Anti-Universität - DER SPIEGEL
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Anti-Universität Ausflippen als Hauptfach

Alles ging - selbst LSD-Trips im Dienste der Wissenschaft: Die Londoner Anti-University war Ende der sechziger Jahre Epizentrum pädagogischer Experimentierfreude. Auch Peter Münder studierte voller Begeisterung an der Anarcho-Hochschule. Sein Lieblingsthema: die Sex-Therapie.
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Studentenleben: Oxford-Studenten sitzen zusammen, rauchen, trinken und diskutieren das aktuelle Geschehen. So eine lockere Atmosphäre war an der Anti-Universität nicht nur in der Freizeit geduldet, sondern auch während der Seminare hoch erwünscht!

Foto: Chris Ware/ Getty Images
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Basislager einer Bewegung: Hier in der Rivington Street 49 in einem ehemaligen Lagerhaus in Shoreditch, etablierte sich die Londoner Anti-University im Februar 1968. "Die Gründung der Anti-U ist die Antwort auf den intellektuellen Bankrott und die geistige Leere des Bildungsestablishments in Großbritannien und dem Rest der westlichen Welt. Hier sollen kreative und radikale Künstler, Aktivisten und Intellektuelle aus London, dem europäischen Kontinent, Amerika und der Dritten Welt ein Zentrum für den Austausch ihrer Ideen und Projekte haben", hieß es im Gründungsaufruf.

Foto: Peter Münder
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Ronald Laing: Der schottische Begründer der Anti-Psychiatrie im Februar 1967 während einer Diskussion über die Legalisierung von Marihuana. Laing verachtete die Freudianer und machte die "Zwangsjacke kleinbürgerlicher Familienstrukturen" für schizoide und hochneurotische Verhaltensmuster verantwortlich. Zudem propagierte er den Einsatz von LSD bei seiner neuartigen Therapie, um beim Nacherleben traumatischer Erfahrungen an deren Wurzeln zu gelangen. Seine Seminare und Vorträge hatten einen dementsprechend großen Zulauf.

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Uni mal anders: Die Mitglieder der Anti-Universität sollten eine Gebühr von fünf Pfund pro Quartal entrichten, die auch gegen Dienstleistungen (Aufräumen, Geschirrspülen) oder Naturalien verrechnet werden konnte.

Foto: Peter Münder
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Eröffnung der Anti-Universität: Im Februar 1968 öffnete die Anti-University in der Rivington Street 49 in London ihre Pforten. Studenten sollten hier in antiautoritärer und antibürgerlicher Atmosphäre allerlei Anti-Disziplinen studieren - und durften darüber hinaus auch gratis in der Anti-U wohnen.

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Kurze Studienzeit: Unterstützt wurde die Anti-Universität von der Bertrand Russell Peace Foundation, der das Gebäude in der Londoner Rivington Street gehörte. Schon Anfang 1969 wurde die Anti-U allerdings wieder geschlossen. Vielleicht war es doch nicht gelungen, die "Trennung von Theorie und Praxis" aufzuheben, wie es im Gründungsmanifest postuliert wurde?

Foto: Peter Münder
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Schockierte Studenten: Auch eines der vielen Gesprächsthemen an der Londoner Anti-University - am 17. März 1968 kam es bei einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg auf dem Londoner Grosvenor Square zu brutalen Szenen. Berittene Bobbies jagten ihre Pferde in die Menge. Mit einem derart gewalttätigen Vorgehen hatten die Aktivisten nicht gerechnet - bislang hatten die Bobbies eher das Image harmloser Pfadfinder inne.

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Verhaftung einer Demonstrantin: Das brutale Vorgehen der britischen Polizei während der Demonstration gegen den Vietnamkrieg am 17. März 1968 auf dem Londoner Grosvenor Square blieb vielen Aktivisten bis heute im Gedächtnis. An jenem Tag wurden insgesamt 200 Menschen verhaftet.

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Paul Feyerabend, der Held der Anti-University: Der anarchistische Wiener Erkenntnistheoretiker wurde durch seinen wissenschaftstheoretischen Anarchismus berühmt. Sein zentraler Leitsatz "Anything Goes" wurde ebenso wie andere seiner Thesen, etwa "Ohne Chaos keine Erkenntnis, ohne häufige Beurlaubung der Vernunft kein Fortschritt" oder "Um ein wahrer Dadaist zu sein, muss man auch Anti-Dadaist sein", an der Anti- University mit großem Eifer gelebt.

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Hand in Hand gegen den Krieg: Ende der sechziger Jahre brachen an Hochschulen Weltweit die althergebrachten Strukturen auf. Der Geist der Achtundsechziger wehte selbst durch so traditionelle Universitäten wie Harvard - hier am 8. Mai 1970 bei einer Protestveranstaltung. Ganz so locker wie an der Anti-University in London ging es in den meisten Bildungsinstituten trotzdem nicht zu.

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Rangelei mit Bobbies: britische Studenten bei der Demonstration am 17. Mai 1968 auf dem Londoner Grosvenor Square vor der US-Botschaft. Etwa 200 Aktivisten wurden an diesem Tag verhaftet.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?