Analyse zum Bundesliga-Auftakt Bayerns Stärken, Bayerns Schwächen
ARD-Experte Mehmet Scholl sprach es bereits in der Halbzeitpause des Bundesliga-Auftaktmatches zwischen Bayern und Mönchengladbach (3:1) an: Die Gastgeber bespielten konsequent die Außenbahnen. Die Analyse der Bayern-Pässe zeigt: Immer wieder verlagerten die Münchner das Geschehen aus dem Zentrum nach außen. Meist klappte dies (grüne Pfeile), einige Pässe fanden nicht ihr Ziel (rot), die gelben Pfeile zeigen Torschussvorlagen an, die aus dem Mittelfeld gegeben wurden. Auffällig: Der Zehnerraum blieb aus Bayern-Sicht verwaist.
Das Spiel über die Flügel war auch aufgrund der Rollen der Bayern-Außenverteidiger interessant. David Alaba etwa...
...marschierte nur wenige Male bis zur Eckfahne vor. Stattdessen zog er mehrfach in die Mitte bis auf Höhe des Strafraums. Von hier leitete er Pässe zu Franck Ribéry nach links weiter. Oder aber er verlagerte das Geschehen mit weiten Bällen auf die andere Seite.
Alabas Pendant war Philipp Lahm, der auf seiner gewohnten Position hinten rechts beginnen durfte.
Auch Lahm spielte sehr weit vorgerückt, wie die Punkte auf dem Spielfeld verdeutlichen, von denen er Pässe spielte. Noch mehr als Alaba zog es den Bayern-Kapitän in die Mitte. So verschaffte er Arjen Robben Platz, indem er Gegenspieler ins Zentrum lockte.
Was in Barcelona Lionel Messi ist, wird in München Franck Ribéry: Der Franzose schwang sich gegen Gladbach zur dominanten Figur auf dem Feld auf. Seine persönliche Spielstatistik belegt das. 130 Mal war Ribéry am Ball. Normal waren am Freitagabend im Schnitt 73,4 Ballkontakte für einen Bayern-Profi. 26 Zweikämpfe bestritt der 30-Jährige. Auch hier lag er deutlich über dem Durchschnitt (8,5). Nebenbei bereitete er das 1:0 mit einem Zauberpass vor.
Nicht ganz so brillant spielte Bastian Schweinsteiger auf. Thiago war krank, Schweinsteiger der Platz im defensiven Mittelfeld sicher. Weil ihm die Unterstützung fehlte, musste er vor dem eigenen Strafraum große Räume sichern.
Durch seine defensive Ausrichtung blieb Schweinsteiger vor dem gegnerischen Strafraum harmlos. Er gab keinen Schuss ab, bereitete nur einen Abschluss vor. Bei eigenem Ballbesitz holte er sich einige Male aus tiefen Positionen den Ball ab, um ihn nach außen zu verteilen, wie die Grafik zeigt.
In der ersten Halbzeit hatte Bayern auch defensiv stabil gewirkt. Wenn Gladbach zu Chancen kam, dann vor allem nach individuellen Fehlern der Gastgeber - wie dem von Dante vor dem 2:1. Die Analyse zeigt: Dass Bayern sicherer wirkte als nach der Pause, lag auch am da noch funktionierenden Gegenpressing. Gezeigt werden hier die gelungenen Defensivaktionen der Bayern in der gegnerischen Hälfte während der ersten 45 Minuten. Die gelben Symbole stehen für Ballsicherungen, die grünen für Tacklings, blau steht für abgefangene Bälle, lila für klärende Aktionen.
Nach der Pause funktionierte aber gerade das Gegenpressing, also das schnelle Druckausüben nach eigenen Ballverlusten, nicht mehr richtig. Zum Teil lag das daran, dass die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen zu groß waren.
In der zweiten Halbzeit gelangen den Bayern entsprechend nur noch acht Defensivaktionen in der gegnerischen Hälfte. Vor der Pause waren es noch 14.
Doch Guardiola krempelt nicht alles um. Beispiel Fernschüsse: Unter Pep waren sie in Barcelona verpönt oder das letzte Mittel, um zum Torerfolg zu kommen. Bei Bayern dagegen bleiben sie erwünscht.
Vor allem Toni Kroos und David Alaba versuchten es immer wieder aus der Distanz. Kroos scheiterte dabei einmal am Pfosten.
Dasselbe gilt für Flanken. Auch die suchte man bei Barcelona unter Guardiola vergeblich. In München werden auch künftig Hereingaben in den Strafraum segeln. Zu kopfballstark ist Mario Mandzukic, zu ausgeprägt der Torriecher Thomas Müllers. Gegen die Borussia schlugen die Bayern 16 Flanken. Aber: Aufgrund von Gladbachs kompaktem Abwehrriegel wurde die Vielzahl postwendend geklärt.