Absurde Postkarten Sehen Sie genau hin
Guten Appetit: Der Slogan "Düngt mit Kalkstickstoff" war an Bauern gerichtet und versprach monströse Ernten. Diese Postkarte von 1911 wurde von der Deutschen Ammoniak Vereinigung zu Werbezwecken in Umlauf gebracht.
Paar im Auge: Eine Kreation aus dem Hause Gerlach & Martin Gerlach Jr. 1911 galten Monokel als schick und waren Statussymbol der höheren Gesellschaft.
Familienausflug: Das Fliegen ist ein beliebtes Motiv auf Ansichtskarten - sei es mit einem Regenschirm, einem Auto oder gar mit der Eisenbahn. Hauptsache, das Ausflugsziel wurde auf unerwartete Weise inszeniert.
Falscher Hase: Ein Chihuahua im Kaninchenkostüm. Diese schrullige Postkarte dürfte 1907 so manchen das Gruseln gelehrt haben.
Hund am Steuer: Beziehungsweise im Autoreifen. Benzin-Onkel nannte man im Jahre 1912 despektierlich einen Autofahrer. Mit einer solchen Postkarte konnte man sich über die noblen Herren in ihren Blechkarossen lustig machen.
Im Kino: Bei gedimmtem Licht ist alles erlaubt. Traute Viersamkeit auf einer Postkarte von 1910.
Gekröntes Insekt: Kaiser Wilhelm II. als bewaffnete Fliege. Postkarte aus Frankreich, um 1900.
Dame in Seifenblase: Die "Neue Photographische Gesellschaft" war tonangebend in der Herstellung von Bromsilberpapier. Mit automatisch arbeitenden Belichtungs- und Entwicklungsmaschinen druckte die Berliner Firma darauf Postkartenmotive. Die Seifenblasenpostkarten waren ein Megaseller der damaligen Zeit.
Hitzkopf: Diesem Herrn scheint mit seinem engen Kragen nicht besonders wohl zu sein. Deutsche Postkarte, ca. 1900.
Spartakiade: Gustav Klucis war ein Pionier der Fotografie und Teil der konstruktivistischen Avantgarde. 1928 gestaltete er Postkarten zur ersten Spartakiade in Moskau, einer Olympia-ähnlichen Sportveranstaltung der Sowjetstaaten. Seine Fotocollagen orientierten sich oft an früheren Fantasiepostkarten. Klucis' Stil setzte sich durch und wurde zum Erkennungsmerkmal von Sowjetpropaganda.
Feiner Kerl, was? Dieses Gesicht wurde im Rahmen einer Postkartenserie auf eine ganze Palette von Frauen- und Männerkörpern montiert.
Spargeldamen: Frauen mit Unterleiben aus Gemüse oder Balletteusen, die auf Kartoffeln tanzten, bildeten zusammen eine Postkartenserie, die 1904 verkauft wurde.
Eselskopf: "Bist du ähnlich genug" stand auf dieser französischen Postkarte, die etwa 1910 verkauft wurde. Die Antwort kam wahrscheinlich postwendend: "Hä?"
Damentennis: Was haben diese zwei Frauen mit Sport am Hut? Nichts - Die Postkartengestalter mussten sich fast täglich neue Motive ausdenken. Dabei kamen manchmal auch ziemlich absurde Kreationen heraus, wie hier auf einer Postkarte von 1910.
Kindergarten: In den Niederlanden wachsen Babys mitten im Krautfeld. Das suggeriert zumindest diese Postkarte von 1905.
Hau drauf: Unmissverständliche Postkarte von 1905. Damit konnte man alte Fehden wieder aufleben lassen und offene Rechnungen begleichen.
Wasserratten: Eine Fotomontage aus den Niederlanden, ca. 1905.
Chapeau: In schlecht bezahlter Heimarbeit arbeiteten ganze Familien für die Postkartenhersteller. Am Küchentische bemalten sie die Motive, klebten Federn, Schleifen oder Metallapplikationen auf.
Mond und Sterne: Das Weltall war ein beliebtes Postkartenmotiv. Oft spielten die Gestalter mit Zukunftsvisionen wie: Einst werden wir alle in Automobilen auf den Saturnringen spazierenfahren. Diese Postkarte aus Belgien allerdings hatte weniger mit Futurismus zu tun als mit der universellen Bierseligkeit. "Leve de drinkebroers", heißt auf niederländisch so viel wie "Es leben die Trunkenbolde".
Gondeln in Berlin: "Der neue Hafen am Brandenburger Thor". Mit dieser Postkarte von Georg Busse konnten ausgefuchste Berliner prima ihre Verwandten in Hamburg schocken.
Eigenwerbung: Auf dieser Postkarte zur Leipziger Papiermesse 1908 hat sich der Hersteller gleich selbst angepriesen. Mitten im Bild hängt ein Werbeplakat des Verlags Reinhold Knobbe, von dem diese Karte stammt.
Süßer Fratz: Eine Postkarte für Hundeliebhaber. Deutschland, 1912.
Kopflos: Ein sehr beliebtes Postkartenmotiv zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Porträtfotografen hatten sich diesen Service ausgedacht, um das Geschäft anzukurbeln. Sie fertigten die Fotomontage gleich im Atelier an und entwickelten das Foto auf Postkartenpapier. So konnte man sein gruseliges Abbild gleich in alle Welt verschicken. Das Museum Folkwang in Essen stellt im Rahmen der Ausstellung "Frankierte Fantastereien" die skurrilsten Postkarten aus.
Zukunftsvision: Die Leipziger Messe gab sich auf dieser Postkarte aus dem Jahre 1908 progressiv. Eine Kinderbrut-Anstalt und eine Radiumverkaufshalle wurden darauf angepriesen. Außerdem gibt es im Leipzig der Zukunft Röntgenstrahlen zu kaufen; Eine Flasche für 15 Mark.
Eingesperrt: Gut möglich, dass diese Postkarte den einen oder anderen Surrealisten zu einem großen Werk inspirierte. Viele von ihnen waren schließlich Postkartensammler - zum Beispiel André Breton, Max Ernst, Salvador Dalí.
Die Anfänge von Dada: Das schrieb Collagenkünstlerin Hannah Höch zu dieser Postkarte. Die Dada-Bewegung begann offiziell zwar erst zwei Jahre später - 1916 - die absurden Strichmännchen hatten aber durchaus dadaistische Züge. Jedenfalls verweigerten sie sich jeder bisherigen Vorstellung von Kunst.
Kunterbunt: Schwarz-Weiß-Aufnahmen wurden oft mit großzügigen Farbapplikationen aufgepeppt. Diese Postkarte wurde um 1900 einem Berliner Witzblatt beigelegt.
Hund und Herrchen: Fleißiges Steuernzahlen hat diesen zwei Kreaturen nicht wirklich geholfen. Das Postkartenmotiv stammt ungefähr aus dem Jahre 1906.
Beste Grüße aus Sachsen: Wo die hübschen Mädchen auf den Bäumen wachsen. In Sachsen wuchs auch die Druckindustrie - um Leipzig und Dresden entstanden um 1900 zahlreiche Postkartendruckereien. Dieses Exemplar kam jedoch aus Berlin-Steglitz. Die Karte war ein Produkt der "Neuen Photographischen Gesellschaft".
Blumenmädchen: Fantasiepostkarte aus Deutschland, ca. 1910.