Logistikchef in Vietnam Keine Angst vorm Hundebraten
So schön bunt hier: Seit 18 Jahren lebt Jürgen Braunbach in Vietnam. Er leitet die Niederlassung des deutschen Logistikkonzerns DB Schenker in Ho-Tschi-Minh-Stadt. Obwohl er schon so lange dort lebt, wird er immer wieder von Kollegen oder Nachbarn überrascht - und wundert sich etwa, warum auf einmal eine Schale Wasser auf seinem Schreibtisch steht. mehr...
Hallo, Nemo: Zum Einzug ins neue Büro in Ho-Tschi-Minh-Stadt schaute ein Feng-Shui-Experte bei Braunbach und seinem Team vorbei. Anhand der Geburtsdaten errechnete er für jeden Mitarbeiter den idealen Arbeitsplatz. Braunbach testierte er eine Wasser-Unterversorgung. Seither steht direkt vor seinem Schreibtisch ein großes Aquarium mit Clownfischen.
Wasser für den Chef: Jürgen Braunbach ist froh, dass er sich um die Fische nicht selbst zu kümmern braucht. In Vietnam gibt es eigene Aquariumpfleger, die von Büro zu Büro fahren, die Fische füttern, das Wasser wechseln und auch neue Fische besorgen, wenn mal einer stirbt.
Herzlich willkommen: Als Braunbach 1994 die Leitung des Büros von Schenker in Ho-Tschi-Minh-Stadt übernahm, arbeiteten dort drei Mitarbeiter, jetzt sind es mehr als 500. Seit 2002 gehört der Logistikkonzern zur Deutschen Bahn.
Schuhe für alle: Als Braunbach vor 18 Jahren nach Vietnam kam, galt das Land vor allem als billiger Produktionsstandort, etwa für Schuhe und Textilien. Das ändere sich langsam, sagt Braunbach: "Vietnam entwickelt sich mehr und mehr zu einem Outsourcingstandort für Qualitätsarbeit." Das Foto stammt aus dem Jahr 2007. In diesem Jahr trat Vietnam der Welthandelsorganisation bei.
Wachsen heißt bauen: Der Beitritt zur Welthandelsorganisation brachte Vietnam wirtschaftlichen Aufschwung - den man auch an zahlreichen Baustellen erkennen kann. "Das bedeutet aber auch, dass die Preise deutlich gestiegen sind", sagt Braunbach.
Mahlzeit: Vor exotischen Zutaten wie etwa Hundefleisch brauche man sich in Vietnam nicht zu fürchten, sagt Braunbach: "Das ist eine Subkultur. Neun von zehn Vietnamesen essen das auch nicht."
Balance halten: "Die Vietnamesen sind sehr freundlich zu Fremden", sagt Braunbach. Leider seien sie aber relativ Geräusch unempfindlich: Mitten in der Nacht ein Loch in die Wand bohren oder die Waschmaschine anstellen, ist normal. "Für einen doch eher auf Ruhe fokussierten Deutschen ist das nicht immer leicht zu ertragen", so der Logistikchef.
Wirrwarr: Unterschätzt hat der studierte Sinologe die Sprache: "Im Chinesischen gibt es vier Töne, im Vietnamesischen sechs. Das macht es sehr schwer - und ich muss ja nebenbei auch noch arbeiten." Nach drei Versuchen hat er vorest aufgegeben.