Auftragssprüher: Ihre SMS auf israelischen Grenzmauer - DER SPIEGEL
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Auftragssprüher Ihre SMS auf israelischen Grenzmauer

Selbstmordanschläge, Bagger-Attacken und Kassam-Raketen - zu palästinensischem Widerstand gegen Israel fällt den meisten nur Terror ein. Doch es gibt auch gewaltfreien Protest. Wie zwei junge Palästinenser die Sperrmauer zwischen Israel und dem Westjordanland in Akkord-Arbeit verzieren.
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"We dream the same dream..."

Yousef steht vor einer Nachricht, die er gerade gesprayt hat. Es ist nicht seine Botschaft - irgendwo auf der Welt hat jemand 30 Euro an ihn und seinen Kumpel Faris überwiesen, damit er diesen Text auf die Grenzmauer zwischen Israel und Palästina schreibt. Für den Käufer ist es ein Gag - für die Palästieneser ist es gewaltloser Protest. Mehr...

Foto: Christian Salewski
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Auf seinem Zettel hat Yousef die aktuellen Aufträge dabei und bringt einen nach dem anderen auf die Grenzmauer. Sechs Kiloemter hat er schon besprüht, ...

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... und einige hundert Kilometer sind noch frei. Faris Arouri (rechts) dokumentiert jeden Spruch, der Auftraggeber erhält davon ein Bild per Mail.

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Yousef Najimeddien sprüht viele politische Botschaften, aber auch Verlobungsanzeigen und Sprüche wie: "In meinem früheren Leben war ich die Berliner Mauer. Dort war das Bier besser."

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Wunschfarben gibt es bislang nicht, Yousef schreibt solange in Blau, ...

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... bis die Dose leer ist. Dann kommt Schwarz dran.

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Wer so viel im Akkord und auf Bestellung schreibt, braucht öfter mal eine Zigarettenpause.

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Reicht die Farbe, kommt die Polizei? Yousef und Faris überlegen, wie viele Nachrichten sie heute noch an die Grenzmauer sprühen sollen.

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Nach der Besprechung ziehen die beiden weiter. Als Jugendliche haben auch sie Israelis in Uniform mit Steinen beworfen. Aber Gewalt bringt nichts, finden die beiden. Das Geld für ihre Auftragstexte geht an ein Jugendzentrum in der Stadt Birzeit.

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Arbeitsteilung: Yousef sprayt, Faris fotografiert.

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"This wall is a sign of human failure"

Weil die Israelis sich gegen Selbstmordanschläge nicht zu helfen wussten, bauten sie seit 2006 die Wand, die sie Schutzwall nennen. Bei den Palästinensern heißt sie Apartheid-Wall.

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Traum der Sprayer: Mit der Dose Mauern zum Bröckeln bringen - hier der Abschnitt bei Betlehem.

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Von wegen Short Message Service: Hunderte Meter lang ziehen sich die Nachrichten, die Yousef und Faris auf die Grenzmauer sprühen.

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Durchlässe sind rar: Hier der Eingang zum Checkpoint Betlehem.

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Nicht nur in Deutschland werden da Erinnerungen wach: Kilometerweit glatter Beton, gut ausgeleuchtet und bewehrt mit einer Krone aus Stacheldraht - das gab es auch ...

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... an der Berliner Mauer. Künstler weisen gern auf diese Parallele hin.

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So hässlich das Bollwerk ist, für Israel erfüllt es seinen Zweck: Die Zahl der Selbstmordattentate sinkt.

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Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?