Bayern München in den Siebzigern "Gerd war mehr wert als der Franz"
Helden in Rot-Weiß: Die Spieler des FC Bayern München mit dem Europapokal der Landesmeister 1974. Stehend (v.l.): Franz Beckenbauer, Viggo Jensen, Rainer Zobel, Georg Schwarzenbeck, Franz Roth, Gerd Müller, Paul Breitner, Uli Hoeneß und Trainer Udo Lattek; Kniend: Jupp Kapellmann, Bernd Dürnberger, Sepp Maier und Johnny Hansen.
"Wir haben auf dem Platz wunderbar harmoniert, obwohl wir so viele unterschiedliche Charaktere in der Truppe hatten", erinnert sich Jupp Kapellmann. Er führt das vor allem auf die Qualität der beiden Trainer Udo Lattek und Dettmar Cramer zurück.
Der kickende Arzt: Jupp Kapellmann war Teil der legendären Mannschaft des FC Bayern München, die 1974, 1975 und 1976 den Landesmeistercup gewann. Neben seiner Profikarriere studierte er Medizin und praktiziert heute als Orthopäde.
Seit fast 30 Jahren engagiert sich Kapellmann auch bei der "Tour der Hoffnung" , einer karitativen Organisation zugunsten krebskranker Kinder.
Der Treffer seines Lebens: Zweikampf zwischen Hans-Georg Schwarzenbeck (rechts) vom FC Bayern München und Garate von Atletico Madrid im ersten Finalspiel des Europacups am 15. Mai 1974. Eine Minute vor Ablauf der Verlängerung bewahrte Schwarzenbeck die Bayern mit einem Verzweiflungsschuss aus 30 Metern vor der Niederlage.
Das Spiel endete 1:1. Zwei Tage später musste das Spiel wiederholt werden, da die Regeln damals noch kein Elfmeterschießen vorsahen.
Kraftlose Athleten: Nach dem nervenaufreibenden ersten Finalspiel wirkten die Spanier beim zweiten Finale ausgelaugt. Die Bayern zeigten dagegen, wie fit sie noch waren. Uli Hoeneß und Gerd Müller erzielten beim 4:0 jeweils zwei Tore, und ihr Club holte als erster deutscher Verein den Landesmeistercup.
Fest im Griff: Bayern-Spieler Schwarzenbeck hält am 20. Mai 1974 den Pokal, den er mit seiner Mannschaft im Finale gegen Atlético Madrid gewonnen hat.
"Wir waren eine homogene, ausdauerstarke Truppe mit einigen Individualisten. Die Spanier haben wir im zweiten Spiel in den Sack gesteckt", erinnert sich Jupp Kapellmann.
Hart erkämpft: Auch im Folgejahr standen die Bayern im Finale des Europacups, das am 28. Mai 1975 ausgetragen wurde. Die Spieler von Leeds United gingen von Beginn an brutal zur Sache - wie hier Alan Clarke im Zweikampf mit Franz Beckenbauer - und foulten die Bayern-Spieler Andersson und Hoeneß so schwer, dass diese verletzt ausfielen.
Leeds kontrollierte daraufhin das Spiel gegen die favorisierten Münchner und hatte Pech, dass ein Elfmeter nicht gegeben und ein vermeintliches Abseitstor nicht anerkannt wurde, so dass es am Ende zum 2:0-Sieg durch Treffer von Roth und Müller reichte. Das 2:0 bereitete Kapellmann vor.
Der französische Schiedsrichter Kltabdjian, der Leeds ein klares Tor sowie einen Elfmeter versagte, wurde anschließend von der Uefa lebenslang für Europacup-Spiele gesperrt.
So sehen Sieger aus: Nach ihrem Sieg über Leeds United im Finale des Landesmeistercups am 28. Mai 1975 in Paris posieren die Spieler des FC Bayern München mit dem Pokal. In der vorderen Reihe ganz links hockt Jupp Kapellmann, rechts von ihm Torhüter Sepp Maier.
Der dritte Titel: Nachdem die Münchner am 12. Mai 1976 in Glasgow zum dritten Mal in Folge das Finale um den Europapokal gewannen, ließen sie sich wenig später im heimischen Olympiastadion feiern. In der Bundesliga lief es seit 1974 nicht besonders gut für den Verein, aber als Titelverteidiger durften sie in dem Wettbewerb erneut antreten.
Das Finale hatten sie mit etwas Glück gegen den französischen Meister AS St. Etienne gewonnen. Wie so oft in den Cup-Spielen traf Franz Roth zum Sieg.
Sechs Jahre später: Erst 1982, am 26. Mai, standen die Münchner wieder in einem Landesmeistercupfinale, diesmal gegen Aston Villa. Der FCB war zwar die überlegende Mannschaft, doch der unerfahrene, in der zehnten Spielminute eingewechselte Ersatz-Torhüter Nigel Spink machte das Spiel seines Lebens. Bis auf einen zu Unrecht aberkannten Treffer von Uli Hoeneß kurz vor Spielende vereitelte er jede Chance.
