Autorennen 1894 Mit Dampf über den Kartoffelacker
Ankunft in Paris: Beim ersten reinen Geschwindigkeitsrennen, dem Wettbewerb Paris-Bordeaux-Paris über 1175 Kilometer, siegte der französische Ingenieur Emile Levassor - er kam nach 48 Stunden und 48 Minuten in Paris an. An der Porte Maillot schwenkten ihm zu Ehren eine Menge begeisterter Autofans ihre Hüte.
Daimler AG
Schnellster Verlierer: Obwohl das Dampfgefährt des Franzosen Albert Jules Graf de Dion beim Wettbewerb 1894 als erstes Auto ins Ziel rollte, ging es nicht als Sieger aus dem Rennen hervor. Der Grund: Der dampfbetriebene Wagen entsprach nicht den Wettkampfkriterien - er war zu schwierig zu manövrieren und zudem im Betrieb viel teurer als die Benziner. Für den Grafen war die Niederlage von 1894 eine nicht hinzunehmende Schmach. Er setzte alles daran, ein reines Geschwindigkeitsrennen ins Leben zu rufen. Es fand ein Jahr später, im Juni 1895, statt. Graf de Dion ging erneut mit seinem Dampfgefährt an den Start, konnte sich aber nicht gegen die benzinbetriebene Konkurrenz durchsetzen.
Schnauzbärtige Sieger: Die Startnummer 8 trug dieser viersitzige 7,5-PS-Daimler, der beim zweiten deutschen Autorennen (Berlin-Leipzig-Berlin) im Mai 1898 teilnahm. Am Steuer saß Friedrich Greiner - mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,3 Stundenkilometern ging er als Sieger aus dem Rennen hervor.
Schneerennen: Bei Minusgraden und Schneefall fand am Thanksgiving-Tag (28. November) 1895 das Autorennen von Chicago nach Evanston (Illinois) und zurück, statt. Die vereiste Strecke bewältigten nur zwei der insgesamt sechs Teilnehmer - der schnellste von ihnen brauchte für die 80 Kilometer sieben Stunden und 53 Minuten. Wenige Wochen zuvor...
...fand am 2. November 1895 bereits ein Autorennen in den USA (Chicago-Vaukegan-Chicago) statt. Das Siegerpreisgeld von 500 Dollar ging an Oskar Müller und seinen Müller-Benz - er erreichte als Erster und Einziger das Ziel.
Gemächlicher Contest: Beim Autorennen 1894 (das Foto zeigt einen Panhard-Levassor mit in Lizenz gefertigtem Daimler-Motor) war keine allzu große Eile angesagt - das 90-minütige Mittagessen wurde auf halber Strecke, in Mantes, eingenommen. Von den...
...102 Autos, die sich um eine Teilnahme bewarben, schafften nur 21 die technische Vorkontrolle. An den Start gingen dampfbetriebene Wagen wie etwa dieses viersitzige Modell des französischen Herstellers De Dion-Bouton...
...oder dieser Sechssitzer der Marke Serpollet mit der Startnummer 44. Der Phaeton von...
...Panhard-Levassor mit der Startnummer 15 ging als fünfter Wagen ins Ziel. Für die Strecke von 126 Kilometern benötigte die Maschine - inklusive eines ausgedehnten französischen Mittagessens - sieben Stunden und 43 Minuten. Konkurrent Auguste Doriot wiederum,...
...der mit einem Peugeot und der Nummer 28 an den Start ging, rollte als Dritter ins Ziel.
Lieferwagen am Start: Beim Contest von 1894 waren auch kommerzielle Fahrzeuge zugelassen - so etwa dieser mit Dampf betriebene französische Lieferwagen des Pariser Betriebs Belle Jardinière.
"Ausschaltung des Pferdes": Das Cover des "Petit Journal" vom 6. August 1894. Pierre Griffard, der Chefredakteur der Pariser Zeitung, hatte alle Autofans zur Teilnahme am Rennen Paris-Rouen 1894 aufgerufen und ein flammendes Plädoyer für das Automobil verfasst: "Das 'Petit Journal' hat es unternommen,...
...diese neue, diese revolutionäre Art menschlicher Fortbewegung, die Ausschaltung des Pferdes, mit allen Mitteln zu fördern." Die Zeichnung von Hans Liska aus dem Jahr 1960 zeigt den französischen Ingenieur Emile Roger auf einem 3-PS-Benz. Roger rollte 1894 als 14. ins Ziel ein.
Daimler AG
Vater und Sohn: Paul Daimler kutschiert seinen Vater Gottlieb in dem ersten vierrädrigen, in Stuttgart gefertigten Daimler. Vater und Sohn waren im Juli 1894 nach Frankreich gereist, um beim Auto-Contest Paris-Rouen dabei zu sein.
Sensation Lenkrad: Die Startnummer 24 trug das Gefährt des französischen Ingenieurs Alfred Vacheron, der als elfter Teilnehmer ans Ziel gelangte. Vacheron gilt als Erfinder des Lenkrads - eigens für das Rennen hatte er diesen 4-PS-Panhard mit einem Lenkrad ausgestattet. Alle anderen Automobilisten mussten mit einer Art Steuerschwengel vorliebnehmen.
Pechnummer 13: Ein Roger-Benz beim Rennen Paris-Bordeaux-Paris 1895. Der Wagen mit der Startnummer 13 war nicht schnell genug - er fuhr nur auf Platz acht.
Herz aus Stuttgart: Als einer der Sieger ging dieser Panhard-Levassor-Wagen aus dem Rennen Paris-Rouen von 1894 hervor. Das französische Auto war mit einem 4-PS-Daimler-Motor ausgestattet. Auch wenn die Stuttgarter noch nicht mit eigenen Autos an den Start gegangen waren,...
...so konnten sie den 22. Juli 1894 doch als Freudentag feiern: Von den 17 Autos, die an diesem Tag das Ziel erreichten, waren neun mit Daimler-Motoren versehen - so auch dieser Panhard-Levassor.
Grimmige Sieger: Der Peugeot von Rennfahrer Albert Lemaître, mit dem der Franzose 1894 als Zweiter ins Ziel kam, bekam den ersten Preis. Sein Wagen hatte am besten die Wettbewerbskriterien erfüllt: "Sicherheit, Bequemlichkeit und geringe Kosten", so hatte es das "Petit Journal" gefordert.