Beerdigung von Berkin Elvan Wut und Trauer in der Türkei
In der türkischen Metropole Istanbul haben sich Zehntausende Menschen versammelt, um der Beerdigung von Berkin Elvan beizuwohnen. Die Wut über den Tod des 15-Jährigen ist groß: Ein Tränengasgeschoss hatte ihn im vergangenen Sommer am Kopf getroffen, er starb an den Folgen der Verletzung.
"Berkin Elvan ist unsterblich", stand auf Spruchbändern im Trauerzug in Istanbul. Auch in der Hauptstadt Ankara gingen Tausende Demonstranten auf die Straße.
Der Junge war bei den Protesten im vergangenen Sommer von einer Tränengasgranate schwer am Kopf verletzt worden. Seine Eltern erklärten, Berkin habe nur schnell Brot holen sollen, als er auf der Straße attackiert wurde. Was genau passiert ist, wurde aber nie geklärt. Am Dienstag starb er - nach 269 Tagen im Koma.
Sein Tod hat die Demonstrationen gegen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und seine islamisch-konservative Regierung jetzt neu angefacht (hier ein Bild aus Istanbul).
Bereits am Dienstag - kurz nach der Nachricht von Berkins Tod - hatte es Proteste in rund 30 Städten des Landes gegeben. Die Nachrichtenagentur Dogan berichtet, rund 20 Demonstranten seien verletzt worden.
Besonders in Istanbul gab es Ausschreitungen. Demonstranten versuchten, nahe des Krankenhauses Barrikaden zu errichten, um die Polizei zu stoppen. Sie warfen Steine auf die Sicherheitskräfte und Polizeiwagen.
Die Mutter des Jungen macht Ministerpräsident Erdogan für den Tod ihres Sohnes verantwortlich. Erdogan hatte die Polizisten während der Proteste als "Helden" bezeichnet.
Örtlichen Medien zufolge wurden in der Nacht zum Mittwoch mehr als 150 Demonstranten festgenommen.
Tränengas gegen Demonstranten in Istanbul: Der Junge war vor neun Monaten von einem Tränengasgeschoss der Polizei am Hinterkopf getroffen worden.
Polizisten hinter Schutzschilden in Istanbul: Damals, im Sommer 2013, entwickelte sich eine Demonstration von Umweltschützern im Istanbuler Gezi-Park gegen das Abholzen von Bäumen zu einem landesweiten Protest gegen den autoritären Regierungsstil von Erdogan.