Ballonflucht aus der DDR Per Heißluft in die Freiheit
Nichts wie weg: Im September 1979 schneiderten zwei Thüringer Familien einen Riesenballon und schwebten Richtung Westen davon. Gut 1000 Quadratmeter Stoff, aus dem die Träume waren - für Regisseur Michael Herbig der Stoff für einen neuen Film "Ballon" (Szenenfoto Friedrich Mücke, Karoline Schuch und Tilman Döblerin). Es war eine der
Schluss mit lustig: Bisher war Michael "Bully" Herbig stets der Mann fürs Komische, für höchst erfolgreiche Filme wie "Der Schuh des Manitu" oder "(T)Raumschiff Surprise" (Foto von der Verleihung des "Goldenen Schlitzohrs" 2017 in Hamburg). Mit den Kinokomödien war's dann aber auch mal gut. Nun hat der Regisseur mit 51 Jahren das Fach gewechselt, mit seinem neuen Film "Ballon" macht er ernst.
Nähen en gros: In "Ballon" übernahm David Kross die Rolle von Günter Wetzel, der mit seiner Familie und mit den befreundeten Strelzyks wochenlang Stoffbahnen im Schlafzimmer zusammennähte. Mit dem so erschaffenen Selbstbau-Ballon gelang den acht Thüringern tatsächlich die Flucht.
Show-Ballon: Damit der neue Film auch wirklich ein Erfolg wird, hat die Filmfirma einen bunten Heißluftballon aufpusten lassen - an einem symbolträchtigen Ort, dem Reichstag in Berlin.
Verwegene Luftreise: In den Tagen nach ihrer Ankunft im Westen stürzten sich die Medien aus aller Welt auf die wagemutige Familie Strelzyk, die mit ihrem Heißluftballon in der Nacht auf den 16. September 1979 von Thürigen über die DDR-Grenze nach Bayern geflohen war. Immer wieder mussten die vier mit ihrem Ballon für die Fotografen posieren.
Ballonvorführung: Zum 22. Jahrestag des Mauerbaus, am 13. August 1983, führte Familie Strelzyk vor dem Reichstagsgebäude in Berlin ihren Heißluftballon noch einmal vor. Leider stand jedoch der Wind ungünstig, und der riesige, aus Regenmantelstoff zusammengenähte Ballon konnte nicht aufgebaut werden.
Der DDR-Flüchtling Peter Strelzyk erklärte gern interessierten Besuchern des Mauermuseums in Berlin, wie er seine und die Familie seines Freundes Günther Wetzel im Heißluftballon über die Grenze in den Westen brachte, hier zum 25-jährigen Jubiläum der abenteuerlichen Reise am 2004.
Familienfoto im Museum: Peter Strelzyk, seine Ehefrau Doris und ihre Söhne Frank und Andreas (von links) posierten am 15. September 2004 vor einem Foto und einem Heissluftballon im Mauermuseum in Berlin.
Stoffkontrolle: Nachdem der erste Fluchtversuch gescheitert war und die Familien ihren Ballon zurücklassen mussten, war ihnen die Stasi dicht auf den Fersen. So wurde beispielsweise der Verkauf von geeigneten Stoffen genauestens kontrolliert - hier in der Verfilmung der Flucht, die unter dem Titel "Mit dem Wind nach Westen" 1982 in die Kinos kam (mit Günter Meisner und Sky Dumont als Stasi-Beamte).
Im Todesstreifen: Für ein Leben im Westen riskierten sie ihr Leben - und schafften es tatsächlich, nachts mit einem Heißluftballon die deutsch-deutsche Grenze zu überqueren. Dass diese Geschichte auch Stoff für einen spannenden Film bot, erkannte der Regisseur Delbert Mann schnell. Er verfilmte das Abenteuer mit John Hurt, Jane Alexander und Doug und Keith McKeon als Familie Strelzyk unter dem Titel "Mit dem Wind nach Westen".
Blamierte Grenzer: Weder die DDR-Grenztruppen noch die Luftsicherung der Bundeswehr hatten 1979 offenbar mit einer Heißluftballonflucht gerechnet. So kamen die Familien Strelzyk und Wetzel in ihrer Nacht-und-Nebel-Aktion unbeschadet über die Grenze (Filmszene).
Letzte Vorbereitungen: Vier Erwachsene und vier Kinder drängten sich während des abenteuerlichen Fluges auf einer 1,40 mal 1,40 Meter kleinen Plattform um die vier Gasflaschen. Sie hatten Glück, der Wind trieb die Flüchtlinge tatsächlich nach Westdeutschland, und als das Gas ausging, landeten sie sicher auf einem Feld in Bayern (Szenenfoto).
Durch die Nacht in den Westen: Aus Bettlaken und Regenmänteln konstruierten die DDR-Flüchtlinge den mit 28 Metern Höhe und 20 Metern Breite bis dahin größten Heißluftballon Europas (Szene aus "Mit dem Wind in den Westen").
Hoffnung im anderen Deutschland: Familie Wetzel wurde in "Mit dem Wind nach Westen" von Glynnis O'Connor, Beau Bridges, Michael Liesik und Geofrey Liesik gespielt.
Freude über die gelungene Flucht: Nach 28 Minuten Flug mit dem selbst konstruierten Heißluftballon konnten die Familien auf einem Feld nahe dem oberfränkischen Naila landen - im Westen also. Die Freude darüber war nicht nur im Film groß.
Ballonflieger: Noch einmmal führen die Familien Strelzyk und Wetzel für den Fotografen vor, wie sie auf einer knapp zwei Quadratmeter großen Plattform neben den Flaschen mit Propangas unter ihrem selbstgebastelten Heissluftballon saßen. Mit dem Fluggerät waren die acht erst am Tag zuvor, dem 16. September 1979, aus der DDR in die BRD geflüchtet.
Die Original-Gondel des Fluchtballons ist heute mit zehn Bahnen des Ballonstoffs im Berliner Mauermuseum - Haus am Checkpoint Charlie zu sehen. Es war ein Geschenk der Ballon-Erbauer an die Stadt Naila, die es ans Mauermuseum weitergab. Interesse angemeldet hatten auch ein britisches Museum und ein US-Millionär, aber die Ballongondel sollte nach Berlin, entschied das oberfränkische Städtchen.