Antisemitische Propaganda: Krieg der Aufkleber - DER SPIEGEL
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Kleben für die Propaganda Pfennige für den "Antisemitische Agitationsfond"

"Unser Elend, Schuld der Juden." Antisemitische Hetze gab es in Deutschland nicht erst seit dem "Dritten Reich". Mit Millionen von Aufklebern wurde schon zuvor Hass verbreitet. Jüdische Organisationen ließen sich das nicht gefallen. Sie schlugen zurück - mit smarten Slogans auf eigenen Stickern.
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Alltagsantisemitismus: Schnell zu verklebende Pauschalvorwürfe. Für den Antisemiten sind die Juden schlicht an allem Schuld.

Motiv mit Wasserzeichen der Sammlung Haney.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Antisemitische Klebemarken: Solche Bögen brachten antisemitische Zeitungen und Verlage in hohen Auflagen unters Volk. Mit den einzelnen Aufklebern ließen sich beispielsweise Briefe oder Türschilder bekleben.

Foto: Zentrum für Antisemitismusforschung, Berlin
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"Liebesgaben": Gegen Pfennigbeträge gab der "Antisemitische Agitationsfond" diese Klebemarken aus - eine Spende zur Unterstützung seiner Propaganda.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Hass-Ticket: Neben Aufklebern wurden auch andere Objekte mit judenfeindlichen Parolen in Umlauf gebracht. "Fahrkarten" dieser Art waren gängigen Eisenbahntickets nachempfunden. Mit ihnen sollten im übertragenen Sinne Juden nach Palästina oder in die Sowjetunion geschickt werden - "hin und nicht wieder zurück". Die Inschrift auf der Rückseite zeugt bereits von Vernichtungswünschen gegenüber Juden: "Das Polargebiet ist im Badeanzug zu durchwandern (...) Am Ziel schießen Araber mit scharf geladenen Maschinengewehren Salut. Überfüllung Palästinas ist daher ausgeschlossen."

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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"Freifahrkarte nach Palästina": Dieses "Eisenbahnticket" will "Juden und Genossen (...) über Nord- oder Südpol und Wüste Gobi oder Sahara nach Palästina" schicken - "und nie zurück".

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Propaganda-Recycling: Im Berliner Wahlkampf 2011 nahm die NPD diese Form der Hetze wieder auf und druckte "Flugtickets". Diesmal richtete sie sich generell gegen Migranten.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Treitschke-Zitat: Massenhaft verbreitet wurde das berüchtigte Diktum aus Heinrich von Treitschkes Aufsatz "Unsere Aussichten" von 1879. Später sollte der Satz auf dem Titelblatt des nationalsozialistischen Hetzblatts "Der Stürmer" prangen, zuvor fand die Sentenz des Professors als schnell geklebte Latrinenparole seine Verbreitung.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Der Kölner Hof ist "judenfrei": Ein Klebesiegel, mit dem das Frankfurter Hotel Ende des 19. Jahrhunderts warb.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Ansichtskarte von Nürnberg: Nach der Zerstörung der Nürnberger Synagoge im August 1938 wurde das Gebäude auf den Ansichtskarten der Stadt mit einem hämischen Reim überklebt.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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"Die Nazis sind unser Unglück": Gegner des Antisemitismus versuchten, per Aufkleber die Restvernunft der Mitmenschen zu mobilisieren. Zu Beginn der dreißiger Jahre klebten sie die prophetische Antwort auf Treitschkes Zitat: "Die Juden sind unser Unglück".

Signatur im Bundesarchiv: NJ-U 415

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Argumente gegen das Ressentiment: Mittels solcher Marken kämpfte die österreichische "Harand-Bewegung" gegen den Antisemitismus. Sie wurden anlässlich der nationalsozialistischen Ausstellung "Der Ewige Jude" im Deutschen Museum in München 1937 in Umlauf gebracht und sollten auf jüdische Leistungen in Wissenschaft und Kultur hinweisen.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Blaue Klebemarke: Die Vignette der "Harand-Bewegung" informiert über Albert Ballin, den Hamburger Reeder und "Bahnbrecher auf dem Gebiete der deutschen Schiffahrt, Jude" und "der einzige Deutsche, der Selbstmord aus Gram über Deutschlands Niederlage im Weltkrieg begangen hat."

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Gegenwehr: Ein Aufkleber, den der "Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" in den zwanziger Jahren in Umlauf brachte. Der Appell an den Gelehrtenstolz der Nation der "Dichter und Denker" blieb allerdings ungehört.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Abwehrkampf: "Judenhass aus Eigennutz ist Schurkerei" - ein Appell an die Vernunft.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
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Die Antwort: Angesichts der teilweise grotesken Anschuldigungen der Antisemiten fand der Abwehrkampf deutliche Worte.

Foto: Sammlung Wolfgang Haney
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?