt.
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Unverhohlene Freude auf dem Gesicht der alten und neuen Kanzlerin: Die Union hat nach der Bundestagswahl 2009 die ungeliebte Große Koalition mit der SPD beendet und ist ein Bündnis mit dem Wunschpartner FDP eingegangen.

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS
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Angela Merkel wird als Angela Dorothea Kasner am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Sie ist die Tochter eines evangelischen Pfarrers und einer Lehrerin. Mit ihren beiden jüngeren Geschwistern wächst sie im brandenburgischen Templin auf, wo ihr Vater das Pastoralkolleg leitet (Bild: Angela Kasner 1973 beim Zelten im brandenburgischen Himmelpfort).

Foto: A3500 Bernd Gurlt / dpa
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Angela Merkel auf einem Klassenfoto der Polytechnischen Oberschule im brandenburgischen Templin (1971, zweite Reihe Mitte, leicht verdeckt). In den Siebzigern studiert sie in Leipzig Physik, geht dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das Berliner Zentralinstitut für Physikalische Chemie. Der Titel ihrer Dissertation: "Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden". Merkel ist Mitglied in der SED-Jugendorganisation FDJ, der Einheitspartei tritt sie jedoch nicht bei. Die Ehe mit dem Physikstudenten Ulrich Merkel wird 1982 nach fünf Jahren geschieden.

Foto: A3500 Bernd Gurlt/ dpa
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In der Wendezeit engagiert sich Merkel beim "Demokratischen Aufbruch", ab Februar 1990 übernimmt sie die Pressearbeit. Nach der ersten und einzigen freien DDR-Volkskammerwahl einen Monat später wird Merkel Vizeregierungssprecherin unter Lothar de Maizière. Bald tritt sie der DDR-CDU bei, die sich kurz darauf mit der West-CDU zusammenschließt. Nach der Wiedervereinigung zieht Merkel bei der ersten gesamtdeutschen Wahl im Dezember als Direktkandidatin für den Wahlkreis Stralsund-Nordvorpommern-Rügen in den Bundestag ein. Bundeskanzler Helmut Kohl macht sie zur Frauen- und Jugendministerin.

Foto: AP
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"Kohls Mädchen" ist als Ministerin zunächst unauffällig, aber nicht ohne Machtinstinkt. Merkel weiß: Ohne Hausmacht ist sie auf ihren Förderer angewiesen - und Kohl enttäuscht sie nicht. Im November 1991 wird sie stellvertretende CDU-Chefin, im Juni 1993 übernimmt sie auch den Landesvorsitz in Mecklenburg-Vorpommern. Nach der Wahl 1994 wechselt sie an die Spitze des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Foto: RONALD ZAK/ ASSOCIATED PRESS
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Erst der Wahlschock, dann die Spendenaffäre: Als es Ende der neunziger Jahre um den personellen und inhaltlichen Neuanfang in der CDU geht, gilt Merkel als Hoffnung. Sie wird Generalsekretärin und löst sich von ihrem Ziehvater Kohl. Im Februar 2000 wird Parteichef Wolfgang Schäuble gestürzt, Merkel wird CDU-Vorsitzende. Auf die Kanzlerkandidatur verzichtet sie 2002 - zugunsten von CSU-Chef Edmund Stoiber, der dann knapp scheitert. Merkel stärkt ihre Führungsposition, übernimmt auch die Fraktionsspitze und wird Oppositionsführerin. Bei den vorgezogenen Neuwahlen im September 2005 visiert sie das Kanzleramt an - und schafft es.

Foto: Peter Kneffel/ picture-alliance/ dpa/dpaweb
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Angela Merkel wird erste Kanzlerin der Bundesrepublik und mit 51 Jahren auch die bisher jüngste Amtsinhaberin. Für die angepeilte schwarz-gelbe Mehrheit reicht es bei ihrer ersten Kanzlerschaft allerdings nicht, Merkel muss vier Jahre mit einer SPD in einer Großen Koalition regieren. Am 22. November 2005 übernimmt sie das Amt - Gerhard Schröder gratuliert seiner Nachfolgerin.

Foto: Peer Grimm/ picture-alliance/ dpa
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Einen "World Star" nennt der britische "Economist" die deutsche Kanzlerin, das US-Magazin "Forbes" kürt sie zur mächtigsten Frau der Welt. Zu mächtig für Nicolas Sarkozy? Das Bild täuscht, denn zwischen Merkel und dem geltungssüchtigen, französischen Staatspräsidenten knirscht es immer wieder einmal. Einigkeit herrscht aber in einer Frage: Beide sind gegen einen EU-Beitritt der Türkei.

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Menschen und Medien in Deutschland nehmen Merkel zunächst vor allem als "Außenkanzlerin" war. Sie vermittelt erfolgreich auf dem EU-Gipfel, reanimiert die deutsch-amerikanische Freundschaft, spart in Russland und China heikle Fragen nicht aus. Als Gastgeberin des G-8-Gipfels in Heiligendamm (Foto) im Juni 2007 drängt sie den damaligen US-Präsidenten George W. Bush zu mehr Engagement im Kampf gegen den Klimawandel.

Foto: Oliver_Weiken/ picture-alliance/ dpa
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Merkel bei der Eröffnung der Oper von Oslo (2008): In der Bevölkerung genießt Merkel bis heute hohe Sympathiewerte. Die weiß sie für ihre Partei zu nutzen - und schafft es, sich weitere vier Jahre an der Spitze der Regierung zu sichern, diesmal mit ihrem Wunschpartner FDP.

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Seit 1998 ist Merkel mit dem Chemieprofessor Joachim Sauer verheiratet, den Namen ihres ersten Mannes hat sie allerdings behalten. Im Urlaub, wie hier 2006 auf Ischia, trägt die Kanzlerin statt des dienstlich obligatorischen Hosenanzugs lieber legere Kleidung.

Foto: Ciro Fusco / picture-alliance/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?