Auswärtiges Amt Diplomaten der "Endlösung"
Hitlers Diplomaten: Horst Wagner (M.) war ab April 1943 als Leiter der Gruppe Inland II im Auswärtigen Amt zuständig für "Antijüdische Auslandsaktionen". Von ihm stammte die Idee zu einer gemeinsamen Konferenz von Auswärtigem Amt und SS zur Koordiniserung bei der Umsetzung der "Endlösung". Die Tagung fand im April 1944 in Krummhübel im Riesengebirge statt. Die Aufnahme zeigt Wagner mit seinem Mentor Joachim von Ribbentrop (2.v.r.), dem späteren Reichsaußenminister, und Adolf Hitler (r.) im Jahr 1938. Links im Bild Otto Meissner, Leiter der Präsidialkanzlei des "Führers und Reichskanzlers".
Eberhard von Thadden: Der "Judenreferent" des Auswärtigen Amtes forderte Anfang 1943 auf einer Tagung im schlesischen Krummhübel von seinen aus ganz Europa angereisten AA-Kollegen, laufend nach Berlin zu berichten, wie "verschärfte Maßnahmen gegen das Judentum" durchgeführt werden könnten. Seinen detaillierten Bericht über den Stand der "antijüdischen Exekutivmaßnahmen" ließ er sicherheitshalber nicht in das Protokoll aufnehmen.
Ferienort Krummhübel: In Krummhübel am Fuße der Schneekoppe befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein Ausweichquartier des Auswärtigen Amtes. In einem requirierten Skihotel tagten hier am 3. und 4. April 1944 die für "Judenfragen" zuständigen Referenten aus deutschen Auslandsmissionen in ganz Europa, um über die effektivere Umsetzung der "Endlösung" zu beraten.
Postkarte von Krummhübel: Schon der Schriftsteller Theodor Fontane verbrachte in dem idyllischen Riesengebirgs-Städtchen im 19. Jahrhundert mehrere Sommer. Im Zweiten Weltkrieg richtete hier das Auswärtigen Amt (AA) eine Ausweichstelle ein. Weil SS-Chef Heinrich Himmler verhindern wollte, dass bei einem "Unglücksfall nicht alle Spezialisten gleichzeitig verloren gehen", fand hier Anfang April 1944 eine Konferenz der "Judenreferenten" des AA statt. Seit 1945 gehört Krummhübel zu Polen, heute heisst es Karpacz.
Eichmann in Uniform: Eigentlich sollte auch SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der Hauptorganisator des Holocaust im Reichssicherheitshauptamt, zu der "judenpolitischen" Tagung des Auswärtigen Amtes im schlesischen Krummhübel Anfang April 1944 kommen. Doch die SS sagte die Teilnahme ihrer "Judenreferenten" kurzfristig ab, weil zur gleichen Zeit die Deportation der bis dahin verschont gebliebenen ungarischen Juden anlief.
Schlagzeile des "Aufbau": Im Sommer 1942 drangen immer mehr und zunehmend genauere Berichte über deutsche Greueltaten an den Juden an die internationale Öffentlichkeit. In seiner Ausgabe vom 3. Juli 1942 berichtete das deutschsprachige New Yorker Emigrantenblatt "Aufbau", mehr als ein Drittel der jüdischstämmigen Bevölkerung Polens sei bereits von den Nazis ermordet worden, zum Teil in mobilen Gaskammern. Drei Wochen nach diesem Artikel fand im New Yorker Madison Square Garden eine Großdemonstration gegen die deutschen Verbrechen statt, bei der auch Vizepräsident Henry A. Wallace und die amerikanische First Lady Eleanor Roosevelt auftraten.