Wenger gegen Mourinho "Kranker Voyeur" vs. "dummer Mensch"
Es ist ein Duell der Trainer-Größen: José Mourinho, Coach des Premier-League-Klubs FC Chelsea, trifft am Samstag (13.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den FC Arsenal.
Dort sitzt seit über 1000 Spielen der Franzose Arsène Wenger auf der Trainerbank.
Beide Trainer sind nicht die größten Freunde, im Gegenteil: Sie gerieten in der Vergangenheit schon einige Male aneinander.
Mourinho bezeichnete Wenger (l.) in seiner ersten Amtszeit beim FC Chelsea als "krankhaften Voyeur".
In seiner zweiten Amtszeit bei dem Londoner Klub nannte er den Franzosen dann einen "Spezialisten im Verlieren".
Wenger, der eigentlich als ruhiger, besonnener Trainer bekannt ist, konterte: Mourinho sei "kaputt, respektlos, er hat den Bezug zur Realität verloren. Erfolg macht dumme Menschen manchmal noch dümmer".
Titel haben beide geholt, auch wenn Mourinho deutlich erfolgreicher war: Als Cheftrainer holte er 21 nationale Titel mit vier unterschiedlichen Klubs in Portugal, Spanien, Italien und England. Dazu holte er zweimal die Champions League und einmal den Uefa Cup.
Wenger hingegen steht für Vereinstreue, aber auch er holte Titel: Mit dem AS Monaco wurde er einmal französischer Meister und einmal Pokalsieger. Bei Arsenal, wo er in seiner 20. Spielzeit aktiv ist, holte er drei Meisterschaften, sechs FA Cups und einen englischen Supercup.
Den vorläufigen Höhepunkt erreichte der Konflikt der beiden Startrainer am 5. Oktober des vergangenen Jahres. Wenger schubste Mourinho leicht, der wehrte sich zaghaft, wich aber ein paar Schritte zurück. Wenger erklärte: "Ich wollte von A nach B und da hat sich mir jemand in den Weg gestellt, ohne mich willkommen zu heißen." Mourinho war verärgert, dass Wenger einfach so in seine Coaching-Zone eindrang.
Konsterniert schaut Wenger seinem Team zu. Im englischen Liga Cup war 2013 in der vierten Runde Schluss. Gegen den FC Chelsea gab es ein 0:2 im heimischen Stadion. Seine Bilanz gegen Mourinho sah lange düster aus, im Community Shield zu Beginn dieser Saison gab's dann aber endlich den ersten Erfolg einer Wenger-Mannschaft über den Portugiesen - im 14. Aufeinandertreffen. Später ging der Franzose Mourinho bewusst aus dem Weg, der warf dafür seine Medaille für den zweiten Platz einfach ins Publikum - ein typischer Mourinho eben.
Blick auf die Anfänge: 2004 kam Mourinho zum FC Chelsea und feierte prompt den ersten Titel mit den "Blues". Im Community Shield besiegte der Portugiese Arsenal 2:1. Didier Drogba traf doppelt. Gleich bei seiner ersten Pressekonferenz prägte Mourinho seinen Spitznamen: "Please don't call me arrogant, but I am European champion and I think I'm a special one", sagte er.
In der englischen Liga konnte sich Wenger 2004 immerhin etwas revanchieren. 2:2 endete das Duell in der Hinrunde der Saison 2004/2005. Mourinho beschwerte sich zwar wie gewohnt beim Schiedsrichter, doch das brachte nichts ein. Dafür wurden die "Blues" erstmals nach 50 Jahren wieder Meister in England - und das mit einer Rekordpunktzahl.