Berliner Luftbrücke - DER SPIEGEL
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Leben in der Blockierten Stadt "Wir wurden nicht wie Besiegte behandelt"

Das Dörrgemüse schmeckte "wie Stacheldraht" - aber Ulrich Kirschbaum war trotzdem froh, dass es vom Himmel kam. Als Sechsjähriger erlebte er die Blockade von West-Berlin und die Luftbrücke der Amerikaner. Die Aufregung um die "Rosinenbomber" allerdings war ihm gar nicht geheuer.
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Begrüßungskomitee für die Luftbrücke: Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Flughafen Berlin-Tempelhof zeitweilig der Versorgungspunkt des Westteils der Stadt. Die UdSSR hatte am 24. Juni 1948 eine Blockade als Reaktion auf die Währungsreform in den Westsektoren am 23. Juni 1948 verhängt. Alle Land- und Wasserwege wurden für den Personen- und Güterverkehr zwischen West-Berlin und Westdeutschland gesperrt. Die Versorgung der Westberliner Bevölkerung und der westalliierten Besatzung erfolgte daraufhin durch eine von den USA und Großbritannien errichtete Luftbrücke.

Foto: DPA
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Ulrich Kirschbaum: Am 24. Juni 1948 blockierten sowjetische Soldaten sämtliche Zufahrtswege in den Westteil Berlins, um den Abzug der Alliierten zu erzwingen. Die dadurch von der Außenwelt abgeschnittenen Berliner wurden durch eine der umfangreichsten Hilfsaktionen in der Luftfahrtgeschichte gerettet. Ulrich Kirschbaum war damals sechs Jahre alt und erinnert sich an das ständige Brummen der Flugzeuge, die die Menschen mit dem Nötigsten versorgten: "Wir wussten, das bedeutet etwas Gutes. Nur wenn zum Beispiel Nebel war oder schlechte Sicht, dann wurden wir unruhig und hofften, dass den Piloten nichts Schlimmes passieren würde."

Foto: Ulrich Kirschbaum
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Geschenke aus der Luft: Der Pilot Gail Halvorsen winkt in dieser Aufnahme vom September 1948 mit den kleinen Fallschirmen aus dem Fenster seines Flugzeugs auf dem Berliner Flughafen Tempelhof. Er war einer der Piloten, die über die Luftbrücke den eingeschlossenen Westteil Berlins versorgten. An den Fallschirmen, die er aus seinem Flugzeug warf, hingen Süßigkeiten für die Kinder.

Foto: Gail Halvorsen
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Gruppenbild: Ulrich Kirschbaum, der als Sechsjähriger die Blockade von West-Berlin und die Luftbrücke der Amerikaner miterlebte, mit einigen Kindern aus seiner Nachbarschaft. Aufnahme aus den vierziger Jahren.

Foto: Ulrich Kirschbaum
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Süßes für die Kinder: Pilot Gail S. Halvorsen wirft 1948 auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof amerikanische Süßigkeiten aus seinem C-54 Transportflugzeug, die von Kindern auf dem Flugfeld aufgefangen werden.

Foto: edition Grüntal Verlag/ dpa
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Onkel Wackelflügel: Gail Halvorsen mit seinen "Verehrern", West-Berliner Kindern auf dem Flughafen Tempelhof, die kurz zuvor von ihm abgeworfene Süßigkeiten gefangen hatten. Damit die Kinder sein Flugzeug erkannten, wackelte er kurz mit den Flügeln und wurde daher auch "Onkel Wackelflügel" genannt.

Foto: Gail Halvorsen
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Ulrich mit seiner Stiefmutter: Ulrich Kirschbaum, dessen Mutter an Diphterie starb, lebte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit Bruder, Vater und Stiefmutter in unmittelbarer Nähe des Flughafens Berlin-Tempelhof. Das Brummen der Versorgungsflugzeuge war für ihn während der Berlin-Blockade durch die Sowjets ein normales Alltagsgeräusch.

Foto: Ulrich Kirschbaum
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Luftbrücke nach Berlin: West-Berliner Kinder sind auf einen Zaun am Flughafen Berlin-Tempelhof geklettert, um die US-Flugzeuge zu sehen, die Versorgungsgüter in das von der Außenwelt abgeschnittene West-Berlin zu bringen. Die Stadt wurde von den Sowjets blockiert, so dass sie auf Land- und Wasserwegen nicht mehr zu erreichen war. Die historische Luftbrücke der Amerikaner und Briten begann am 25. Juni 1948 und dauerte elf Monate an.

Foto: AP
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Hoffnung an Fallschirmen: Mit der Luftbrücke sollte die Bevölkerung Westberlins mit Überlebensnotwendigem versorgt werden. Doch zu den "Rosinenbombern" wurden die Flugzeuge erst, nachdem der Pilot Gail Halvorsen damit begonnen hatte, Süßigkeiten an kleinen Fallschirmen für die Kinder der eingeschlossenen Stadt abzuwerfen. Hier kniet er an einer Luke seiner C-54, von wo aus die süße Fracht auf den Weg gebracht wurde.

Foto: Gail Halvorsen
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Kindheitserinnerungen: Ulrich Kirschbaum heute am Flughafen Tempelhof. Während der Berliner Luftbrücke hatte der damals Sechsjährige hier versucht die Schokolade an den kleinen Fallschirmen zu fangen. Er war aber zu klein und bekam nichts ab - erst später bei einer Weihnachtsfeier der amerikanischen Soldaten wurde er mit Keksen und Kakao versorgt. "Wir wurden nicht wie Besiegte behandelt, sondern man wollte uns helfen", sagt Kirschbaum über die Amerikaner, denen er bis heute dankbar ist.

Foto: Lydia Leipert
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?