Champions-League-Analyse Wie Bayer Atlético überlistete
Atlético Madrid - Bayer Leverkusen (0:1): Roger Schmidts Elf agierte gegen Atlético gewohnt offensiv. Nur die beiden Innenverteidiger Kyriakos Papadopoulos und Emir Spahic waren meist in der eigenen Hälfte zu finden. Im Mittelfeld sicherte Gonzalo Castro das Zentrum. Lars Bender und Co. versuchten, die Räume früh eng zu machen - was im Verlauf des Spiels immer besser funktionierte. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf die Kontertaktik der Spanier.
Die Elf von Diego Simeone schlug immer wieder weite Pässe (20 Prozent), um das engmaschige Bayer-Mittelfeld zu überbrücken. Das klappte aber nur bedingt, denn mit einer Passquote von gerade mal 58 Prozent leistete sie sich zu viele Ballverluste. In der gegnerischen Hälfte kamen sogar nur 48 Prozent aller Zuspiele an - kein adäquater Wert für den letztjährigen Finalisten. Bayers Kombinationsspiel war genauer, doch entweder fehlte das Glück beim Abschluss fehlte oder Leverkusen wurde zu hektisch im gegnerischen Strafraum.
Am gefährlichsten im ersten Durchgang war ausgerechnet Emir Spahic. Ein Abschluss des Verteidigers wurde erst auf der Linie geblockt. Noch mehr Aufsehen erregte er mit einem Schuss aus der zweiten Reihe, der gegen das Lattenkreuz klatschte.
Ein weiteres taktisches Mittel der Bayer-Elf war das geschickte Anwenden von Fouls. Die Grafik zeigt die Vergehen beider Teams - Leverkusen in Weiß, Atlético in Schwarz. Bis zur Pause waren es 13:3 Fouls, nach Spielende 25:11. Es fällt auf, dass die Gastgeber die Mehrzahl ihrer Fouls in der gegnerischen Hälfte begingen (17) und das teilweise sehr tief. Auf diese Weise wurden Konter früh bekämpft. Zudem enthält die Grafik einen Hinweis auf den lahmenden linken Flügel von Atlético, das dort schon vor der Halbzeit wegen Verletzungen wechseln musste. Leverkusen beging rund zwei Drittel seiner Fouls auf dieser Seite.
Doch es dauerte bis zur Mitte der zweiten Hälfte, ehe Bayer seine Überlegenheit nutzen konnte. Karim Bellarabi leitete einen schnellen Angriff mit der Hacke zu Hakan Calhanoglu weiter, der Offensivspieler schoss den Ball zum 1:0 unter die Latte.
Calhanoglu stand zuletzt in der Kritik, doch gegen Atlético bot er eine gute Partie. Neben seinem Torschuss brachte er zu 81 Prozent den Ball zum Mitspieler - ein überdurchschnittlicher Wert. Die Grafik zeigt alle Offensivaktionen des flexiblen Torschützen, der überall in der gegnerischen Hälfte zu finden war (Kreis=Schüsse, Quadrat=Pässe, grün=gelungen, rot=misslungen, gelb=direkte Schussvorlagen).
In der Schlussphase lief es gar nicht mehr für Atlético. Erst war Diego Godins Torjubel vergeblich, da vor einem Treffer von Fernando Torres der Ball bei einer Eckball-Flanke schon im Aus gewesen sein soll.
Dann holte der wütende Tiago Leverkusens Bellarabi von den Beinen und sah Gelb-Rote. Im Rückspiel wird Tiago genauso fehlen wie Godin, der sich seine dritte Gelbe Karte im laufenden Wettbewerb abholte. Bayers Aussichten für das Rückspiel sind also nicht schlecht. Das hatte vor der Partie kaum ein Experte für möglich gehalten.
FC Arsenal - AS Monaco (1:3): Leonardo Jardim ist seit fast acht Monaten Trainer in Monaco. Nach einem holprigen Saisonstart hat er sein Team mit viel Engagement auf Kurs gebracht. Auch bei Arsenal hielt er während des gesamten Spiels nicht still, lautstark und gestenreich dirigierte er seine Mannschaft gegen den vermeintlichen Favoriten.
Sein Team hatte Jardim auf Konterfußball eingestellt. Vor einer Viererkette nahm Fabinho eine wichtige Position als Umschaltspieler ein - und erfüllte diese mit einer Passquote von 88 Prozent hervorragend. Noch besser machte es sein Nebenmann Geoffrey Kondogbia, der sogar 94 Prozent der Zuspiele zum Mitspieler brachte und das 0:1 erzielte. Als gewiefter Schachzug erwies sich zudem, Anthony Martial immer wieder in die Schnittstelle zwischen Per Mertesacker und Héctor Bellerín stoßen zu lassen.
Dennoch sprechen bei einem ersten Blick die Statistiken für Arsenal. Die Gunners verbuchten mehr Schüsse, hatten mehr Ecken, Ballkontakte, Spielanteile und eine bessere Passquote. Außerdem gewannen die Gastgeber mehr Zweikämpfe.
Doch es fehlte im Angriff der "Gunners" an Flexibilität und Genauigkeit. Die Grafik zeigt alle Torschüsse der Gastgeber (grün=Tor, rot=daneben, gelb=geblockt): Fernschüsse gab es so gut wie keine. Es mag Zufall sein, dass der einzige Versuch aus der zweiten Reihe zum Anschlusstor führte.
Monaco kam hingegen relativ leicht zu seinen Toren. Beim ersten Tor fälschte Per Mertesacker den Ball unglücklich ab, Treffer Nummer zwei entwickelte sich aus einem schnellen Konterstoß, bei dem Mertesacker im Mittelfeld zu spät kam. Das dritte Tor in der Nachspielzeit war besonders überflüssig, da Alex Oxlade-Chamberlain den Ball in der gegnerischen Hälfte zuvor vertändelt hatte.
Mertesacker hatte Pech an diesem Abend. Erst lief er in den Schuss von Geoffrey Kondogbia zum ersten Gegentor, dann kam er im Mittelfeld beim zweiten Gegentreffer zu spät. Dabei liest sich seine Statistik so schlecht nicht: Nur einen Fehlpass leistete er sich. Doch seine Quote von 99 Prozent wird durch diese Grafik relativiert. Fast alle Zuspiele waren Sicherheitspässe, die er unbedrängt schlagen konnte.
Zurück blieb am Ende ein geknickter Trainer Arsène Wenger. In den letzten vier Spielzeiten hatte Arsenal jeweils mindestens zwei Tore im Hinspiel des Achtelfinals hinnehmen müssen - und immer schieden die "Gunners" anschließend aus. Es spricht wenig dafür, dass sich das 2015 ändert.