Bademode: Anziehen, ausziehen - was denn jetzt? - DER SPIEGEL
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Geschichte der Bademode Anziehen, ausziehen - was denn jetzt?

Sommer, Sonne, Strand. Aber auf keinen Fall im Burkini. Wer zu wenig Haut zeigt, muss in Frankreich jetzt Strafe zahlen. Der Zank um züchtige Badekleidung ist uralt. Nur ging es einst um zu viel Haut.
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Millimeterarbeit: Sittenwächter kontrollierten einst akribisch, ob die Grenzen des "guten Geschmacks" überschritten wurden. Wie dieser Ordnungshüter, der 1922 im US-Distrikt Washington D.C. mit einem Maßband prüfte, wie weit der Abstand zwischen Frauenknie und dem Saum des Badeanzugs war.

Foto: Shorpy.com
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Züchtig: Nackte Haut zu zeigen, das war an Stränden und in Badeanstalten zu Beginn des 20. Jahrhunderts verpönt. Männer zwängten sich in Schwimmanzüge, für Frauen war oft Ganzkörperbedeckung angesagt. Diese mobilen Stofftonnen sollten der Damenwelt in den Zwanzigerjahren das diskrete Umziehen ermöglichen - damit männliche Badegäste keinen Blick erhaschen konnten.

Foto: Getty Images
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Strenge Regeln: Bloß kein Bein zeigen - lange mussten Frauen sogar Füße und Waden mit Schuhen und Strümpfen verhüllen; deren Anblick galt als anstößig. Allerdings durften auch Männer nicht allzu viel zeigen. Haare zum Beispiel. "Wir wollen keine Gorillas am Strand!", forderten die Stadtväter 1936 im Touristenparadies Atlantic City. Der Anblick behaarter Männerbrüste hatte dort am Strand für Unmut gesorgt. Daher sollten sich auch die Herren von Hals bis Schenkeln bedecken.

Foto: Getty Images/ Underwood Archives
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Hüllenlos: Erst recht verboten war Nacktbaden, wie es diese Jungs Mitte der Zwanzigerjahre im Londoner Hyde Park taten. Das galt sowohl in Großbritannien als auch in Preußen. In dem deutschen Teilstaat wurde das Nacktbaden in der Öffentlichkeit 1932 untersagt.

Foto: Reg Speller/ Getty Images
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Pionierin: Schon früh rebellierten Frauen gegen den Zwang zur Ganzkörperbekleidung. Annette Kellermann wurde 1907 am Strand von Boston in den USA verhaftet. Die australische Wettkampfschwimmerin und Schauspielerin trug einen hautengen, einteiligen Badeanzug, der viel Bein und Arm zeigte. Das galt als zu anstößig.

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Reihenhaus: Badewagen sollten ebenfalls lange Zeit Züchtigkeit gewährleisten. Die Wagen wurden rückwärts ins Wasser gerollt, oft ausgestattet mit Sichtblenden, die fremde Blicke verhindern sollten. Das Foto ist undatiert.

Foto: Getty Images/ Hulton Archive
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Geschlechtertrennung: Begegnungen zwischen Männern und Frauen fanden beim Badevergnügen lange Zeit ohnehin kaum statt. Erst mit Anfang des 20. Jahrhunderts lockerten erste deutsche Strandbäder die Trennung in Frauen- und Männerbereiche. Diese Frauen spielten um 1910 unter sich Cricket im britischen Swansea.

Foto: Getty Images/ Hulton Archive
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Schick: In den Zwanzigerjahren wurden die Kleidervorschriften laxer. Frauen durften nun tatsächlich mehr Arm und Bein zeigen. Die Bademode wurde zudem figurbetonter, wie bei diesen Damen 1922 in Florida zu sehen ist.

Foto: AP
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Skandälchen: Normalerweise zeigte Friedrich Ebert (r.), Reichspräsident der Weimarer Republik, weniger Haut. Aber 1919 ließ er sich bei Travemünde mit nacktem Oberkörper neben Reichswehrminister Gustav Noske fotografieren. Ein Skandal in der damaligen Zeit - Blätter wie die "Illustrierte Zeitung" druckten das Bild zur Herabwürdigung des Staatsoberhauptes ab.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Wilhelm Steffen
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Kult: Zahlreiche katholische Länder verboten den Bikini kurzerhand, im brasilianischen Rio de Janeiro gründete sich gar ein Verein gegen den minimalistischen Zweiteiler. Trotz der Proteste setzte sich der Bikini durch. Und schrieb Filmgeschichte. Legendär: Wie Ursula Andress in der James-Bond-Verfilmung "James Bond jagt Dr. No" von 1962 im Bikini den Fluten entsteigt.

Foto: ddp images/ INTERTOPICS/ LMKMEDIA Ltd.
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Einteiler: Eher aufreizend als wirklich praktisch ist der Monokini des Designers Richie Rich, den die Schauspielerin Pamela Anderson 2010 vorführte.

Foto: Stephen Chernin / AP
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Sportlich: Um auch muslimischen Frauen das unbeschwerte Baden zu ermöglichen, entwarf die libanesisch-australische Designerin Aheda Zanetti den Burkini - eine Kombination aus Burka und Bikini, erhältlich in zahlreichen Farben, wie auch in dieser Rettungsschwimmer-Kombination von 2007. In der öffentlichen Debatte ist das Kleidungsstück höchst umstritten. In Frankreich haben zahlreiche Badeorte Ganzkörperanzüge mittlerweile verboten, darunter auch...

Foto: Matt King/ Getty Images
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...Nizza, wo Polizisten Anfang dieser Woche eine Frau umringten, die am Strand lange Hose, Bluse und Kopftuch trug - also nicht einmal einen Burkini. Offenbar musste sie wegen der neuen Strandregeln, die hier in Nizza aushängen, ihre langärmelige Bluse ausziehen. Einst drehte sich der Streit um Badebekleidung stets um zu viel Haut. Heute geht es um zu wenig Haut.

Foto: JEAN CHRISTOPHE MAGNENET/ AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?