Bayern in der Einzelkritik - DER SPIEGEL
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Bayern in der Einzelkritik Lahm, das Chamäleon

Ob Außenverteidiger oder Sechser: Philipp Lahm kann fast alles. Und wenn nicht, dann passt er sich eben seiner Position an. Durch seinen Wechsel ins Mittelfeld wurde das Bayern-Spiel lebendiger. Viele seiner Kollegen profitierten davon. Die Bayern in der Einzelkritik.
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Manuel Neuer, Tor: Der Nationalkeeper musste in der Gruppenphase sieben Tore in sechs Spielen hinnehmen. Eine fast erschreckende Bilanz, wenn man sie mit der Bundesliga vergleicht (neun Treffer in 21 Spielen). Gegen die "Gunners" musste er am Anfang fürchten, dass sich die Statistik verschlimmert. Doch Neuer parierte dann einen Flachschuss von Yaya Sanogo glänzend, kurze Zeit später hielt er auch noch Mesut Özils Foulelfmeter. Auch danach war er hellwach. Der Respekt der Engländer vor deutschen Torhütern wird durch seine Leistung nicht kleiner werden.

Foto: EDDIE KEOGH/ REUTERS
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Philipp Lahm, Abwehr: Der Kapitän kennt den Rasen mittlerweile aus fast jeder Perspektive, zuletzt hat er gegen Nürnberg sogar in Stürmermanier ein Tor geschossen. Gegen Arsenal beorderte ihn Pep Guardiola wieder auf die rechte Abwehrseite, dorthin also, wo er immer zu finden war – nach seiner Karriere als Linksverteidiger und vor seiner Karriere als Sechser. Hatte dort so viel zu tun, dass er sich kaum in die Offensive einschalten konnte. Dennoch souverän. Wechselte nach der Halbzeitpause wieder ins Mittelfeld und zeigte sich besser als auf der Abwehrseite, nicht nur wegen seiner Assists vor beiden Treffern – und abermals als wandlungsfähigstes Chamäleon der Bayern-Elf.

Foto: Andy Rain/ dpa
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Dante, Abwehr: Hatte zunächst die Lufthoheit im Bayern-Strafraum, war allerdings am Boden nicht immer souverän. Vor allem, wenn Arsenal mit Özil anrannte, musste der nicht ganz so spritzige Dante bangen. Sein Trainer Pep Guardiola diskutierte früh wild gestikulierend mit ihm, er war unzufrieden mit der lahmen Spieleröffnung. Stabilisierte seine Leistung dann im Laufe des Spiels -– anders als sein Kollege Boateng.

Foto: AP/dpa
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Jérôme Boateng, Abwehr (bis 46. Minute): Eigentlich müsste der Bayern-Innenverteidiger die Laufwege seines Nationalmannschaftskollegen Özil kennen. Aber dem war nicht so, jedenfalls nicht in der 8. Minute, als Özil im Sechzehner nach innen zog und der wie festgefroren wirkende Boateng ihm geradezu tölpelhaft das Bein stellte. Die Folge war der von Neuer parierte Elfmeter und eine Gelbe Karte für Boateng. Auch sonst nicht immer sicher, auch im Getümmel am Bayern-Strafraum. War zudem bereits nach einer halben Stunde extrem Gelb-Rot-gefährdet. Auch deshalb spielte Boateng nur eine Halbzeit lang.

Foto: EDDIE KEOGH/ REUTERS
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Rafinha (ab 46. Minute): Reihte sich nach seiner taktisch motivierten Einwechslung sofort mit gutem Stellungsspiel in den Bayern-Verbund ein. Mit dem Brasilianer auf der rechten Abwehrseite und Lahm im Mittelfeld wirkten die Bayern stabiler als zuvor. Schaltete sich auch immer wieder in Angriffe ein. Mittlerweile ein Lahm-Ersatz, der Lahm-artig gut spielt auf dieser Position.

Foto: IAN KINGTON/ AFP
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David Alaba, Abwehr: Der Österreicher twitterte vor dem Spiel „"Hey London“", als wäre er noch nie in Englands Hauptstadt gewesen. Hatte bei einem Schuss eine gute Offensivszene nach knapp zwanzig Minuten. Sein zu kurz geratener Rückpass vor dem heraneilenden Alex Oxlade-Chamberlain führte dann fast zum Gegentor. Hätte dann in der Halbzeitpause „"Hey Pfosten"“ twittern können, denn dorthin hatte der ansonsten sichere Schütze den Foulelfmeter in der 38. Minute gesetzt. Hat schon bessere Spiele im Bayern-Dress gemacht, auch wenn er sich in der zweiten Halbzeit steigerte.

