Berlin Wowereit tritt ab
Rivalen: SPD-Landeschef Jan Stöß und der Fraktionsvorsitzende Raed Saleh wollen die Nachfolge von Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister antreten.
Nachdenklicher Blick: Seit mehr als 13 Jahren ist Wowereit Regierender Bürgermeister in Berlin. Nun soll es bald vorbei sein. Am 11. Dezember will er sein Amt vorzeitig aufgeben.
Wahlsieg, Teil eins: 2001 war Wowereit zum Oberhaupt der Bundeshauptstadt bestimmt worden, nachdem die SPD die Große Koalition mit der CDU in Folge des Berliner Bankenskandals aufgekündigt hatte.
Zu den Gratulanten gehörte natürlich auch der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder.
Wowereit wurde Nachfolger von Eberhard Diepgen und regierte zunächst mit den Grünen, nach den Neuwahlen im Januar 2002 dann mit der PDS. Sein Motto damals: "Mit Mut für Berlin - wir werden es schaffen."
Wahlsieg, Teil zwei: 2006 konnte sich Wowereit über die Verlängerung seiner Regierungszeit freuen. Die SPD wurde mit 30,8 Prozent der Stimmen stärkste Kraft in Berlin, die CDU landete lediglich bei 21,3 Prozent. Im zweiten Wahlgang wurde der Politiker erneut zum Regierenden Bürgermeister gewählt.
Wahlsieg, Teil drei: Die bislang letzte Wahl in Berlin bescherte Wowereit 2011 einen geringeren Zuspruch als noch fünf Jahre zuvor, dennoch wurde er erneut im Amt bestätigt. Stimmen hatte ihn sicherlich die Kritik an seinem mangelhaften Krisenmanagement gekostet. 2010 hatte er Ärger auf sich gezogen, als er hinsichtlich der ungenügenden Eisbeseitigung auf den Straßen sagte, man sei in Berlin und nicht auf Haiti.
Wowereit stammt selbst aus Berlin, 1953 wurde er im Bezirk Tempelhof geboren. Er wuchs ohne Vater, aber mit vier Geschwistern auf. Als Erster in seiner Familie konnte er aufs Gymnasium gehen, später studierte er Jura an der FU Berlin. Nebenbei jobbte er als Gärtner und Brotausfahrer. Auf Berlin war Wowereit immer stolz, hier präsentiert er der schwedischen Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel das Brandenburger Tor.
Wowereit kokettiert gerne damit, dass er ein Eigengewächs der Hauptstadt ist. Über seine Heimatstadt sagte er einst: "Berlin ist arm, aber sexy."
Mit dem oft zitierten Satz "Ich bin schwul - und das ist auch gut so" machte Wowereit 2001 auf einem Sonderparteitag der SPD seine Homosexualität öffentlich.
Wowereits Desaster: Ursprünglich sollte der Großflughafen BER sein großes Projekt werden. Er setzte sich an die Spitze des Aufsichtsrats. Doch der Bau verzögerte sich immer wieder. Wie groß die Schwierigkeiten auf der Baustelle waren, bekam er angeblich nicht mit. Dennoch trat er im Januar 2013 als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft zurück.
Damit waren seine Probleme allerdings noch nicht beendet: Fünf Tage nach seinem BER-Rücktritt entschieden die Berliner Abgeordneten über einen von der Opposition eingebrachten Misstrauensantrag - und Wowereit überstand ihn. 62 Stimmen gab es für eine Abwahl, 85 dagegen.
Ein Höhepunkt seiner Karriere war sicherlich der Besuch von US-Präsident Barack Obama in Berlin im Sommer 2013. Gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel folgte er der Rede des Staatsoberhaupts und applaudierte hinterher.
Party, Party, Party: Auch das Image des feierlustigen Politikers hat Wowereit gerne gepflegt. Hier posiert er mit dem Top-Model Nadja Auermann bei einer Unicef-Veranstaltung.
Mit Stars konnte Wowereit gut umgehen: Hier verpasst er Hollywoodstar Sylvester Stallone, bekannt aus zahlreichen Actionfilmen (etwa "Rocky"), einen symbolischen Kinnhaken.
Die besondere Verbindung Berlins zur deutschen Geschichte lag Wowereit immer am Herzen, dafür reiste er auch durch die Welt. 2009 überreichte er dem Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoe, ein Stück der Berliner Mauer.
Im selben Jahr hatte Wowereit auch den früheren sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow (M.) zu Gast in Berlin. Ebenfalls mit auf dem Bild: Der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (l.)
Wowereit war lange äußerst beliebt in Berlin, doch der Zuspruch aus der Bevölkerung hat merklich nachgelassen. Besonders das BER-Desaster hat seine Umfrageergebnisse abstürzen lassen. Bei einer Forsa-Umfrage der "Berliner Zeitung" im Februar 2013 landete er nur auf dem drittletzten Platz der beliebtesten Berliner Politiker.
Das hat Wowereit nun getan: Im Dezember ist Schluss für den Dauerregierer. Als mögliche Nachfolger gelten der Berliner SPD-Chef Jan Stöß und der SPD-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Raed Saleh.