Barack Obama Der Entzauberte
Barack Obama will es 2012 noch einmal wissen - und startet seine Wahlkampf-Kampagne schon früh, Anfang April 2011. Ihm kommt dabei zugute, dass es keinen innerparteilichen Konkurrenten gibt - und auch bisher keinen ernsthaften Rivalen aus den Reihen der Republikaner.
Zu Beginn gefeiert als Heilsbringer, ist US-Präsident Barack Obama schon vor Ablauf seiner ersten Amtszeit in mancher Hinsicht entzaubert. Sein rhetorisches Geschick tritt hinter aufreibenden Grabenkämpfen mit den Republikanern zurück, mit denen er doch eigentlich eine neue Ära der Partnerschaft beginnen wollte.
Die Karriere von Barack Obama beginnt mit den Massen, denn diese weiß der Demokrat zu begeistern - nicht nur in den USA, wie sich im Juli 2008 in Berlin zeigt. Zu diesem Zeitpunkt ist er noch nicht einmal Präsident, sondern "nur" Kandidat der Demokraten im Rennen ums Weiße Haus.
Im November 2008 ist es so weit: Obama gewinnt die Präsidentschaftswahlen - ein historischer Sieg. "Change has come to America", ruft er auf der Wahlparty in Chicago in die Menge, "der Wandel ist in Amerika angekommen." Tosender Jubel brandet auf. Die USA haben zum ersten Mal in der Geschichte des Landes einen Afroamerikaner ins Weiße Haus gewählt. Die Hoffnungen von Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten und der ganzen Welt ruhen auf Barack Obama.
Seit dem 20. Januar 2009 ist Barack Obama offiziell im Amt - und sein Vorgänger, der viel gescholtene Republikaner George W. Bush, ist es nicht mehr. Beim Aufsagen des Eides stolpert der neue Präsident kurz im Text, den der Oberste Bundesrichter John Roberts falsch vorspricht. Die Zeremonie muss am folgenden Tag wiederholt werden, zur Sicherheit.
Es sind große Themen, mit denen sich Barack Obama gleich zu Beginn seiner Amtszeit befassen muss - die Finanzkrise etwa. Einen Monat nach Amtsantritt, am 17. Februar 2009, unterzeichnet der Präsident ein knapp 800 Milliarden Dollar schweres Konjunkturpaket, das die schwächelnde US-Wirtschaft wieder in Schwung bringen soll. Am Ende verhindert nur das beherzte Eingreifen der Regierung Obama den Kollaps der US-Finanzbranche.
Wichtiger Wirtschaftsfaktor ist die amerikanische Autoindustrie, doch die steckt 2009 ebenso in der Krise wie der Bankensektor. Obama lässt im März Kredite für die Großkonzerne General Motors und Chrysler verlängern, die wenige Wochen später beide Insolvenz . Chrysler geht an den italienischen Konkurrenten Fiat, an GM beteiligt sich der Staat mit 60 Prozent. Um den Absatz von Neuwagen anzukurbeln, wird auch in den USA eine Abwrackprämie eingeführt. Auf diesem Bild ist Obama im September in einem GM-Werk in Ohio zu sehen.
Die Reform des US-Gesundheitswesens ist eines der innenpolitischen Hauptprojekte der Regierung Obama. Und kaum ein Thema ist derart umstritten in der Bevölkerung. Gegen den Widerstand der Republikaner und trotz hartnäckiger Demonstrationen von Bürgern, die Obama gar mit Hitler vergleichen, hält der Präsident an seinem Vorhaben fest. Im März 2010 passiert das Gesetz, durch Kompromisse aufgeweicht, den Kongress. Rund 32 Millionen bisher unversicherte Amerikaner bekommen nun Versicherungsschutz, Kranke und Kinder dürfen nicht mehr ausgesperrt werden, wer kein Geld hat, der bekommt Unterstützung vom Staat.
