Unsinnige Subventionen Heu-Hightech, Tanz-Innovation und Lkw-Reifen
480.000 Euro für gefrorenes Hahnensperma
Die genetische Vielfalt von Hühnern ist in Gefahr. Grund ist die enorme Konzentration auf dem Zuchtmarkt, wenige Unternehmen beherrschen das weltweite Geschäft und arbeiten mit nur sehr wenigen Zuchtlinien. Daher soll Hahnensperma von zwölf Hühnerrassen dauerhaft bei minus 196 Grad Celsius eingefroren werden, um eine genetische Reserve zu sichern. Bis 2017 erhalten der Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter und das staatliche Friedrich-Loeffler-Institut dafür 480.000 Euro vom Bundeslandwirtschaftsministerium.
280.000 Euro für Farbvielfalt bei Tierfutter
In der ökologischen Landwirtschaft sind Lupinen wegen ihres hohen Proteinanteils als Tierfutter beliebt. Die Pflanzen gibt es in vielen verschiedenen Farben, am meisten Proteine enthalten die weißen und gelben Varianten die aber weniger resistent und wohlschmeckend sind als ihre blauen Verwandten. Das wollte ein Institut für Züchtungsforschung nun ändern und die positiven Eigenschaften der blauen auch bei gelben und weißen Lupinen erreichen und erhielt dafür laut Steuerzahlerbund vom Bundeslandwirtschaftsministerium bis Anfang 2014 knapp 280.000 Euro.
1,2 Millionen Euro für Continental
Der Reifenhersteller Continental hat ein Verfahren für die Runderneuerung von Lkw-Reifen entwickelt. Dadurch lässt sich im Vergleich zur Produktion neuer Reifen der Energieaufwand um die Hälfte senken, zudem sinkt durch die bearbeiteten Reifen der Spritverbrauch. Löblich allerdings stellt sich die Frage, ob ein weltmarktgestählter Konzern, der zu den 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands zählt, dafür im vergangenen Jahr unbedingt 1,2 Millionen Euro an Subventionen vom Bundesumweltministerium erhalten musste.
9,3 Millionen Euro für Clooneys Blockbuster
Matt Damon, Bill Murray, Cate Blanchett und George Clooney als Darsteller, Drehbuchautor und Regisseur! Der Hollywood-Film "Monuments Men" wartet mit einem außergewöhnlichen Staraufgebot auf. Kein Wunder, dass das kostet. Etwa 70 Millionen Dollar hat das Budget betragen. Umgerechnet fast 13 Millionen Dollar davon kamen allerdings vom deutschen Staat. 8,5 Millionen Euro steuerte der Deutsche Filmförderfonds aus dem Etat des Bundeskanzleramts bei, weitere 0,8 Millionen Euro kamen aus den regionalen Fördertöpfen für Brandenburg und Sachsen-Anhalt, wo Teile des Films gedreht wurden. An den Kinokassen hat der Blockbuster bislang übrigens fast 130 Millionen Dollar eingespielt.
Mehr als 600.000 Euro für "Frauenmediaturm"-Stiftung
Für die von Alice Schwarzer geleitete Stiftung "Frauenmediaturm" in Köln gibt das Bundesfamilienministerium von 2012 bis 2016 insgesamt 600.000 Euro. Zusätzlich erhält die Stiftung, die ein Archiv zur Geschichte der Emanzipation unterhält, 70.000 Euro im Jahr vom Land Nordrhein-Westfalen. Allerdings ist die Auslastung des Archivs recht dürftig. Im Jahr 2013 machten lediglich 750 Nutzer von der Bibliothek beziehungsweise der Fernleihe Gebrauch.
285.000 Euro für bessere Heuernte und lagerung
Das Heu gerät als Tierfutter gegenüber Gras- oder Maissilage immer weiter ins Hintertreffen obwohl es für Kühe und Co. gesünder sein soll. Um das zu ändern, spendiert das Bundeslandwirtschaftsministerium rund 285.000 Euro für die Verbesserung der sogenannten Heubergetechnik.
Eine Million Euro für die deutsche Öko-Erdbeere
Die deutsche Öko-Erdbeere hat gegenüber ihrer konventionellen Konkurrenz einen entscheidenden Nachteil: Während letztere von April bis November auf dem Markt sind, gedeihen die ökologisch produzierten Erdbeeren nur in einem deutlich kürzeren Zeitraum. Wer außerhalb dieser Phase zur unbehandelten Erdbeere greifen möchte, muss sich daher oft mit spanischen Importen begnügen. Das Landwirtschaftsministerium hat seit 2008 fast eine Million Euro für Projekte ausgegeben, um die Erntezeit für heimische Öko-Erdbeeren auszuweiten.
1,4 Millionen Euro für klimafreundliche Rentner
Rentner sind agiler denn je und damit auch deutlich mobiler. Um das Klima nicht noch weiter zu belasten, hat das Bundesumweltministerium das 1,4 Millionen Euro teure Projekt "Klimaverträglichkeit mobil 60+" gestartet. Unter anderem sollen Senioren durch persönliche Beratung oder per im Internet veröffentlichter Tipps beim Klimaschützen unterstützt werden. An sich ein lobenswerter Ansatz doch ein Blick auf die auf der Projekt-Webseite veröffentlichten Tipps lässt Zweifel daran aufkommen, dass alles Geld wirklich sinnvoll investiert ist: Dort erfährt man etwa, dass Zu-Fuß-Gehen "die einfachste uns ursprünglichste Art der Fortbewegung" ist. Oder dass Radfahren die Umwelt schont. Oder dass man in Bus und Bahn umweltfreundlich mobil ist. Wer hätte das gedacht!?