Versuchter Anschlag Verschwörung unter Offizieren
Am Vormittag des 13. März 1943 traf die "Führermaschine", eine Focke-Wulf 200 (hier ein Foto von 1938), auf dem Flugplatz bei Smolensk ein. Generalfeldmarschall Günther von Kluge hatte Adolf Hitler eingeladen - wissend, dass unter seinen Offizieren eine Verschwörung gegen den Diktator in Gange war.
Am 13. März 1943 besuchte Adolf Hitler das Hauptquartier der Heeresgruppe bei Smolensk. Zum Empfang stand ein Kavallerieregiment um Kommandeur Freiherr von Boeselager bereit - entschlossen, Hitler und sein Gefolge auf dem Weg vom Flugplatz zum Hauptquartier niederzureiten und zu erschießen. Doch da schon scheiterte der erste Mordplan: Hitler reiste in einer schwer gesicherten Kolonne zum Hauptquartier.
Henning von Tresckow, Erster Generalstabsoffizier der Heeresgruppe Mitte (Vierter von rechts), sammelte seit 1941 systematisch Hitler-Gegner um sich, darunter Georg Schulze-Büttger (Vierter von links) und Fabian von Schlabrendorff (rechts).
Ebenfalls in die Heeresgruppe Mitte versetzt worden war Rudolf-Christoph von Gersdorff. Ihm sollte es gelingen, den Sprengstoff zu besorgen, den Tresckow und Schlabrendorff in Hitlers Flugzeug deponierten.
Henning von Tresckow hatte sich von einem Anhänger Hitlers zu dessen entschiedenen Gegner entwickelt. Er war überzeugt, dass ein Machtwechsel nur mit Hitlers Tod möglich war. Für die Chance auf eine Begegnung mit ihm im März 1943 bereitete er gleich mehrere Anschlagsoptionen vor.
Teil von Tresckows Plan war die Einbeziehung seines Vorgesetzten, Generalfeldmarschalls Günther von Kluge. Doch Kluge war in seiner Haltung noch unentschlossen: So untersagte er seinen Offizieren, Hitler beim Essen zu erschießen.
Rittmeister Georg Freiherr von Boeselager, hier als Zweiter von rechts bei einer Ehrung durch Hitler in der "Wolfsschanze", hatte sich mit seinen Offizieren sofort bereitgefunden, als er von Tresckows Attentatsplänen erfuhr. Ebenso sein Bruder...
...Philipp Freiherr von Boeselager. Für den Fall, dass der Reiterangriff scheiterte, wollten die Offiziere Hitler und seine Leute gemeinsam beim Essen erschießen. Doch Generalfeldmarschall Kluge schreckte offenbar vor der Kollektivtat in seinem unmittelbaren Befehlsbereich zurück. So blieb Tresckow nur der Plan mit dem Flugzeug.
Nachdem Hitlers Absturz nicht wie geplant eingetreten war, erklärte sich Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff bereit, ihn bei einem Selbstmordanschlag mit in den Tod zu reißen. Gelegenheit dazu sollte der Heldengedenktag am 21. März 1943 im Berliner Zeughaus bieten.
Gersdorff war die Aufgabe zugefallen, Hitler nach dem Festakt durch eine Ausstellung mit Beutestücken aus dem Feldzug gegen die Sowjetunion zu führen. Auch dabei: Heinrich Himmler, Hermann Goering, Karl Doenitz und Wilhelm Keitel. Doch Hitler eilte in nur zwei Minuten durch die Ausstellung - zu schnell, als dass der auf zehn Minuten berechnete Zeitzünder an Gersdorffs Körper seine Wirkung hätte entfalten können. Alleine zu sterben ergab für ihn keinen Sinn, so brach er das Vorhaben ab.
Zurück an seinem Dienstort bei Smolensk beaufsichtigte Gersdorff die Öffnung von Massengräbern im Wald bei Katyn. Für ihn, der 1941 nicht davor scheute, seine Empörung über den systematischen deutschen Judenmord ins offizielle Kriegstagebuch zu schreiben, stand bald fest, dass im Fall von Katyn nicht Deutsche verantwortlich waren. Der sowjetische Geheimdienst hatte im Frühjahr 1940 mehr als 20.000 kriegsgefangene polnische Offiziere, Polizisten und Zivilisten ermordet. Die Nazis nutzten den Fund für antikommunistische Propaganda, Stalin wiederum beschuldigte die Deutschen des Verbrechens.
Die Verschwörer gegen Hitler gaben nicht auf: Am 20. Juli 1944 detonierte ein Sprengsatz im Führerhauptquartier bei Rastenburg und zerstörte die Karten-Baracke in der "Wolfsschanze" - Hitler aber überlebte den von Claus Schenk Graf von Stauffenberg verübten Anschlag.
In der Folge wurden Stauffenberg und die überwiegende Zahl der Beteiligten hingerichtet. Der Volksgerichtshof fällte die Todesurteile etwa gegen Eugen Bolz (stehend). Während des Prozesses ebenfalls als Angeklagte zwischen den sie bewachenden Polizeibeamten: Franz Kempner, hingerichtet am 5. März 1945, Andreas Hermes, den die Eroberung Berlins durch die sowjetischen Truppen vor der Urteilsvollstreckung bewahrte, - und Fabian von Schlabrendorff.
Am Tag von Schlabrendorffs Verhandlung zerstörte ein schwerer US-Bombenangriff den Volksgerichtshof in Berlin - der Vorfall, bei dem Gerichtspräsident Roland Freisler zu Tode kam und Schlabrendorffs Akte verschwand, rettete ihm das Leben.
Henning von Tresckow hingegen sah keine Chance, den Häschern der Gestapo, Folter und Tod zu entgehen. Der Mann, der anfangs ein Anhänger Hitlers war (hier mit einer HJ-Gruppe) und dann sein entschlossener Gegner, tötete sich am Tag nach dem missglückten Stauffenberg-Attentat selbst.
Rudolf-Christoph von Gersdorff wurde nie verraten. Die Aufnahme von 1952 zeigt ihn beim Sichten von Beweismaterial für die Amerikaner: Fotos britischer und amerikanischer Kriegsgefangener, die als Zeugen zu einem Massengrab nach Katyn gebracht worden waren. Gersdorff gehörte nach dem Krieg zu einer Gruppe hoher Offiziere der Wehrmacht, die in amerikanischer Kriegsgefangenschaft an einer Rekonstruktion der Geschichte des Zweiten Weltkriegs arbeiteten.
Fabian von Schlabrendorff gehörte nach dem Krieg zum Beraterstab des US-Geheimdienstes während der Nürnberger Hauptkriegsverbrecher-Prozesse. Das Foto zeigt ihn 1967 bei einer Rede zum 20. Juli 1944 an der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.
Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff wäre nach dem Krieg gern in die Bundeswehr aufgenommen worden. Doch er scheiterte und vermutete dahinter einen Kreis ehemaliger Wehrmachtsoffiziere, die in ihm einen Verräter sähen. 1952 wurde er Gründungspräsident der Johanniter-Unfall-Hilfe.
Philipp Freiherr von Boeselager im Jahr 2007 bei der Besichtigung des ehemaligen Führerhauptquartiers im heutigen Ketrzyn in Polen, ehemals Rastenburg. Trotz seiner Mitwirkung am Attentat vom 20. Juli 1944 blieb er unbehelligt, da ihn niemand verriet. Sein Bruder Georg fiel am 27. August 1944 an der Front.