Ausgestorbene Berufe: Die Wiedergänger - DER SPIEGEL
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Ausgestorbene Berufe Die Wiedergänger

Laternenanzünder, Kaffeeschnüffler oder Garteneremiten - Leute mit längst vergessen geglaubten Jobs sind noch immer unter uns. Sie heißen nur anders. Schauen Sie mal, dann sehen Sie schon.
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Ein wollenes Gewand, zotteliges Haar, wirrer Bart - der Job des Schmuckeremiten war definitiv etwas für Sonderlinge. Im 18. und 19. Jahrhundert zierten die bezahlten Einsiedler britische Landschaftsgärten. Stattliche 700 Pfund konnte verdienen, wer sich verpflichtete, sieben Jahre lang nicht mit dem Personal zu reden, den Park nicht zu verlassen und meist unauffällig in seiner Eremitage zu bleiben.

Foto: Simon Koy
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Heute sind die Dienstperioden auf vier Jahre beschränkt, aber ansonsten kommt man mit ähnlichen Qualifikationen auch als Hinterbänkler im Bundestag durch.

Foto: Rainer Jensen/ dpa
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Zwar wurden schon in den zwanziger Jahren viele städtische Straßenbeleuchtungen auf Fernzündung umgestellt. Damit war der Beruf des Gaslaternenanzünders passé - theoretisch. Aber nur in der Theorie ging wirklich allen Lampen gleich ein Licht auf. Also fuhr der Nachzünder herum und half nach, wo es nicht geklappt hatte. Ein klassischer Zweitjob.

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Genau wie der des Nachhilfelehrers, der heute dafür sorgt, dass Spätzünder noch den Anschluss schaffen.

Foto: Friso Gentsch/ picture-alliance/ dpa
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Kaffeeriecher schnüffelten ab 1781 im Auftrag Friedrichs des Großen in preußischen Kommunen herum. Ihre Aufgabe: festzustellen, ob jemand heimlich geschmuggelte Kaffeebohnen röstete. Das durfte ­nämlich nur, wer eine teure staatliche Lizenz er­worben hatte. Die Regierung wollte die Einnahmen; sie wollte aber auch den heimischen Malzkaffee ­schützen. Also ließ man nach privaten Röstern schnüffeln.

Foto: Z5328 Jens Wolf/ dpa
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Wer so etwas gern macht, wird heute einfach Abmahnanwalt.

Foto: Andrea Warnecke/ picture alliance / dpa
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Laut grimmschem Wörterbuch waren Milchmädchen dafür zuständig, die Milch zu besorgen und "feil zu haben". Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Schon lange vor Erscheinen des grimmschen Großwerks schilderte der fabelhafte Jean de la Fontaine im 17. Jahrhundert das Tun des Milchmädchens Perrette: Auf dem Weg zum Markt rechnet es aus, was es sich alles vom Verkauf der Milch wird leisten können, hüpft vor Vorfreude und verschüttet die Milch. Aus der Traum. Das Geschäftsmodell von Perrette basierte also auf einer finanziell hochriskanten Spekulation, es platzte durch eine fatale Kombination aus Gier und Doofheit.

Foto: London Express/ Getty Images
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Perrette handelte allerdings auf eigene Rechnung. Da ist manch Vermögensberater deutlich weiter: Wenn die Milch am Boden liegt, bleibt ihm immer noch der Bonus.

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa
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An Fürstenhöfen gab es früher das Amt des Vorkosters. Das war auch sinnvoll, denn in manchen Kreisen gehörte der gepflegte Giftmord schon fast zur Folklore. Zwischen Genuss und Genießer wurde daher sicherheitshalber eine Kontrollinstanz geschaltet.

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Nichts anderes tun heute FSK-Prüfer: Ohne ihre sorgfältige Freigabe erreicht selbst "Lars, der kleine Eisbär" kein minderjähriges Publikum - schließlich gilt es auszuschließen, dass sich darin traumatisierende "Stirb langsam, kleiner Eisbär"-Szenen verbergen.

Foto: Roland Holschneider/ picture-alliance/ dpa
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