Irans Atomprogramm Ein Konflikt, viele Interessen
Atomanlage in Fordo: Seit knapp zehn Jahren streitet die Internationale Gemeinschaft mit Iran über seine nuklearen Ambitionen. In Istanbul kommt es nun zu einer neuen Verhandlungsrunde.
US-Präsident in der Zwickmühle: Barack Obama hofft auf seine Wiederwahl, der Konflikt mit Iran kommt ihm innenpolitisch ungelegen. Einerseits muss er Härte zeigen, um die Falken in Washington zu beruhigen. Andererseits will er einen israelischen Alleingang unbedingt verhindern.
Spieler in Teheran: Irans Präsident Ahmadinedschad nutzt den Streit mit dem Westen, um sich innenpolitisch zu profilieren. Seine Kritiker fürchten, er missbrauche die Gespräche, um einen Militärschlag gegen sein Land zu verhindern und heimlich weiter an der Bombe bauen zu können.
Ungeduldiger Premier: Israels Regierungschef Netanjahu verliert langsam die Geduld mit der iranischen Hinhaltetaktik. Seit Monaten spricht er offene Kriegsdrohungen aus, sollte das Regime in Teheran sich nicht bewegen.
Europäer mit Schlüsselfunktion: Frankreich, Großbritannien und Deutschland haben eine wichtige Rolle im Iran-Poker inne. Sie führen bei den Verhandlungen Regie. Alle drei eint: Einen Militärschlag gilt es unbedingt zu verhindern.
Chinesischer Partner: Premier Jiabao sieht in Teheran eine Macht, die um unabhängige Außenpolitik bemüht ist und die Amerikanern wie Europäern Paroli bietet. Chinesen und Iraner haben ein gemeinsames Ziel: Den Einfluss Washingtons auf den Nahen und Mittleren Osten sowie auf Zentralasien einzudämmen.
Russischer Partner: Moskau ist ein wichtiger Geschäftspartner für Iran, seit Jahren sträubt sich Russland gegen einen allzu harten Kurs gegen Teheran. Doch kann Iran nicht auf bedingungslose Rückendeckung von Präsident Putin hoffen. Zuletzt stornierte Russland Lieferverträge über Luftabwehrraketen.
Hoffnung in Ankara: Der türkische Premier Erdogan hofft als Gastgeber der Gespräche auf eine weitere Aufwertung als wichtiger Machtfaktor und Vermittler in der Region. Zum anderen hat die Türkei als Irans Nachbarland ein ureigenes Interesse daran, den Konflikt friedlich zu lösen. Ein atomar bewaffneter Iran würde das Machtverhältnis im Nahen Osten zu Ungunsten der Türkei verändern.
Guter Käufer: Indien braucht wegen seiner wachsenden Wirtschaft dringend Energie und ist auf Erdöllieferungen aus Iran angewiesen. Derzeit zählt Indien neben China zu den größten Importeuren iranischen Erdöls. Ein Interesse an einem militärischen Konflikt hat Premier Manmohan Singh nicht.