Libero Klaus Augenthaler jammerte: "Einfach alles ist schiefgelaufen, wirklich alles. Wir waren eindeutig die bessere Mannschaft. Villa ist zweimal vor unser Tor gekommen, und einmal hat es gescheppert. Wir sind angerannt, angerannt, angerannt mein Gott, so ist Fußball."
Der Laune der abgebildeten Aston-Villa-Spieler Tony Morley (links) und Allan Evans tat dieser unästhetische Sieg natürlich keinen Abbruch.
Da ahnten sie noch nichts Böses: Manuel Joao Pinto von Porto und Lothar Matthäus (rechts) vom FC Bayern München geben sich vor dem Anpfiff zum Landesmeisterfinale am 27. Mai 1987 in Wien die Hände und tauschen ihre Vereinswimpel aus.
Diese Portugiesen: Die als Favorit angetretenen Bayern hatten gegen den FC Porto kein Glück - und dann kam auch noch Pech dazu. Zwar schoss der hier abgebildete Ludwig Kögl (links) die Bayern in der 25. Minute in Führung,...
...jedoch lehnte sich die Mannschaft von Udo Lattek mit dem Gefühl der Überlegenheit zurück. Der Algerier Rabah Madjer schockte die Bayern dann in der 78. Minute mit seinem legendären Hackentor, zwei Minuten später erzielte Juary das 2:1 für Porto.
Das Bild zeigt Manuel Joao Pinto nach dem Spiel mit dem ersehnten Pokal.
Das Trauma von Barcelona: Weitere zwölf Jahre später stand der FCB am 26. Mai 1999 in Barcelona wieder in einem Finale um den Cup. Inzwischen hieß der Wettbewerb Champions-League, und die Bayern führten als überlegene Mannschaft nach 90 Minuten 1:0 gegen Manchester United. Als der vierte Offizielle drei Minuten Nachspielzeit anzeigte, genügten der britischen Mannschaft 102 Sekunden, um das Spiel noch zu drehen und mit 2:1 zu gewinnen. Das Foto zeigt den United-Stürmer Teddy Sheringham, nachdem er das Tor zum Ausgleich geschossen hat.
Bayern am Boden: Der damalige Uefa-Präsident Lennart Johansson war bereits auf dem Weg zur Siegerehrung - und zwar im festen Glauben, gleich Bayern-Kapitän Stefan Effenberg den Pokal zu überreichen. Dann flüsterte ihm ein Mitarbeiter zu: "It's Manchester, Mr. President."
Der Titan: Bayern-Torwart Oliver Kahn bejubelt den Sieg seiner Mannschaft am 23. Mai 2001 gegen Valencia. Später sagte er über das Elfmeterschießen: "Es war wie im Rausch. Ich war in einem Trance-Zustand und habe um mich die Zuschauer nicht wahrgenommen."
25 Jahre nach dem letzten Gewinn in der Königsklasse hatten die Bayern endlich wieder triumphiert.
23. Mai 2001: Nach 120 Spielminuten und einem 1:1 kam es im Finale zwischen dem FC Bayern München und dem FC Valentia zum Elfmeterschießen. Für Oliver Kahn war es dieser Abend in Mailand, der ihn zur Bayern-Legende machte. Er parierte drei Elfmeter und erfüllte sich und seiner Mannschaft zwei Jahre nach dem tränenreichen Drama in Barcelona den Traum vom Titel.
Unser Bild zeigt Valencia-Spieler Gaizka Mendieta bei einem der wenigen verwandelten Elfer.
Der Beginn einer langen Party: Die Spieler des FC Bayern München lassen nach ihrem Sieg im Finale gegen Valencia am 23. Mai 2001 ihren Trainer Ottmar Hitzfeld hochleben.
Die Mannschaft feierte die Nacht in Mailand bis zum Rückflug durch. Um 13 Uhr landeten die Spieler dann in München, um sich anschließend durch Hunderttausende Fans im Autokorso den Weg zum Marienplatz zu bahnen.
22. Mai 2010: Der letzte Auftritt der Bayern in einem Champions-League-Finale war vor zwei Jahren. Hier sieht man Inter-Spieler Esteban Cambiasso im Zweikampf mit Ivica Olic.
Das Rätsel von Madrid: Bastian Schweinsteiger und Sulley Muntari von Inter Mailand haben während des Champions-League-Finales in Madrid eine kurze Auseinandersetzung. Vor Beginn des Spiels wurden die Bayern, Meister und Pokalsieger in Deutschland, als leichter Favorit gehandelt, fanden dann aber überhaupt nicht ins Spiel und wirkten wie gelähmt.
Geplatzter Traum: Inter Mailand gewinnt das Finale folgerichtig mit 2:0. "Inter hat verdient gewonnen. Milito hat heute den Unterschied gemacht. Wir waren nicht gut genug, um ein attraktives Spiel zu spielen", sagte Bayern-Trainer van Gaal nach der Partie.