Auschwitz-Zeichnungen Skizzen des Schreckens
Endstation "Judenrampe": Jüdische Männer, Frauen und ihre Kinder kommen mit dem Zug an der sogenannten Alten Judenrampe an, die etwa zwei Kilometer von den Gaskammern entfernt war.
Auffallend ist, dass die Ankömmlinge elegant gekleidet und physisch scheinbar in guter Verfassung sind. Das lässt vermuten, dass die Fahrt ins Vernichtungslager nicht so lange gedauert hat, dass sie sichtbar geschwächt wurden. Der kleine Junge im Matrosenanzug vorne links, der an der Hand seines Vaters geht, ist auch im nächsten Bild zu sehen.
Selektion an der Rampe: Ein SS-Arzt teilt die Ankömmlinge in zwei Kategorien ein - in die Arbeitstauglichen und die Arbeitsunfähigen. Der etwa vierjährige Junge vom vorherigen Bild wird hier gewaltsam von seinem Vater getrennt. Kleine Kinder, kranke und alte Menschen wurden unmittelbar nach ihrer Ankunft in Auschwitz zu den Gaskammern abtransportiert - im Bildhintergrund links zu sehen. Die "Arbeitstauglichen" bilden die Gruppe rechts.
"Ausgesondert": Häftlinge, die zu schwach zum Arbeiten waren, wurden mit dem "Sanka", wie die mit einem roten Kreuz gekennzeichneten Wagen im Lager-Jargon genannt wurden, in den Häftlingskrankenbau (HKB) des Stammlagers Auschwitz gebracht. Dort angekommen wurden sie per Giftspritze ins Herz getötet.
Der uniformierte Mann in der Bildmitte, der einen nackten Gefangenen am Arm packt, leitete den HKB - wie an der Armbinde zu erkennen. Die Überlebenschancen solcher Funktionshäftlinge standen deutlich besser, da sie, anders als die übrigen Insassen, zahlreiche Privilegien genossen.
Haus des Todes: Ein Mann, vermutlich Mitglied des sogenannten Sonderkommandos, lädt Leichen vor dem Krematorium ab. Davor raucht ein uniformierter KZ-Aufseher mit unbewegter Miene eine Zigarette. Der rechte Gebäudeteil mit den zwei Türen und den drei kleinen Fenstern beherbergte die Gaskammern. Nicht dargestellt sind auf dieser Zeichnung die Leichenhalle und der Raum, in dem sich die Gefangenen entkleiden mussten.
Zu Schwache in die Gaskammern: Hier hielt der unbekannte Künstler eine Szene vor dem Häftlingskrankenbau in Auschwitz-Birkenau fest. Zu schwache "Patienten", unter ihnen die Person auf der Bahre, wurden auf den Laster verfrachtet, der sie zu den Gaskammern brachte. In Block 8 (rechts) waren jene untergebracht, bei denen noch eine Chance auf Genesung bestand. Im Block 7 gegenüber vegetierten die von Hunger, Arbeit und Krankheit völlig ausgezehrten, dem sicheren Tod geweihten Gefangenen vor sich hin.
Lagerhierarchie: Ein "Kapo" (links) verprügelt einen Mithäftling, der rückwärts ins Wasser fällt und nach Luft schnappt. Ein kräftiger Vorarbeiter steht dem brutalen Mann zur Seite. Die sogenannten Kapos waren von der SS mit der Leitung des Konzentrationslagers beauftragt worden. Sie wurden oftmals aus dem Kreis der inhaftierten SA-Männer, Kriminellen und Fremdenlegionären rekrutiert.
Brutale Machtdemonstration: Die Aufgabe der "Kapos" war es, die anderen KZ-Insassen unter Kontrolle zu halten - es stand ihnen frei, Ungehorsame gewaltsam zu bestrafen oder sogar zu töten (linke Skizze). Für ihre grausamen Dienste wurden "Kapos" vom SS-Personal etwa mit Alkohol, aber auch zusätzlichem Essen belohnt, wie in der rechten Skizze dargestellt ist. Im Hintergrund stehen Häftlinge Schlange - vermutlich für ihre tägliche Suppenration.
Minuten vor der Exekution: Rechts sind die "ausgesonderten" Männer, Frauen und Kinder zu sehen, die - noch mit dem Koffer in der Hand - nach ihrer Ankunft in Auschwitz-Birkenau sofort zu den Gaskammern gebracht wurden. Auf der linken Zeichnung sind die zum Tode verurteilten Häftlinge - nur mit einem weißen, kurzen Hemd bekleidet - aus dem Krankenbau abgebildet.
"Boger-Schaukel": Ein Häftling ist mit den Kniekehlen an einer Stange aufgehängt, seine Hände und Füße sind gefesselt. Hinter ihm steht ein SS-Mann, der mit einem Ochsenziemer auf seinen Rücken einprügelt. Wilhelm Boger, Mitarbeiter der "politischen Abteilung" im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, hatte diese Foltermethode zur Bestrafung von Häftlingen eingeführt - viele der so Gequälten überlebten die "Boger-Schaukel" nicht.
Alltägliches Morden: Auf dem Dach einer Hausruine steht ein Gefangener, der möglicherweise eine Flucht aus dem Lager gewagt hatte. Zwei SS-Männer haben ihn erwischt und fordern ihn nun auf herunterzusteigen - das Gewehr auf ihn gerichtet. Das rechte Bild zeigt zwei Kapos, die einen Mithäftling erhängt haben. Vermutlich ereignete sich diese Szene in einer Barracke des Häftlingskrankenbaus im Sektor BIIf.