Kleben für die Propaganda Pfennige für den "Antisemitische Agitationsfond"
Alltagsantisemitismus: Schnell zu verklebende Pauschalvorwürfe. Für den Antisemiten sind die Juden schlicht an allem Schuld.
Motiv mit Wasserzeichen der Sammlung Haney.
Antisemitische Klebemarken: Solche Bögen brachten antisemitische Zeitungen und Verlage in hohen Auflagen unters Volk. Mit den einzelnen Aufklebern ließen sich beispielsweise Briefe oder Türschilder bekleben.
"Liebesgaben": Gegen Pfennigbeträge gab der "Antisemitische Agitationsfond" diese Klebemarken aus - eine Spende zur Unterstützung seiner Propaganda.
Hass-Ticket: Neben Aufklebern wurden auch andere Objekte mit judenfeindlichen Parolen in Umlauf gebracht. "Fahrkarten" dieser Art waren gängigen Eisenbahntickets nachempfunden. Mit ihnen sollten im übertragenen Sinne Juden nach Palästina oder in die Sowjetunion geschickt werden - "hin und nicht wieder zurück". Die Inschrift auf der Rückseite zeugt bereits von Vernichtungswünschen gegenüber Juden: "Das Polargebiet ist im Badeanzug zu durchwandern (...) Am Ziel schießen Araber mit scharf geladenen Maschinengewehren Salut. Überfüllung Palästinas ist daher ausgeschlossen."
"Freifahrkarte nach Palästina": Dieses "Eisenbahnticket" will "Juden und Genossen (...) über Nord- oder Südpol und Wüste Gobi oder Sahara nach Palästina" schicken - "und nie zurück".
Propaganda-Recycling: Im Berliner Wahlkampf 2011 nahm die NPD diese Form der Hetze wieder auf und druckte "Flugtickets". Diesmal richtete sie sich generell gegen Migranten.
Treitschke-Zitat: Massenhaft verbreitet wurde das berüchtigte Diktum aus Heinrich von Treitschkes Aufsatz "Unsere Aussichten" von 1879. Später sollte der Satz auf dem Titelblatt des nationalsozialistischen Hetzblatts "Der Stürmer" prangen, zuvor fand die Sentenz des Professors als schnell geklebte Latrinenparole seine Verbreitung.
Der Kölner Hof ist "judenfrei": Ein Klebesiegel, mit dem das Frankfurter Hotel Ende des 19. Jahrhunderts warb.
Ansichtskarte von Nürnberg: Nach der Zerstörung der Nürnberger Synagoge im August 1938 wurde das Gebäude auf den Ansichtskarten der Stadt mit einem hämischen Reim überklebt.
"Die Nazis sind unser Unglück": Gegner des Antisemitismus versuchten, per Aufkleber die Restvernunft der Mitmenschen zu mobilisieren. Zu Beginn der dreißiger Jahre klebten sie die prophetische Antwort auf Treitschkes Zitat: "Die Juden sind unser Unglück".
Signatur im Bundesarchiv: NJ-U 415
Argumente gegen das Ressentiment: Mittels solcher Marken kämpfte die österreichische "Harand-Bewegung" gegen den Antisemitismus. Sie wurden anlässlich der nationalsozialistischen Ausstellung "Der Ewige Jude" im Deutschen Museum in München 1937 in Umlauf gebracht und sollten auf jüdische Leistungen in Wissenschaft und Kultur hinweisen.
Blaue Klebemarke: Die Vignette der "Harand-Bewegung" informiert über Albert Ballin, den Hamburger Reeder und "Bahnbrecher auf dem Gebiete der deutschen Schiffahrt, Jude" und "der einzige Deutsche, der Selbstmord aus Gram über Deutschlands Niederlage im Weltkrieg begangen hat."
Gegenwehr: Ein Aufkleber, den der "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in den zwanziger Jahren in Umlauf brachte. Der Appell an den Gelehrtenstolz der Nation der "Dichter und Denker" blieb allerdings ungehört.
Abwehrkampf: "Judenhass aus Eigennutz ist Schurkerei" - ein Appell an die Vernunft.
Die Antwort: Angesichts der teilweise grotesken Anschuldigungen der Antisemiten fand der Abwehrkampf deutliche Worte.