Einzelkritik Bayer Leverkusen Nicht schön, aber erfolgreich
Bernd Leno, Tor War in der ersten Hälfte nahezu beschäftigungslos. Bis auf ein paar hohe Bälle, Rückpässe und Abstöße hatte der 23-Jährige gar nichts zu tun. Keinen einzigen Schuss brachten die Bayern aufs Tor. Selbst, als sie nach der Pause offensiv umstellten und zu Chancen kam, musste Leno selten eingreifen.
Tin Jedvaj, Abwehr (bis 51. Minute) Hatte gerade in der Anfangsphase mehr zu tun als auf der Gegenseite Wendell. Schaltete sich aber auch nach vorne ein und schlug mehrere gefährliche Flanken. Weil er nach seiner langen Verletzung zum ersten Mal wieder spielte, nahm ihn Schmidt kurz nach der Pause raus.
Roberto Hilbert, Abwehr (ab 51. Minute) Kam für Jedvaj und durfte sich fortan um Douglas Costa kümmern. Tat das auch ordentlich, hatte nur bei Kontern Probleme mit den schnellen Bayern. Aber wer hat die nicht?
Jonathan Tah, Abwehr Der überraschend konstante 19-Jährige stand gegen die Bayern besonders im Fokus. Bundes-Cotrainer Thomas Schneider war nach Leverkusen gekommen. Und der sah vor allem vor der Pause eine souveräne Vorstellung des Innenverteidigers, der nahezu jedes Kopfballduell gegen Lewandowski gewann. Nur ein Mal ließ er sich von Kingsley Coman überlaufen. Zu Beginn der letzten halben Stunde wie die gesamte Abwehr mit größeren Problemen gegen den neu sortierten Bayern-Angriff. Aber ebenfalls nicht lange. Gönnte sich nur einen echten Aussetzer gegen Lewandowski, als er über den Ball trat, der Pole aber verzog.
Ömer Toprak, Abwehr Aufmerksam, gedankenschnell und konsequent. Bei ihm und Nebenmann Jonathan Tah war Robert Lewandowski gut aufgehoben. Entweder ging Toprak selbst in den Zweikampf oder sicherte die Kollegen ab und war so stets der Mann für zweite Bälle. Erst als die Bayern nach etwa einer Stunde ihre Offensive umstellten, wurde es für ein paar Minuten gefährlicher. Das legte sich aber schnell, danach war Toprak wieder eine absolute Bank, steigerte sich zum Schluss hin immer mehr und war der beste Mann auf dem Platz.
Wendell, Abwehr Gehört normalerweise zu den absoluten Dauerläufern der Liga und sorgt so für Gefahr - vorne wie hinten. Wegen der schnellen Münchner Außen traute er sich dieses Mal zunächst aber nicht so viel zu und blieb meist in der Viererkette. Im zweiten Durchgang dann auffälliger, vor allem als er Robbens Alleingang mit einer spektakulären Grätsche stoppte. Später gegen Coman nicht immer Herr der Lage.
Karim Bellarabi, Mittelfeld (bis 87. Minute) Ist einer der wenigen Leverkusener, die mit der Schnelligkeit der Bayern mithalten können. War deswegen häufiger in der Defensive gefragt, wenn Jedvaj im Eins-gegen-eins überlaufen wurde. Schnappte Coman dann mehrere Male den Ball weg. Offensiv aber nahezu wirkungslos. Vor allem seine Flanken fanden selten einen Mitspieler. Als Kießling raus musste, wechselte er in die Spitze, blieb dort aber ohne Aktion und wurde eine Viertelstunde später selbst ausgewechselt.
Admir Mehmedi, Angriff (ab 87. Minute) Kam für Bellarabi und sollte gegen nur noch zehn Münchner für Betrieb in der Zentrale sorgen. Hatte aber keinen Einfluss mehr auf das Spiel.
Christoph Kramer, Mittelfeld Ist immer noch meilenweit von seiner Form entfernt, die ihn in Mönchengladbach zum WM-Fahrer werden ließ. Zwar fleißig und laufstark; auch engte er den Wirkungskreis von Arturo Vidal geschickt ein. Wenn er aber selbst den Ball hatte, mit zu vielen Fehlern.
Kevin Kampl, Mittelfeld Seit seiner Verpflichtung aus Dortmund eine absolute Konstante im Leverkusener Mittelfeld. Auch gegen die Bayern einer der Besten. Lief defensiv Lücken zu und störte Xabi Alonso beim Spielaufbau. Hatte Leverkusen den Ball, war Kampl immer anspielbar und versuchte sich auch mal selbst mit Dribblings.
Hakan Calhanoglu, Mittelfeld Fiel in den ersten Minuten durch zwei Dinge auf: Fouls und anschließende Diskussionen mit dem Schiedsrichter. Hatte nach vorne fast keine Aktionen, weil er damit beschäftigt war, Hintermann Wendell zu unterstützen. Erst nach der Pause tauchte er auch mal am und im gegnerischen Strafraum auf und wurde gleich gefährlich. Trotzdem kein ganz großes Spiel von Calhanoglu.
Javier Hernandéz, Angriff Sorgt mit seinen Toren nicht nur für gute Laune unterm Bayer-Kreuz, sondern auch dafür, dass sich plötzlich Millionen Mexikaner für die Bundesliga interessieren. Die sahen diesmal aber kein Tor, sondern einen Landsmann, der wie Kießling vor allem damit beschäftigt war, die Bayern anzulaufen. Eigene Abschlüsse hatte "Chicharito" hingegen nicht wirklich. Holte aber zumindest den Platzverweis gegen Alonso raus.
Stefan Kießling, Angriff (bis 74. Minute) Im Herbst standen die Zeichen auf Abschied, nun hat sich der Publikumsliebling wieder in die Mannschaft gekämpft. War auch gegen den Tabellenführer einer der Aktivsten, lief Manuel Neuer, Holger Badstuber, Joshua Kimmich und Xabi Alonso immer wieder an. Offensiv war er meist die erste Anspielstation, machte Bälle fest und legte sie auf Außen. Die ganz große Wirkung hatte aber auch Kießling nicht. Ging nach 73 Minuten raus und wurde mit Sprechchören verabschiedet.
Julian Brandt, Mittelfeld (ab 74. Minute) Kam für Kießling, rückte aber ins rechte Mittelfeld, dafür ging Bellarabi in die Spitze. Brauchte einige Minuten, ehe er ins Spiel fand, gefiel dann aber mit guten Pässen.