Die versprochene Aussöhnung mit den Republikanern ist Barack Obama nicht gelungen, im Gegenteil: Die Tea-Party-Bewegung rückt die Konservativen noch weiter nach rechts. Auf diesem Bild machen Aktivisten bei einer Demonstration in Washington im August 2010 gegen die Obama-Regierung mobil.
Auch bei der Stärkung der Bürgerrechte ruckelte es: Das Schwulenverbot in der US-Armee (hier ein Archivbild) wurde erst im Dezember 2010 aufgehoben. Das Ende der "Don't ask, don't tell"-Regelung, die Stillschweigen über die sexuelle Orientierung von Soldaten verlangte, ist noch immer nicht ganz in der Praxis umgesetzt.
Der größte außenpolitische Erfolg und Höhepunkt von Obamas politischer Karriere ist die Verleihung des Friedensnobelpreises im Dezember 2009 in Oslo. Das Komitee erkennt ihm die Ehrung zu für "seine außergewöhnlichen Bemühungen zur Stärkung der internationalen Diplomatie und zur Zusammenarbeit zwischen den Völkern".
Der Konflikt in Afghanistan ist eines der wichigsten außenpolitischen Themen der Regierung Obama. Der US-Präsident bemüht sich auch um Signale wie dieses - ein Bild, das Vorgänger George W. Bush stets vermieden hat: Barack Obama salutiert vor den Särgen von Soldaten, die im Afghanistan-Krieg umgekommen sind. Am 29. Oktober 2009 treffen die Leichname von 18 US-Einsatzkräften auf dem Flughafen des Luftwaffenstützpunkts Dover im US-Bundesstaat Delaware ein.
Der Einsatz in Afghanistan ist ein Krieg, den Obama nach eigenem Bekunden beenden will. Zunächst sollen die dort stationierten US-Soldaten um 30.000 Mann aufgestockt werden, verkündet Obama im November 2009. Die Truppenverstärkung soll die militärische Wende im Kampf gegen die Taliban bringen, bisher allerdings mit mäßigem Erfolg. Ab 2011 sollen die Nato-Soldaten dann abziehen.
Der US-Präsident will das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba auflösen, das versichert er gleich zu Beginn seiner Regierungszeit. Doch die Häftlinge unterzubringen, gestaltet sich äußert schwierig. Geschlossen ist das Lager noch immer nicht.
Am 4. Juni 2009 hält Barack Obama eine vielbeachtete Rede in der Kairoer Universität. Er wendet sich an die islamische Welt und ruft zu einem Neuanfang der Beziehungen zu den USA auf - eine Rede für die Geschichtsbücher.
Der Klimawandel ist ein weiteres großes Thema auf der Agenda von Barack Obama (hier beim Uno-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009). Konkrete Ergebnisse sind allerdings in absehbarer Zukunft nicht zu erwarten. Obama hat beim Kampf um die Gesundheitsreform zu viel politischen Kredit verspielt, die Mehrheiten für ein umfassendes Klimaschutzgesetz sind für den Demokraten kaum zu bekommen.
Trotz aller politischen Hindernisse sind die Beliebtheitswerte Obamas im Ausland noch bemerkenswert hoch. Auch bei den Staatschefs in aller Welt kommt Obama überwiegend gut an. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich gern mit dem Ehepaar Obama, hier beim Nato-Gipfel in Baden-Baden im April 2009.
Selten hat das Privatleben des US-Präsidenten so viel Aufsehen erregt wie das der Familie Obama. Auf diesem Bild ist der Hausherr mit Tochter Malia, Gattin Michelle, Schwiegermutter Marian Robinson und Tochter Sasha zu sehen.
Im East Wing des Weißen Hauses befindet sich ein kleines Privatkino. Im September 2009 genießt das Ehepaar Obama ein Football-Spiel in 3D, wie an den Brillen unschwer zu erkennen ist.
Am Wahlabend hat es Barack Obama seinen Töchtern versprochen: Ein Hund kommt ins Haus. Nun ist Bo Teil der Familie - ein Geschenk des inzwischen verstorbenen Politikers Edward Kennedy, der die Obamas für die ausgefallene Rasse (portugiesischer Wasserhund) begeisterte.