Aus dem Hinterhalt Attentate auf Politiker
"Sic semper tyrannis", soll der Schauspieler John Wilkes Booth gebrülllt haben, nachdem er am 14. April 1865 den amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln im New Yorker Fords' Theatre mit einem Schuss in den Hinterkopf tödlich verletzt hatte und von der Loge auf die Bühne sprang. Wenige Stunden später starb Lincoln. Booth, ein Südstaaten-Sympathisant, der in Lincoln den Hauptverantwortlichen für den Bürgerkrieg und die Sklavenbefreiung sah, starb auf der Flucht. Seine Komplizen wurden gehenkt.
Fast 100 Jahre später, am 22. November 1963, wurde US-Präsident John F. Kennedy in Dallas erschossen. Beim Attentäter soll es sich um Lee Harvey Oswald gehandelt haben, der jedoch selbst erschossen wurde, bevor es zu einer Gerichtsverhandlung kam. Der Mord an Kennedy bedient bis heute immer neue Verschwörungstheorien.
Um die Schauspielerin Jodie Foster zu beeindrucken, plante der Texaner John Hinckley Anfang der achtziger Jahre ein Attentat auf US-Präsident Ronald Reagan. Am 30. März 1981 schoss Hinckley mit einem Röhm-RG-14-Revolver vor dem Hilton Hotel in Washington D.C. sechsmal auf Reagan. Der wurde nicht direkt getroffen, aber ein vom kugelsicheren Fenster seiner Limousine abgeprallter Querschläger verletzte seinen linken Lungenflügel. Bei dem Attentat wurden der Pressesprecher James Brady durch einen Schuss ins Gehirn schwer und die Sicherheitskräfte Thomas Delehanty und Timothy McCarthy leichter verletzt. Hinckley befindet sich heute in Sicherheitsverwahrung in einem US-Krankenhaus.
Helfer bemühen sich am 25. April 1990 um den damaligen saarländischen Ministerpräsidenten und SPD-Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Stadthalle von Köln-Mühlheim war er von der damals 42-jährigen Arzthelferin Adelheid Streidel lebengefährlich verletzt worden. Ihr Messer hatte sie in einem Blumenstrauss versteckt. Streidel lebt seither in der Psychiatrie.
Fünf Wochen nach dem Attentat, das ein psychisch kranker Mann am 12. Oktober 1990 auf ihn verübt hatte, zeigt sich der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bei einer Pressekonferenz. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im badischen Oppenau hatte der Täter von hinten drei Schüsse aus einem Revolver auf Schäuble abgegeben. Er ist seither querschnittsgelähmt.
Matthias Schipke, damals Juso-Chef in Halle, bewarf am 11. Mai 1991 den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl mit Eiern. Er wurde verhaftet, blieb aber straffrei. Kohl, der erst wütend auf Schipke zugestürmt war, erstattete später keine Anzeige.
Auf einem Sonderparteitag berieten die Grünen am 13. Mai 1999 in der Bielefelder Seidensticker-Halle über den Kosovo-Krieg. Der damalige Außenminister Joschka Fischer warb leidenschaftlich für den NATO-Einsatz - der linksautonome Samir F. warf mit einem Farbbeutel nach Fischer, der einen Trommelfell-Riss am rechten Ohr erlitt.
Am 20. September 2002 schlägt ein Rechtsradikaler den Grünen Abgeordneten Hans-Christian Ströbele in Berlin mit einer Eisenstange, der Politiker erleidet eine Gehirnerschütterung Das Foto zeigt ihn zwei Tage später während einer Wahlparty, gestützt von Claudia Roth.
Am 14. Dezember 2008 warf der irakische TV-Journalist Muntaser al-Saidi zwei Schuhe auf den US-Präsident George W. Bush - und wurde danach wie ein Held gefeiert. Er sitzt seitdem in Haft.
Silvio Berlusconi blutet aus Wunden im Gesicht. Am 13. Dezember 2009 warf ein offenbar geistig verwirrter Mann mit einer Miniatur des Mailänder Doms nach dem italienischen Staatspräsidenten. Der trug einen Bruch der Nasenscheidewand und mehrere Gesichtsverletzungen davon.