Berühmte Aussteiger Hin und weg
Christopher McCandless
Das Raus: Im Sommer 1990 braust der 22-jährige Uni-Absolvent in einem Nissan davon. Weg aus Atlanta, seinem alten Leben, der Heuchelei der Welt. Immer tiefer in die Wildnis.
Das Aus: Im September 1992 finden Elchjäger seine ausgemergelte und stark verweste Leiche in einem rostigen Bus in den Wäldern Alaskas.
Das bleibt: Jon Krakauers Buch über McCandless' Leben und Tod, "In die Wildnis", Millionenbestseller und von Sean Penn verfilmt (hier im Bild: Emile Hirsch in der Rolle von Christopher McCandless). Freiheitssuchende aus aller Welt machten den Linienbus in Alaska zu ihrem Altar.
Paul Gauguin
Das Raus: Zivilisationsmüdigkeit und Fernweh trieben den französischen Impressionisten erst nach Panama, später auf mehrere Südseeinseln. Malen unter Palmen, schlafen in Hütten.
Das Aus: Von mehreren Krankheiten entkräftet, stirbt er mit 54 Jahren auf Hiva Oa, einer Insel der Marquesas-Archipels.
Das bleibt: Seine Bildnisse der Südseeparadiese. "Nafea" wird 2015 für angeblich 300 Millionen Dollar verkauft, gilt als teuerstes Gemälde der Welt.
Rolf Brunner
Das Raus: 1979 erwerben er und rund 200 weitere Aussteiger auf der Insel Ithaka vor der griechischen Westküste ein Stück Land. Sie gründen eine Kommune, die "Sarakiniko Alternatives Leben GmbH".
Das Aus: Streitigkeiten über den richtigen Weg, zerbrechende Beziehungen und Geldprobleme zermürben das Zusammenleben. Nur wenige Kommunarden blieben, darunter Rolf Brunner.
Das bleibt: Brunner hat auf Ithaka ein weiteres Alternativprojekt gestartet, "Ecotopia". Die Tochter studiert inzwischen in Deutschland, ihre Hütte vermietet er auf Airbnb.
Armand Schulthess
Das Raus: Mit Anfang 50 quittiert der menschenscheue Verwaltungsbeamte seinen Dienst und zieht in ein schlichtes Bauernhaus im Schweizer Kanton Tessin. Mehr als 20 Jahre lang hängt er Tafeln mit Zitaten, Bücher- und Zeitungspassagen in seinen Kastanienwald, um das Wissen der Menschheit zu versammeln.
Das Aus: 1972 wird er tot in seinem Garten gefunden. Er wurde 71 Jahre alt.
Das bleibt: Eine Fotodokumentation über seine "Enzyklopädie des Waldes", im Jahr seines Todes auf der Documenta ausgestellt. Max Frisch nutzte Schulthess' Geschichte als Vorbild für das Werk "Der Mensch erscheint im Holozän". Und der Dokumentarfilmer Hans-Ulrich Schlumpf veröffentlichte über das Lebenswerk des Aussteigers das Buch "Armand Schulthess. Rekonstruktion eines Universums".
Raphael Fellmer
Das Raus: 2010 startet der aus Berlin stammende Aktivist (geboren 1983) eine geldfreie Weltreise. Nach der Rückkehr führt er seinen Geldstreik fort.
Das Aus: Nach monatelanger Suche nach kostenlosem Wohnraum nimmt er seit 2015 wieder am Zahlungsverkehr teil, "zum Wohl der Familie", sagt er in einem Interview. Geld verdient er mit Vorträgen.
Das bleibt: die von ihm mitbegründete "Foodsharing"-Bewegung, seine Biographie "Glücklich ohne Geld".
Henry David Thoreau
Das Raus: Um zu sinnieren und zu schreiben, "dem eigentlichen, wirklichen Leben näherzutreten", zieht der 27-jährige Jungschriftsteller im Frühjahr 1845 in eine Blockhütte am Walden-See in Massachusetts.
Das Aus: Nach zwei Jahren kehrt er in die Zivilisation zurück, mit reichlich Naturimpressionen und großen Gedanken für sein Meisterwerk "Walden. Oder das Leben in den Wäldern".
Das bleibt: Beschreibungen wie diese, über das Summen einer Mücke, "die ihren unsichtbaren, unergründlichen Flug in früher Morgendämmerung durch mein Zimmer nahm, als ob ich Posaunentöne hörte, die laut ein Loblied tönten. Das war Homers Requiem: eine Ilias und Odyssee der Luft, die ihren eigenen Zorn und ihre Irrfahrten besangen."
Ho Van Thanh
Das Raus: 1973 hat der Vietnamkrieg sein Haus zerstört, ihm Frau und zwei Kinder genommen, da flieht Van Thanh mit seinem einjährigen Sohn in die Berge.
Das Aus: Vier Jahrzehnte später werden die Männer im Dickicht entdeckt. Barfuß, dürr und mit Baumrinden als Lendenschurze.
Das bleibt: Eine Geschichte, die Vietnam elektrisiert. Und wenig später um die Welt geht.
Franz von Assisi
Das Raus: Der Vater, reicher italienischer Tuchhändler, zürnt: Sein Sohn will fortan ohne Geld, barfuß, als Wanderprediger leben. Bald schließen sich weitere Aussteiger an.
Das Aus: Nach einer Orientreise geschwächt und erblindet, zieht er sich 1226, mit Mitte 40, ins Kloster Portiuncula zum Sterben zurück.
Das bleibt: Sein Heiligenstatus. Der Welttierschutztag jährlich am 4. Oktober, Sterbedatum des frühen Tierfreundes von Assisi. Der aktuelle Papst Franziskus wählte seinen Namen nach ihm.