Foto: AP/dpa
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Thiago, Mittelfeld (bis 79. Minute): Die Schüsse des kleinen, leichten Spaniers vor Arsenals Strafraum gerieten zu schwach, sie prallten einfach an der Abwehr der Engländer ab. Füllte an diesem Abend eine ganz ähnliche Rolle wie Götze aus, spielte mannschaftsdienlich nach vorne, stand allerdings oft im Schatten von Arjen Robben und Toni Kroos, die wesentlich durchschlagskräftiger und angriffslustiger waren.

Foto: Peter Kneffel/ dpa
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Claudio Pizarro (ab 79. Minute): Durfte auch noch ein wenig Londoner Frühlingsluft schnuppern, allerdings ohne zählbaren Erfolg.

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Mario Götze, Mittelfeld: Lief viel, tauschte oft die Seiten mit Arjen Robben, überbrückte vor allem unermüdlich die Zone zwischen Anstoßkreis, wo er sich die Bälle holte, und dem gegnerischem Strafraum. Das sah selten spektakulär aus, war aber durchaus mannschaftsdienlich. Götzes Spiel rieb den Techniker allerdings auch mehr und mehr auf, man merkte ihm an, dass er sich gerne öfter selbst in Szene gesetzt hätte.

Foto: Peter Kneffel/ dpa
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Javi Martínez, Mittelfeld: Der lange verletzte und zum Ersatzmann degradierte Spanier spielte endlich einmal wieder – überraschend auf der eigentlich von Lahm reservierten Sechser-Position. Martínez machte das ordentlich, ohne die ganz großen Akzente nach vorne zu setzen. Das sollte er auch nicht unbedingt, Guardiola wollte ihn als wehrhafte Mauer vor der Viererkette haben. Musste sich dann in der zweiten Halbzeit für Boateng in die Innenverteidigung stellen. Das gelang ihm ebenfalls ordentlich, allerdings mit ein, zwei Schludrigkeiten. Dennoch: Ein Gewinn für die Bayern an diesem Abend.

Foto: AP/dpa
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Toni Kroos, Mittelfeld: Der Mittelfeldmann war vergangenes Jahr im Achtelfinal-Hinspiel gegen Arsenal Torschütze zum 1:0 für die Bayern, doch das ist lange her. Bekanntlich war Kroos einer der Lieblinge von Jupp Heynckes. Von Guardiola kann man das nicht unbedingt behaupten. Kroos spielte dann gegen Arsenal immerhin von Beginn an und prüfte gleich Keeper Wojciech Szczesny mit einem satten Schuss. Nach einer guten halben Stunde ermöglichte sein genialer Lupfer auf Robben den Bayern-Elfmeter. Zwischenzeitlich versuchte er sich immer wieder an Distanzschüssen –- um dann zehn Minuten nach der Pause wieder zum 1:0 für die Bayern zu treffen, mit einem herrlichen Schlenzer. In dieser Verfassung ist Kroos nicht aus der Mannschaft wegzudenken.

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Arjen Robben, Mittelfeld: Sehr beweglich, sehr lauffreudig, rochierte andauernd mit Mario Götze. Trotzdem wenig effektiv, nur eine große Chance hatte er nach einem Doppelpass mit Alaba, doch sein Schuss prallte an Mertesacker ab. Dann kam die 38. Minute, der Lupfer von Kroos, Robbens Eins-gegen-eins-Situation mit Arsenals Keeper –- und immer noch kein Treffer. Szczesny holte Robben von den Beinen, bekam Rot, Alaba versemmelte den Elfmeter und Robben musste fortan ständige Buhrufe von den Fans erdulden. Spielte dennoch weiter erfrischend, mit Zug zum Tor und noch einigen Chancen. Starker Abend des Holländers.

Foto: Peter Kneffel/ dpa
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Mario Mandzukic, Sturm (bis 64. Minute): Machte das 3:1 gegen Arsenal im Vorjahres-Hinspiel, beim Abwehrhünen Per Mertesacker aber diesmal komplett abgemeldet. Fast jedenfalls, einen halbwegs gefährlichen Kopfball brachte Mandzukic zustande, viel mehr nicht in der ersten Halbzeit.

Foto: Mike Hewitt/ Bongarts/Getty Images
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Thomas Müller (ab 64. Minute): Bereitete 2013 im Hinspiel gegen Arsenal ein Tor vor, schoss eines selbst. Eine Quote, die er im neuerlichen Duell mit den Engländern nicht ganz erreichte, aber fast. War sehr motiviert von der Bank gekommen, umtriebig, quirlig, köpfelte dann in Müller-Manier nach Lahm-Flanke den Ball zum 2:0 für die Bayern ein. Und öffnete das Tor zum Viertelfinale für die Münchener ganz weit.

Foto: Peter Kneffel/ dpa
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