Beinahe-Katastrophe in New York - DER SPIEGEL
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Beinahe-Katastrophe in New York Gigant auf dünnen Beinen

Es ist eine Ikone der Baukunst - und war eine Gefahr für New York: 1978 drohte das Citicorp Center, eines der höchsten Gebäude Manhattans, einzustürzen und eine dramatische Kettenreaktion auszulösen. Der Architekt bemerkte einen fatalen Konstruktionsfehler, dann nahte die Hurrikan-Saison.
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Mein Haus, das hat drei Ecken: Mit seinem 45-Grad-Dach fällt das Citicorp Center auch in der von Wolkenkratzern überwucherten Skyline Manhattans sofort auf. Auf der Dachschräge waren eigentlich Solarkollektoren geplant, dieser Plan wurde aber nicht verwirklicht, darunter befinden sich technische Einrichtungen.

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Die Kirche, die dem Riesen Beine machte: Die Eigner der damals baufälligen St. Peter's Church waren nicht bereit, ihr Grundstück für den Bau des Citicorp-Firmengebäudes zu verkaufen. Den Luftraum über der Kirche bot man jedoch zum Bau an - nachdem das Finanzunternehmen Citicorp eingewilligt hatte, eine neue, modernere Kirche für die Gemeinde an der selben Stelle und das eigene Gebäude auf Stelzen über dem Gotteshaus zu errichten.

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Steilvorlage für Terroristen: Polizisten patrouillieren am 1. August 2004 vor den Stelzen des Citigroup Centers, nachdem die Regierung vor Terrorangriffen in New York gewarnt hatte. Erst im Jahr 2002 war eine der vier Säulen, die direkt an einer Straßenkreuzung liegt, mit Panzerplatten aus Stahl und Kupfer gegen Explosionen gesichert worden.

Foto: AP
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Touristisches Highlight: Eines der bekanntesten Gebäude New Yorks, das Citigroup Center, wird nachts mit Flutlicht angestrahlt. Der Wolkenkratzer mit der ungewöhnlichen Architektur wird in jedem Reiseführer der Stadt als Sightseeing-Ziel empfohlen - unerwähnt bleibt dabei meist die Beinahe-Katastrophe, an der das Hochhaus 1978 nur knapp vorbeischlidderte.

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Blendende Aussichten: Besucher im 59. Stock des einstigen Citicorp Centers, das heute den Namen Citigroup Center trägt. Durch das Fenster erkennt man an der Skyline New Yorks das Chrysler Building, in der Mitte des Bildes, und das Empire State Building, rechts. Mit einer Höhe von 279 Metern ist das Citicorp Center der siebthöchste Wolkenkratzer der Stadt.

Foto: Getty Images
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Aberwitzige Architektur: Das Citicorp Center thront auf 35 Meter hohen Stelzen - für den Entwurf wurden Baukonstrukteur LeMessurier und Architekt Hugh Stubbins in den siebziger Jahren gefeiert. Doch nur ein Jahr nach der Fertigstellung im Juli 1977...

Foto: Getty Images
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...drohte der siebthöchste Wolkenkratzer New Yorks einzustürzen, als Hurrikan "Ella" auf New York zukam. "Die Chancen standen fifty-fifty, dass das Gebäude bei einem Sturm in der Mitte durchbrechen würde", sagte Ingenieur LeMessurier damals (Foto von 1985).

Foto: AP
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Entspannt in die Katastrophe: Als der Citicorp-Vorsitzende Walter Wriston davon erfuhr, dass sein Prestigebau im Begriff war, das Leben Tausender New Yorker auszulöschen, reagierte er gelassen - während er Notizen für eine Presseerklärung auf einen gelben Notizblock kritzelte, sagte er laut "New Yorker" lachend: "Alle Kriege werden von Generälen gewonnen, die auf gelbe Blöcke schreiben."

Foto: AP
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Beschwingter Klotz: Im 63. Stockwerk des Hochhauses, einem öffentlich nicht zugänglichen Technikgeschoss, befindet sich der "Tuned Mass Damper" (TMD), zu deutsch "Schwingungstilger" - ein von computergesteuerten Hydraulikarmen bewegter gewaltiger Betonblock, der sich stets der Schwingungsrichtung des Gebäudes entgegen bewegt und den Wolkenkratzer so ruhiger stehen lässt. So soll das Wohlbefinden der Menschen im Haus verbessert werden, das ohne die Dämpfungsanlage bis zu 40 Zentimeter schwanken würde.

Ein Techniker vor dem TMD, YouTube-Screenshot.

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Angesehen: Hugh Stubbins, in den vierziger Jahren Assistent des Meisterarchitekten Walter Gropius, machte erstmalig 1957 mit der "Schwangeren Auster", der Kongresshalle in Berlin, von sich reden - es ist das einzige Gebäude des US-Amerikaners Stubbins in Deutschland.

Stubbins, rechts, und Museumsdirektor Perry T. Rathbone erklären im Mai 1969 Senatorgattin Joan Kennedy die Baupläne für das "George Robert White Wing, Museum of Fine Arts" in Boston.

Foto: AP
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Schräge Sache: Bauingenieur William LeMessurier ließ das Citicorp Center mit schrägen Säulen abstützen, die in Form eines gigantischen "V" miteinander verbunden wurden, um die Standfestigkeit seines Gebäudes zu verbessern. Seine Anordnung, die Einzelelemente miteinander zu verschweißen, wurde jedoch missachtet - mit katastrophalen Folgen (YouTube-Screenshot).

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Blick aus Büro: einestages-Leser Mark Boehmer nahm dieses Foto vom Citicorp Center auf die Skyline Manhattans am 17. August 2011 auf.

Foto: Mark Boehmer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?