Architektur-Wahnsinn - DER SPIEGEL
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"Palast der Sowjets" Stalins Architektur-Träume

400 Meter hoch und ein Stahl-Lenin als Sahnehäubchen: Mit seinem "Palast der Sowjets" wollte Josef Stalin in den dreißiger Jahren das New Yorker Empire State Building übertrumpfen. Doch schon bald verkam das gigantische Prestigeprojekt zur Bauruine. Jetzt wiederholt sich die Geschichte.
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Symbol der Größe und Kraft: Gleich nach der Sprengung der Erlöserkathedrale wurde mit dem Bau des riesigen Fundaments für den "Palast der Sowjets" begonnen, bis 1937 sollte er Fertig sein. Doch der Bau blieb ein Luftschloss. Am 22. Juni 1941 überfiel Nazideutschland die Sowjetunion und stürzte das Land in einen Überlebenskampf, Projekte wie der "Palast der Sowjets" traten in den Hintergrund.

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Genug Platz im "Palast der Sowjets": Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Bauarbeiten am "Palast der Sowjets" nicht weitergeführt. Stalin, größter Befürworter des Projekts, starb 1953. Sein Nachfolger Nikita Chruschtschow zeigte kein großes Interesse für die größte Baugrube der Sowjetunion. 1959 setzte die Moskauer Stadtregierung den jahrelangen Planungen einen ungewöhnlichen Schlusspunkt. Das Fundament war aufgrund der Nähe zum Fluss Moskwa schon nicht mehr zu gebrauchen, und statt Christ-Erlöser-Kathedrale und Palast der Sowjets entstand nun ein rundes Freibad mit 130 Meter Durchmesser.

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Gigantomanie in Moskau: Um Platz für den Leuchtturm des Sozialismus zu schaffen, sprengten die Sowjets 1931 die Christ-Erlöser-Kirche in die Luft - die größte Kathedrale des Landes und Mittelpunkt des orthodoxen Lebens. Zar Alexander I. hatte ihren Bau nach dem Sieg über Napoleon 1812 initiiert. An ihrer statt sollte der "Palast der Sowjets" entstehen, mit 415 Metern das höchste Gebäude der Welt. Er hätte damit sogar den Eiffelturm und das erst 1929 fertig gestellte Empire State-Building übertrumpft.

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Gigantische Brücken für das russische Utopia: Nicht nur ein neuer Menschentypus sollte in der Sowjetunion der dreißiger Jahre geschaffen werden, auch das Aussehen der russischen Städte sollte nach sozialistischen Vorstellungen revolutioniert werden. Tausende alter Häuser wurden deswegen gesprengt - um Platz zu schaffen für ein Utopia in der Sowjetunion.

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Auf der Spitze eine Statue: An der Stelle der Christ-Erlöser-Kathedrale plante Stalin in den Dreißigern den gigantischen "Palast der Sowjets", 415 Meter hoch, gekrönt von einer 100 Meter hohen Lenin-Statue aus Aluminium oder verchromtem Stahl.

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Die Erlöserkathedrale: 1931 von Stalin gesprengt, wurde die Erlöserkathedrale in Moskau Mitt der neunziger Jahre originalgetreu wieder aufgebaut. Stalin war das größte Gotteshaus der russisch-orthodoxen Kirche ein Dorn im Auge. In Sichtweite des Kremls gelegen, nahm sie einen Platz ein, den der Diktator für seinen monumentalen "Palast der Sowjets" vorgesehen hatte.

Foto: dpa
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Abriss in Moskau: Am 1. November 1931 begannen Arbeiter mit den Abrissarbeiten an der Erlöserkathedrale in Moskau.

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Das neue Herz des Sozialismus: Die Planungen für den "Palast der Sowjets" wurden nach einem internationalen Architekturwettbewerb dem russischen Architekten Boris Jofan übertragen. Seine ersten Entwürfe waren noch zurückgenommen und modern. Bei für seinen letzten Entwurf 1934 jedoch verwandelte Jofan den Palast in einen größenwahnsinnigen, monumentalen Prunkbau, der mehr mit den späteren Plänen der faschistischen Welthauptstadt "Germania" zu tun hatte als mit der modernen, vom Bauhausstil geprägten Architektur der zwanziger Jahre.

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Stalin bei der Arbeit: Josef Stalin 1927 in seinem Büro in Moskau - er ließ sich bei der Arbeit von seinem geistigen Ziehvater Karl Marx stets auf die Finger schauen.

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Diktator Stalin: Der Despot posiert am 29. April 1932 für ein Foto. Zu dieser Zeit plante er bereits sein neues, gigantisches Moskau mit unglaublichen Prunkbauten, wovon der größte der "Palast der Sowjets" sein sollte. In der zentralen Versammlungshalle, von oben mit Tageslicht durchflutet, sollten 20.000 Menschen Platz finden, auf den oberen Etagen würden mehrere Museen und eine Bibliothek mit 500.000 Büchern den Bildungsappetit der Proletarier stillen - und Restaurants den Hunger danach.

Foto:

JAMES ABBE/ AP

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Propagandaplakat: Ein Plakat aus den dreißiger Jahren zeigt den neuen sowjetischen Menschen, wie Stalin ihn sich vorstellte - ein gesunder, aufstrebender Arbeiter.

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Glückliche Menschheit: So stellte Stalin sich die neuen, modernen - kurz, seine - Sowjetbürger vor - Bauern, Soldaten und Arbeiter, in riesigen Aufmärschen vereint, die ihm und seinem "Palast der Sowjets" huldigen sollten.

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Herrscher Stalin: So sah er sich selbst am liebsten, als gütig-väterlichen Machthaber im Glanz des von ihm neu erschaffenen Moskau. In Hintergrund dieses Propagandaplakates zu sehen: ein Hochhhaus an der Kotelnitscheskaja-Uferstraße, eines der 'Sieben Schwestern'.

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Ausflugsziel Erlöserkirche: Inzwischen ist die in Moskau wieder aufgebaute Erlöserkathedrale mit ihren prächtigen Türmen ein beliebtes Ziel von Touristen aus aller Welt.

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?